Staatstheater Mainz: Jugend-Stück „I can see you from the...

Zurück am alten Bandprobenraum im Wald:Gili Goverman, Marie-Christine Haase und Johannes-Schmidt in dem Stück „I can see you from the future“.Foto: Andreas Etter  Foto: Andreas Etter

Man ist zum ersten Mal verliebt, Freunde kommen, Freunde gehen, man lernt Hierarchien kennen, sucht erstmals aktiv seine Rolle im Leben. „Die Situationen, die da zum ersten...

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MAINZ. Man ist zum ersten Mal verliebt, Freunde kommen, Freunde gehen, man lernt Hierarchien kennen, sucht erstmals aktiv seine Rolle im Leben. „Die Situationen, die da zum ersten Mal kommen, kommen im Leben immer wieder“, erinnert sich Sara Ostertag an die Zeit, in der sie selbst zwölf, dreizehn Jahre alt war. „I can see you from the future“ heißt ihre Inszenierung am Mainzer Staatstheater, die am Donnerstag, 16. März, Premiere feiert – und sich genau um diese Zeit dreht. „Wir wollten nicht eine Geschichte von A bis Z erzählen“, erklärt Ostertag. Vielmehr war ein Jugendstück angedacht, das um die Themen kreist, die einen in und um die siebte Klasse herum so interessieren.

Als Vorlage diente „Hard to admit and harder to escape“, eine Sammlung kürzester Erzählungen der US-Schriftstellerin Sarah Manguso. Rund 20 davon haben Ostertag, Dramaturg Lars Gebhardt und Jesse Broekman, der die Musik komponiert hat, ausgewählt. Sie werden, ganz den Mediengewohnheiten der Zielgruppe entsprechend, in 30 Sekunden bis vier Minuten langen Szenen wiedergegeben, wobei auch die Genres durcheinander wirbeln. Mal gibt die Tänzerin Gili Goverman den Ton an, mal Opernsängerin Marie-Christine Haase, mal Schauspieler Johannes Schmidt, mal sind es die zwischen vertrautem Pop und abstrakter Neuer Musik wechselnden Kompositionen. Die theatralischen Spielarten sollen gleichberechtigt nebeneinander stehen. „Für Oper und Musiktheater muss man sich öffnen“, sagt Gebhardt, „aber mit zwölf, dreizehn ist man cool. Also wird eine andere Art Ansprache notwendig.“

Die Geschichten drehen sich um Status- und Rangkämpfe, um das erste Verliebtsein und frühes Begehren, um die Frage, was erlaubt ist und was nicht. 75 Minuten lang, ohne Pause, mit vierköpfiger Band. „Es hat den Charakter eines Konzerts“, sagt Ostertag, „es ist keine fertig erzählte Geschichte, es gibt viele Fragen und Möglichkeiten, aber keine Conclusio.“ Bei Aufführungen für Schulklassen werden Vorgespräche mit Theaterpädagogen und gegebenenfalls auch anschließende Diskussionen angeboten. Die Personenkonstellationen wechseln, „jede Geschichte hat ihre eigene Logik“, so Ostertag. Wer, was in dem Alter nicht ganz untypisch wäre, zwischendurch mal gedanklich abschweift, kann einfach in der nächsten Szene wieder einsteigen. Wobei sich die Aufführung ebenso an Erwachsene jeden Alters richtet. Schließlich begleiten uns alle die behandelten Fragen ein Leben lang. „Damals waren das richtige Dramen“, blickt Ostertag zurück, „im Nachhinein ist vieles aber einfach nur total lustig.“ Die Gratwanderung zwischen geradezu notwendiger Ironie und Respekt vor dem Seelenleben der Teenager, zwischen Spaß und Ernst galt es zu bewältigen. „That’s life“, so ist das Leben.