Ausstellung von Barbara Eitel im Darmstädter „Kunstpunkt“

Die Darmstädter Sezession stellt im Kunstpunkt am Riegerplatz Werke von Barbara Eitel vor. Foto: Andreas Kelm

Barbara Eitel vereint in ihren Werken in Papier und MDF, die im Darmstädter „Kunstpunkt gezeigt werden, handwerkliche Präzision und erzählerischer Überschwang.

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DARMSTADT. Barbara Eitel sorgt für Wirbel. Denn ihre Motive zerstreuen sich dynamisch in eine Unzahl sichelförmig gekurvter, in Bündeln übereinandergelegter Streifchen.

So scheint sich in ihrer Schau im Darmstädter Kunstpunkt die Figur auf der kleinen Zeichnung „Was gilt der Mensch als Mensch“ ab Kniehöhe aufzulösen. Jeder Windstoß, jeder Feuerstrahl darin ist mit dem Skalpell ausgeschnitten aus Papier, farbenfroh bemalt mit Tuschen, schließlich mit Fingerspitzengefühl in Schichten aufgeklebt, die sich wie Gefieder auffächern. Das zugleich kumulative und filigrane Gebilde wirkt noch räumlicher dank eines Schatten-Doppelgängers auf dem weißen Grund, den ein Abstandhalter hinzaubert.

Ob Barbara Eitel bei Papier bleibt oder für ausladendere Wand- und Bodenarbeiten zum Werkstoff MDF greift, den sie mit Sägen schneidet: Stets waltet Spannung zwischen der handwerklichen Präzision und dem sinnlich-erzählerischen Überschwang der Arbeiten. Hat man nur eines vor sich, etwa „Die Schwestern“ mit ihrem Schleiertanz, in den bei näherem Hinschauen viele merkwürdige Objekte eingewoben sind, dann ist man geneigt, den Anteil des Ornamentalen über zu bewerten. Die Eigenkraft der wiederkehrenden Formen aber legt nahe, dass sich mit ihnen auch eine Eigenaussage verbindet. Im Eitelschen Wirbel steckt ein Enge sprengendes Über-sich-Hinauswachsen. „Die Freiheit ist bunt“, bestätigt eine Wandarbeit diesen Eindruck.

Die 1962 in Darmstadt geborene, nach einem Studium an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung 1996 in Berlin sesshaft gewordene Künstlerin, ist seit 2011 Mitglied der Darmstädter Sezession. Gefragt nach ihrem Freiheitsbegriff sagt sie: „Wenn ich meiner Neugier nachgehen kann.“ Diese zieht sie in viele Richtungen, die Beobachtung sozialer und politischer Verhältnisse mit eingeschlossen. Als Wunderwerk der Ausstellung jedoch sticht das Mittelformat „Die Welle von ihrer schönsten Seite“ hervor. Nicht von ungefähr kann man es als Hommage an Hokusais berühmten Farbholzschnitt „Die Welle“ deuten.

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Hingabe für „Die Welle von ihrer schönsten Seite“

Mit geradezu asiatischer Detailhingabe hat Barbara Eitel hier auf Reisen gesammelte Impressionen von Strand und Brandung gestalterisch umgesetzt. Eine massiv dunkelblaue, ins Violett und Schwarz gehende Papierfläche scheint sich aufzutürmen, um sich am Kamm zu überschlagen, zu zerfasern in tausend hellere, wie Gewürm sich kräuselnde Zungen, Löckchen, Kringel, unglaublich fein bepinselt. Nur Papier, doch glaubt man die Gischt rauschen und zischen zu hören. Nur eine Welle, doch spiegelt sie die Vitalität der ganzen Schöpfung.