Jörg-Uwe Funk leitet jetzt das Wiesbadener Kulturamt

Fünf Amtsleiter hat Jörg-Uwe Funk bisher erlebt – jetzt leitet er selbst das Kulturamt. Foto: Lamparth

Fünf Amtsleiter hat er erlebt – jetzt übernimmt er selbst die Kulturamtsleitung: Jörg-Uwe Funk ist für viele eine sehr gute Wahl. Ein Gespräch über kleine und große Baustellen.

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WIESBADEN. Jörg-Uwe Funk sitzt nicht nur im übertragenen Sinne auf gepackten Kisten: Die Räume des Wiesbadener Kulturamts werden renoviert. Und erst danach zieht er in sein neues Büro ein – das der Kulturamtsleitung.

Die Nachricht, dass der 56-Jährige künftig hier die Verantwortung trägt, wurde in der Kulturszene sehr positiv aufgenommen. Man kennt und schätzt den gradlinigen Kulturbegeisterten schließlich schon lange: Seit 31 Jahren arbeitet er beim Kulturamt, hat insgesamt fünf Amtsleiter erlebt – vom unvergessenen Henry Gerster bis zu seiner Vorgängerin Ingrid Roberts. Seit 2001 war er stellvertretender Amtsleiter, seit Januar 2018 führte er kommissarisch die Geschäfte.

Was ändert sich jetzt für ihn? „Wir konnten keine Riesenthemen anpacken – jetzt können wir auch das. Es herrscht Klarheit, das ist ein gutes Gefühl.“ Die nächsten zehn Jahre will Funk sich nun an der Spitze der Verwaltung für die Kultur in Wiesbaden einsetzen. Das Kulturamt hat insgesamt rund 100 Mitarbeiter, die meisten in den Stadtbibliotheken und in der Musikakademie. Der Musik ist Jörg-Uwe Funk übrigens besonders verbunden: Der 1963 in Frankfurt Geborene („Ich bin aber schon mit 15 Monaten nach Wiesbaden gekommen“) hat vor seiner Verwaltungslaufbahn zwei Jahre in Mainz Musikwissenschaft studiert. Er spielt Klavier, Trompete und hatte auch mit Fagott angefangen – „aber dafür habe ich jetzt keine Zeit mehr“. Wenn ihm etwas so ein bisschen fehlt in der Wiesbadener Kulturlandschaft, dann sind das Clubs mit Livemusik: „Davon würde ich mir mehr wünschen.“

Vielleicht wird auch das eines der Ergebnisse des Kulturentwicklungsplans sein. „Das ist jetzt die Phase der Standortbestimmung“, erläutert der neue Kulturamtsleiter. Daten wie Besucherzahlen oder Ausstattung fließen in diese Erhebung mit ein. Im Sommer beginnen dann die Fach-Workshops. Auch die Meinung von kulturaffinen Bürgern ist gefragt. „Es wird ein Prozess im Miteinander, bei dem wir klären wollen, was man verbessern kann.“ Und dabei geht es auch – aber nicht nur – um die finanziellen Belange: „Das ist manchmal eine unwürdige Situation, wenn Kulturakteure als Bittsteller auftreten müssen“, sagt Jörg-Uwe Funk. Es soll aber auch beim Entwicklungsplan darum gehen, welche Potenziale es in der Stadt gibt, die noch nicht erschlossen sind.

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„Die Walkmühle wird ein Riesending“

Ihm persönlich liegt Theater, auch von freien Gruppen, am Herzen. Und die Stadtteilkultur: „Ich habe ja die ersten Jahre im Kulturamt in diesem Bereich gearbeitet und halte diese Teilhabe nach wie vor für sehr wichtig.“ Gerade, wenn die Stadtteilbibliotheken auch eine soziale Funktion haben: „Das wird immer mehr zum Treffpunkt.“

Und die kulturellen Baustellen in der Stadt? Beim Walhalla wage er keine Prognose, so Funk. „Aber das sollte auf jeden Fall der Kultur zugeführt werden.“ Beim Kunsthaus hoffe man auf ein Sanierungsende 2021. Bei der Walkmühle auf die Fertigstellung im Sommer 2020: „Das wird ein Riesending für die Region“, ist sich Funk sicher. Und bis dahin ist auch die Kulturverwaltung in ruhigerem Fahrwasser: Neben der Einführung des neuen Leiters der Mauritiusmediathek diesen August geht es ja bald auch um die neue Leitung im Kunst-Referat der Stadt, der Wiesbadener Musik- und Kunstschule und des Stadtarchivs. Im nächsten Jahr sei das Kulturamt gewissermaßen runderneuert, scherzt Jörg-Uwe Funk. Mit einem bewährten und doch neuen Amtsleiter an der Spitze.