Virtueller Vorstoß zum Schatzkeller

Mehr als 1100 Kunstwerke lassen sich an der „Collection Wall“ schon heute besichtigen.   Foto: Kunsthalle Mannheim / Dietrich Bechtel  Foto: Kunsthalle Mannheim / Dietrich Bechtel

Die Mannheimer Kunsthalle hat mit der Eröffnung des Neubaus vor ein paar Wochen schon einen fulminanten Neustart hingelegt. Allerdings einen analogen. Doch auch digital soll...

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MANNHEIM. Die Mannheimer Kunsthalle hat mit der Eröffnung des Neubaus vor ein paar Wochen schon einen fulminanten Neustart hingelegt. Allerdings einen analogen. Doch auch digital soll die Kulturstätte Vorreiter werden und geht dazu einen zumindest in Deutschland bislang einzigartigen Weg, den Kunsthallenchefin Ulrike Lorenz und ihr Team als „Digitale Strategie“ bezeichnen. Mit ihr sollen auch junge Menschen für Kunst zu begeistert werden.

Klar, dass da der Einsatz der neuesten Medien nicht fehlen darf. Smartphone oder Tabletcomputer werden zu einem Instrument, das den Besucher auf unterhaltsame Weise durch das Museum führt, dabei Neues entdecken und Bekanntes vertiefen lässt. „Wir ermöglichen damit die aktive Teilhabe unserer Besucher an der Ausstellung noch stärker als bisher. Das soll Hemmschwellen senken“, erklärte Ulrike Lorenz am Montag, als die Digitale Strategie an den Start ging.

Die „strategischen“ Mittel sind multimedial. Neben der großen „Collection Wall“ im kostenlos zugänglichen Foyer gehören das „Creative Lab“ und eine Multimedia-App zur neuen Ausrüstung der Kunsthalle. Die „Collection Wall“ ist durchaus das attraktivste Instrument. Die Wand setzt sich aus 16 großen, zusammenhängenden Monitoren zusammen, die wie eine Plakatwand im urbanen Raum wirken und mit Gesten gesteuert werden kann. Mit ihr erhalten die Besucher einen Zugang zur gesamten Mannheimer Kunstsammlung, also auch zu den Werken, die im Keller lagern. Die Digitalisierung der Sammlung ist noch im Gange, doch 1100 Kunstwerke können an der „Collection Wall“ bereits besichtigt werden: einfach je nach Interesse eine Skulptur, ein Gemälde, eine Zeichnung antippen und weitere Informationen oder gar eine Verlinkung mit der Multimedia-App erhalten, die wiederum weitere Entdeckungsräume eröffnet. Insgesamt sieben mediale Museumsführungen bietet die App ihren Nutzern an. Es können dabei gezielt Infos zu den 742 ausgestellten Kunstwerken abgerufen werden, und es warten einige Überraschungen auf die Anwender. Eine weitere Säule der Digitalen Strategie ist das „Creative Lab“. Damit setzt die Kunsthalle in vier Räumen des Jugendstilbaus einen neuen Schwerpunkt bei der Entwicklung und Erprobung digitaler Werkzeuge. Einerseits sollen im Labor Sammlungsthemen vermittelt, aber auch Denkimpulse gesetzt und Wahrnehmungsexperimente ermöglicht werden. Herzstück ist ein elektronischer, interaktiver Grafiktisch, der den Weg zum größtenteils verborgenen Schatz der Grafiksammlung per Touch Display, also durch Berührung, freimacht. „Dass die Kunsthalle nicht nur auf analoge, sondern auch digitale Kunstvermittlung setzt, macht den Neubau umso spektakulärer“, unterstrich der Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, Christoph Dahl. Die Kunsthalle leiste damit Pionierarbeit. Aus diesem Grund unterstützt die Stiftung das digitale Vorpreschen mit 1,85 Millionen Euro. „Die größte Summe, die wir im Bereich der Kunstförderung gegeben haben“, sagte Dahl. Die Stiftung verbindet damit die Hoffnung, dass die Kunsthalle auch Vorbild für andere Museen wird, die auf die Erfahrungen der Mannheimer zurückgreifen können.