Walter Ullrich inszeniert im Hofgut Gundershausen das Stück...

Das Volksstück „Schweisch Bub“  zeigte am Samstagabend das Theater „Eher wie Nedd“ im Hofgut Guntershausen von Stockstadt. Von links: Reinhard Loos als Onkel Willi, Monika Dullmaier als Hannelore, Dieter Seibert als Vater Hans, Rico Hetzel als Fritz, Anita Maul als Mutter Gretel. Lisa Sommer als Gerda und Ute Bauer als Tante Anna.  Foto: Vollformat/Robert Heiler  Foto: Vollformat/Robert Heiler

Eine in fast allen Bereichen typische Konfirmationsfeier im Südhessischen ist das Thema von „Schweisch Bub“, ein Volksstück von Fitzgerald Kusz, das von Wolfgang Kraus...

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STOCKSTADT. Eine in fast allen Bereichen typische Konfirmationsfeier im Südhessischen ist das Thema von „Schweisch Bub“, ein Volksstück von Fitzgerald Kusz, das von Wolfgang Kraus ins Hessische übertragen und von Walter Ullrich inszeniert wurde. Die Akteure des Theaters „Eher wie Nedd“ präsentieren es auf der Bühne. Am Samstag war Premiere auf dem Hofgut Guntershausen.

Es ist der Ehrentag des Konfirmanden Fritz, der von Rico Hetzel gespielt wurde. Aber wie der Titel des Stücks schon sagt, muss der oft „schweischen“ und essen. Zu Wort kommen eher die Verwandten: Onkel Willi (Reinhard Loos) und Tante Anna (Ute Bauer), zwei typische Schlabbmäuler, nehmen kein Blatt vor den Mund und sprechen auch Themen an, die Mutter Gretel (Anita Maul) lieber vermeiden würde. Vater Hans (Dieter Seibert) versucht, seinen Frust im Alkohol zu ertränken und wird unterstützt von Manfred (Glenn Müller), wenn seine Frau Gerda (Lisa Sommer) ihn mal aus den Augen lässt. Auch Hannelore (Monika Dullmaier) hat so einigen Ärger zu überwinden, weil sie sich alleine fühlt. Das wirkt anziehend auf die anwesenden Männer, führt zu Spannungen, und hat einige Lacher zur Folge.

Überspitzungen sorgen für Lacher

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Bei „Mackkleesjersubb“, Braten, Knödeln und Rotkraut, sowie Torten und Kuchen werden die typischen Charaktere, die es in nahezu allen Verwandtschaftskreisen gibt, nachgezeichnet. Besonders die Mimik zwischen Gerda und Manfred fordert Lacher heraus. Da die Dialoge und Handlungen zwischen den Darstellern ähnlich jedem bekannt sind, konnten die Zuschauer am Wochenende auf dem Hofgut über deren Überspitzung herzlich lachen.

In den kurzen Umbaupausen, in denen auch die Uhr verstellt wurde, um anzuzeigen, welche Tageszeit es ist, übernahm Walter Ullrich das Mikrofon. Er erzählte Hintergründe zum Stück, beispielsweise, dass es in 1967 spielt, dem Jahr, in dem er erstmals als Pfarrer eine Konfirmation geleitet hat. Als Chef des Ensembles Theater kann er sich sehr gut in die Schauspieler versetzen und fordert die Zuschauer auf, weder mit Lachen noch Applaus zu sparen, denn nur so wissen die Schauspieler, dass sie gut spielen.

In der drückenden Hitze des Veranstaltungsraums dauerte es eine Weile, bis die Zuschauer richtig mitgingen. Je weiter im Stück, desto mehr verschwand die Aufregung, und die Zuschauer merkten, dass es den Schauspielern Spaß machte, auf der Bühne zu stehen. Reinhold Heinius, der in einigen späteren Aufführungen als Onkel Willi auf der Bühne stand, brachte es auf den Punkt: „Dieses Stück verlangt drei Stunden äußerste Konzentration, damit man seinen Einsatz nicht verpasst.“ Er äußerte hohen Respekt vor der Leistung der Schauspieler. Auch dem Publikum machte es zunehmend Spaß, dieses Stück zu sehen und sie dankten dem Ensemble mit minutenlangem Applaus für einen schönen Abend.

Das Ensemble um Walter Ullrich ist seit zwei Jahren unterwegs: Mit dem „Datterich“ und „Bleiwe losse“ bewies die Laienschauspieltruppe in den vergangenen Jahren ihr Können. Einige Neuzugänge gab es nach dem Casting in Erfelden anfangs dieses Jahres. Um auch in Zukunft auf geeignete Schauspieler zurückgreifen zu können und das südhessische Gebabbel weiter zu fördern, gibt es im Herbst einen Workshop zum Thema Dialekt. Dieser ist in erster Linie für Kinder und Jugendliche gedacht und wird sie befähigen, authentisch mitbabbeln zu können.