„Mulan“: Ein Epos für die große Leinwand

Hauptdarstellerin Yifei Liu kann sich kampftechnisch hervorragend behaupten. Foto: dpa
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Der Streaming-Start des Remakes läuft ab 4. September bei Disney+. Wer bezahlt, bekommt grandiose Actionchoreografien von einem Best-of chinesischer Stars zu sehen, aber wenig...

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. Die Corona-Pandemie ist besonders für die Kinobranche ein herber Schlag. Zwar sind die Kinos wieder offen, doch ziemlich leer. Das liegt nicht nur an den Abständen zwischen den Sitzplätzen – es fehlt an zugkräftigen Filmen. Und Christopher Nolans vor Kurzem angelaufener Thriller „Tenet“ allein kann das Kino nicht retten. Die Nachricht, dass „Mulan“, einer jener potenziellen Blockbuster, die seit dem Lockdown auf Halde liegen, nach zwei Startverschiebungen nun einzig im Streamingdienst Disney+ zu sehen sein wird, dürfte zusätzlich Befürchtungen wecken.

Remake will inhaltlich moderner sein

„Mulan“, einer der meist erwarteten Filme in 2020, ist das Live-Action-Remake eines Zeichentrickmusicals von 1998, das im Disney-Universum einen besonderen Rang einnimmt. Das Animationsabenteuer präsentiert nicht nur die zweite nicht-westliche Disneyprinzessin (nach der Indianerin Pocahontas), sondern kommt ganz ohne „weiße“ Gesichter aus. Basierend auf einer chinesischen Ballade aus dem 4. Jahrhundert, wird geschildert, wie das Mädchen Mulan anstelle seines kranken Vaters und als Mann verkleidet in der kaiserlichen Armee heldenhaft eine Hunnen-Invasion aufmischt.

Im Blick auf ein asiatisches Publikum will das Remake hinsichtlich der Ausstattung historisch authentischer, inhaltlich aber moderner sein. Die neuseeländische Regisseurin Niki Caro, die ihren Durchbruch mit dem emanzipatorischen Mädchendrama „Whale Rider“ (2002) feierte, eliminiert denn auch jenen schmucken Kommandanten, der im Trickfilm seinem Untergebenen Mulan ungewöhnlich gewogen war (böse Zungen behaupten, dass die Streichung statt #MeToo-Gründen vielmehr der Angst vor homosexuellen Untertönen geschuldet sei). An die Stelle der Romantik tritt die Kameradschaft unter Kumpels. Gesungen wird auch nicht mehr, und Tiere können nicht reden: Statt von dem vielgeliebten dummschwätzenden Trickfilmdrachen Mushu wird Mulan vom symbolträchtigen Phönix-Ahnenvogel unter die Fittiche genommen. Den Schurkenpart übernimmt Hexe Xianniang, wobei à la „Maleficent“ dem fiesen Patriarchat die Schuld an Xianniangs Verbiesterung zugeschrieben wird.

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Weitgehend humorbefreit, besticht die Handlung aber mit grandiosen Actionchoreografien im Stil des „Tiger & Dragon“-Martial-Arts-Klassikers, ausgeführt von einem Best-of chinesischer Stars wie Gong Li, Donnie Yen und Jet Li. Inmitten der Promis kann sich die junge Hauptdarstellerin Yifei Liu besonders kampftechnisch hervorragend behaupten. Und wenn bei der Heldin der Knoten platzt, sie ihren Männerdutt auflöst und mit wehender Mähne einer weiblicheren Zukunft entgegengaloppiert, ist dies erhebender als alle verbalen Botschaften.

Indes: Ist die bildgewaltige Chinoiserie, der man das 200-Millionen-Budget ansieht, attraktiv genug, um dafür tiefer in die Tasche zu greifen? Denn um „Mulan“ zu streamen, reicht ein reguläres Abo nicht aus. Zusätzlich ist eine Premium-VoD-Gebühr von 21,99 Euro fällig: weit teurer als eine Kinokarte. Dieses Epos ist aber ganz offensichtlich für die große Leinwand gemacht und kann auf der Mattscheibe nur verlieren. Sollte „Mulan“ floppen, wäre dies ein Zeichen dafür, dass das Kino lebt.