Sportstudios verzeichnen derzeit wieder hohe Anmeldezahlen

Eine Mitarbeiterin richtet in München bei der Sportartikelmesse ISPO die Kleidung an einer Schaufensterpuppe. Foto: dpa  Foto: dpa

Die gute Nachricht zuerst: Den schlimmsten Tag des Jahres haben die Deutschen schon hinter sich. Es war entweder der 15. Januar oder der 24. Januar. Welcher genau es ist,...

Anzeige

MAINZ/WIESBADEN. Die gute Nachricht zuerst: Den schlimmsten Tag des Jahres haben die Deutschen schon hinter sich. Es war entweder der 15. Januar oder der 24. Januar. Welcher genau es ist, darüber streiten Experten. Aber über die Gründe, warum das unschöne Tage sind, sind sie sich einig: Die Menschen realisieren, dass die Feiertage vorbei sind, das Konto leer und das Wetter schlecht ist – und die guten Vorsätze fürs neue Jahr gebrochen sind.

Zu den häufigsten Vorhaben, die an Silvester ausgesprochen werden, gehört: „Nächstes Jahr mache ich mehr Sport.“ Davon profitieren vor allem die Fitnessstudios: Im Januar melden sich doppelt so viele neue Mitglieder an als in einem Sommermonat, berichtet die Kette „Fitness First“, die unter anderem Studios in Mainz, Darmstadt und Wiesbaden betreibt.

Böse Zungen behaupten, dass in den Fitnessstudios aus den Neuanmeldern des Januars die Karteileichen des Februars werden. So richtig verifizieren lässt sich das nicht. Nicht journalistisch zumindest. Denn die Fitnessstudios halten sich damit zurück, konkrete Zahlen zu Karteileichen rauszugeben. Nur so viel lässt Fitness First wissen: Im Januar würden die Studios um 15 Prozent häufiger besucht als im Jahresdurchschnitt.

Wobei die Deutschen nicht solche Sportmuffel sind, wie es ihnen gerne unterstellt wird: Allein die zehn größten Verbände zählen zusammen rund 20 Millionen Mitglieder. Fußball ist nach wie vor mit Abstand der breiteste Breitensport zwischen Alpen und Nordsee – dann kommen die Turner, auch noch einmal mit Abstand vor den Tennisspielern und Sportschützen.

Anzeige

Dazu kommen diejenigen, die außerhalb der Vereine aktiv sind: 10,8 Millionen Mitglieder sind in den 8600 Anlagen angemeldet, teilt der Deutsche Sportstudio-Verband mit. Selbst das Internet ist entgegen anderslautenden Vorurteile nicht ein Ort, der zum Einrosten der Gesellschaft beiträgt: Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK überwacht weltweit jeder dritte Internetnutzer seine Gesundheit und Fitness mit Apps, der Smartwatch oder mit Fitness-Trackern. In Deutschland sind es immerhin 28 Prozent der Nutzer. „Ich möchte meine körperliche Kondition erhalten oder steigern“, geben mehr als die Hälfte der Nutzer als ihre Motivation an. Andere meinten, dadurch besser schlafen zu können oder einfach Spaß an der eigenen Fitness zu haben. „Die Studie zeigt, dass das Kontrollieren von Gesundheit und Fitness offensichtlich nicht nur für junge Sportler interessant ist, sondern für ein weites Spektrum an Altersgruppen“, sagt der GfK-Experte Jan Wassmann.

Der Sport ist ohnehin ein großer Wirtschaftsfaktor geworden. Laut dem Internetportal „Wirtschaft und Schule“ geben die Deutschen im Jahr allein 10 Milliarden für Sportschuhe und entsprechende Bekleidung aus. 1,5 Milliarden Euro investieren sie in Sportnahrung. Tendenz steigend.

Das sagt auch das Statistische Bundesamt. Demnach haben die Deutschen 2015 für die Gesundheit insgesamt 344,2 Milliarden Euro ausgegeben. Für 2016 geht das Amt von 359,1 Milliarden Euro aus. Das wäre eine Steigerung von 4,3 Prozent.

Allerdings ist Deutschland nicht nur fit, sondern zunehmend auch fett. 59 Prozent der Männer sind übergewichtig und 37 Prozent der Frauen. Das hat eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ergeben. Bei Männern ist das eine Alterserscheinung: Am Ende ihres Berufslebens sind laut der Studie 74,2 Prozent von ihnen übergewichtig.

Aber auch in diesem Bereich gibt es positive Nachrichten: Bei den Kindern, die eingeschult werden, stagniert der Anstieg in den letzten Jahren. Mitunter sind die Zahlen laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sogar leicht rückläufig. Ein Mysterium ist Übergewicht ganz und gar nicht: „Viele Menschen in Deutschland essen zu viele energiereiche Lebensmittel und bewegen sich zu wenig“, sagt Professor Helmut Heseker, ehemaliger Präsident der Gesellschaft. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, dieses Problem zu überwinden. Es gebe eine regelrechte „Adipositasepidemie“, die es zu stoppen gelte.

Anzeige

Bald ist Februar. Was spricht eigentlich dagegen, sich gute Vorsätze auch innerhalb des Jahres zu geben? Wer die dann einhält, bleibt (wird) nicht nur fit und gesund, sondern kann entspannt der Debatte folgen, ob der 15. oder der 24. Januar der schlimmste Tag des Jahres ist. So als Nicht-Betroffener quasi.