Stumme Momente des früheren Ichs: Musiktheater „I can see...

Die Adoleszenz: ein verwirrendes Walddickicht. Das Ensemble von „I can see you from the future“ versucht nur durch Darstellung, die Fragen nach der eigenen Identität zu beantworten. Foto: Andreas Etter  Foto: Andreas Etter

Eine scheinbar zweigeteilte Bühne: Rechts der Wald, links der Bandproberaum. Von unterschiedlichen Richtungen kommen schließlich die Darsteller Gili Goverman, Marie-Christine...

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MAINZ. Eine scheinbar zweigeteilte Bühne: Rechts der Wald, links der Bandproberaum. Von unterschiedlichen Richtungen kommen schließlich die Darsteller Gili Goverman, Marie-Christine Haase und Johannes Schmidt auf die Bühne – sie reden nicht miteinander, ihre Begrüßung besteht aus einer bestimmten Bewegung mit der Hand.

Spürbare Harmonie der Darsteller

Das Musiktheater „I can see you from the future“ von Jesse Broekman, Sara Ostertag und Nanna Neudeck, das am 16. März im Mainzer Staatstheater Premiere feierte, ist ein Stück, das von allen Beteiligten während der Proben entwickelt wurde. Das Ergebnis ist eine spürbare Harmonie, die die Darsteller auf der Bühne performen.

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Das ganze Stück über vermisst man jedoch Dialoge, die erklären könnten, was auf der Bühne überhaupt vor sich geht. Das einzige das bleibt, sind Monologe und stumme Dialoge sowie Interaktionen und Kostüme, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen und sie nachdenklich zurücklassen. Die Musik unter der Leitung von Paul-Johannes Kirschner schafft es dabei immer wieder, die Zuschauer aus diesem Loch aus Fragen zurück in das Stück zu ziehen. Bestehend aus einer Violine (Florian Mausbach), einer Gitarre (Tim Roller), einem Keyboard und einem Klavier (Paul-Johannes Kirschner) sowie einem Schlagzeug (Tobias Saal) meistert es die Band mit Bravour, die Mystik des Stücks einzufangen, Emotionen zu erwecken und vor allem aufzuklären.

Nachdem die drei Darsteller sich im Wald vor dem Proberaum wiedergetroffen haben, steht eine Frage, die durch die Inszenierungen der Schauspieler zum Leben erweckt wird, im Raum: Würde sich nichts verändern, wenn man von der Zukunft in seine eigene Vergangenheit zurückkommen würde? Durch ständige Kostümwechsel schlüpfen die Darsteller dabei immer wieder in Momente ihres früheren Ichs und zeigen unterschiedliche Entwicklungsstufen in ihrem Leben: So werden die Sehnsucht nach Anerkennung und unerfüllter Liebe sowie die Pubertät und Angst vor dem Unbekannten auf der Bühne dargestellt.

Das Stück – ab zwölf Jahren – soll gerade mit den frühen Spielzeiten Schüler und Jugendliche ansprechen. Allerdings bleibt fragwürdig, ob der Inhalt für Schülerinnen und Schüler nicht zu tiefgründig ist, da die Darstellungsformen sehr abstrakt sind. Insgesamt kann man „I can see you from the future“ als ein Stück beschreiben, das Fragen und Probleme aller jungen Erwachsenen aufwirft.