Zahl der Arbeitslosen in Hessen weiter gesunken /...

In Hessen waren im April weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Vormonat, in Südhessen allerdings mehr. Symbolfoto: dpa

Herrscht angesichts sinkender Fallzahlen eitel Sonnenschein auf dem hessischen Arbeitsmarkt? Nicht ganz, denn zumindest zwei Gruppen machen den Verantwortlichen Sorgen. In...

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FRANKFURT. Der anhaltende wirtschaftliche Aufschwung hat die Arbeitslosigkeit in Hessen weiter sinken lassen. Im April fiel die Zahl der arbeitslos gemeldeten Männer und Frauen auf 168.683, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Mittwoch in Frankfurt berichtete. Das waren 1,8 Prozent weniger als im März und sogar 4,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote fiel im besten April seit 26 Jahren um 0,1 Punkte auf 5,1 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 5,4 Prozent gelegen.

Entgegen dem Landestrend und trotz der üblicherweise saisontypischen Frühjahrsbelebung im April kam es in Südhessen zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. "Dies ist ein erstes Indiz darauf, dass geflüchtete Menschen in unserer Region auf dem Arbeitsmarkt angekommen sind und Arbeit suchen", heißt es seitens der Agentur für Arbeit in Darmstadt. "Nach einem beschleunigten Anerkennungsverfahren melden sich Menschen mit Fluchthintergrund in den Jobcentern, was dort zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen führt. Gezielte Investitionen zur Integration dieser Menschen zahlen sich für die Betroffenen und für den Wirtschaftsstandort Südhessen aus", erläutert Birgit Förster, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Darmstadt.

Im April waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Darmstadt 20.803 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen um 130 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen liegt unverändert bei 4,7 Prozent.

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Der Frankfurter Direktionschef Frank Martin berichtete für ganz Hessen von einem wachsenden Stellenangebot im Land, das keineswegs nur aus Zeitarbeitsstellen und Helferjobs bestehe. Derzeit könnten die Agenturen und Jobcenter auf 50.600 freie Stellen verweisen, fast 2700 mehr als vor einem Jahr. Allein im April seien 14.300 neue Jobs hinzugekommen.

"Vor allem die etwa 9000 Helferstellen bieten auch Langzeitarbeitslosen gute Einstiegsmöglichkeiten, zudem sind knapp 70 Prozent aller gemeldeten Stellen außerhalb der Zeitarbeit. Dies signalisiert die Bereitschaft der Betriebe, sich längerfristig zu binden und auf diesem Weg Fachkräfte-Engpässen vorzubeugen, erklärte Martin laut einer Mitteilung.

Noch nicht zur Verfügung stehen hingegen viele der Flüchtlinge, die in Sprach- und Orientierungskursen für künftige Jobs fitgemacht werden sollen. Sie sind der Hauptgrund dafür, dass die so genannte Unterbeschäftigung in Hessen um 1,6 Prozent auf 234.250 Menschen zugenommen hat. Hier werden neben sämtlichen Arbeitslosen auch Kursbesucher und kurzfristig Arbeitsunfähige mitgezählt.

Schwerbehinderte Arbeitslose profitierten von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt deutlich zu wenig, kritisierte der DGB Hessen-Thüringen. Die Vorsitzende Gabriele Kailing forderte die Unternehmen auf, ihre Anstrengungen zur Integration Behinderter in den Arbeitsmarkt zu verstärken. Zudem müsse die Ausgleichsabgabe erhöht werden, die Unternehmen zahlen müssen, wenn sie nicht die vorgegebenen Quoten für schwerbehinderte Beschäftigte erfüllen.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände VhU wies die Kritik zurück. "Mit 4,7 Prozent hat kein anderes Bundesland eine höhere Schwerbehindertenquote bei den privaten Arbeitgebern als Hessen. Die hessische Wirtschaft beweist hiermit, dass sie behinderte Menschen als leistungsorientierte Arbeits- und Fachkräfte ernst nimmt, erklärte VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Er verlangte eine genaue Überprüfung, wofür die Ausgleichsabgabe verwendet wird. 2015 hätten die Unternehmen rund 45 Millionen Euro für 20.000 unbesetzte Plätze bezahlt, obwohl es in Hessen nur rund 13.000 arbeitslose Schwerbehinderte gegeben habe.

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Von dpa/tfk