Ruhmreich von Israel nach Rom

Mit dem Sprintsieg vor dem Kolosseum in Rom krönte Sam Bennett die Giro-Bilanz des deutschen Teams Bora-Hansgrohe, das der Frankfurter Jens Zemke als Sportlicher Leiter führte.Fotos: dpa/Bora-Hansgrohe  Foto:

Drei Etappensiege, elf Podiumsplätze und zwei Fahrer in den Top Ten der Gesamtwertung. Jens Zemke hat allen Grund, voller Stolz vom Giro d‘Italia nach Frankfurt...

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FRANKFURT/ROM. Drei Etappensiege, elf Podiumsplätze und zwei Fahrer in den Top Ten der Gesamtwertung. Jens Zemke hat allen Grund, voller Stolz vom Giro d‘Italia nach Frankfurt heimzukehren. Gut, er hat nicht selbst auf dem Rad gesessen. Aber als Sportlicher Leiter große Verantwortung für die bislang beste Bilanz bei einer der drei großen Radrundfahrten in der Geschichte des deutschen Bora-Hansgrohe-Teams.

Mit dem Sprintsieg vor dem Kolosseum in Rom krönte Sam Bennett die Giro-Bilanz des deutschen Teams Bora-Hansgrohe, das der Frankfurter Jens Zemke als Sportlicher Leiter führte.Fotos: dpa/Bora-Hansgrohe  Foto:

„Für eine B-Mannschaft nicht schlecht“, erklärte Zemke einen Tag, nachdem der Ire Sam Bennett in Rom zum dritten Mal in Jubelpose über den Zielstrich gesprintet war. Aus diesem Team war sogar kurzfristig noch Lukas Pöstlberger ausgefallen, der im Vorjahr kurz im Rosa Trikot fuhr. Die erste Bora-Garde mit Weltmeister Peter Sagan an der Spitze weilte in Kalifornien. Vorbereitung auf die Tour de France – wo es im Juli aber kaum härter zugehen wird als in Italien im Mai.

„Der Giro zieht dem Personal ganz schön den Stecker. Da guckst du nach drei Wochen überkreuz“, sagte Zemke angesichts der meisten Etappen über 200 Kilometer innerhalb einer Rundfahrt, denen oft noch stundenlange Autofahrten zum Hotel folgen. Oder einem Ruhetag, der keiner war. „Morgens um fünf aufstehen, ab in den Flieger, dann noch lange Autofahrt“. So sah das Tageswerk aus, nachdem erstmals eine große Radrundfahrt in Israel gestartet war.

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„Ein tolles Erlebnis, die Menschenmassen vor allem in Tel Aviv waren der Wahnsinn“, berichtete der 51-Jährige vom außergewöhnlichsten Auftakt bei seiner sechsten Giro-Teilnahme als Sportlicher Leiter: „Aber man hat auch immer dieses Knistern gespürt, der Sicherheitsaufwand war enorm“.

In Italien folgten gleich „sechs knüppelharte Tage“. Darunter der Aufstieg zum Ätna, in dem Klassementsfahrer Davide Formolo gleich fünf Minuten verlor. Der junge Italiener war kurz vor dem Schlussanstieg gestürzt, danach drehte sich das Hinterrad kaum noch. Was allerdings erst im Ziel bemerkt wurde.

Einen Tag später die Wende zum Guten: Bennett sprintete zum ersten Tagessieg. Und auch Formolo sollte sich wieder erholen. Mit Gesamtplatz zehn legte der Italiener zusammen mit dem siebtplatzierten Österreicher Patrick Konrad die Basis für Rang drei in der Teamwertung. In einem Giro, der laut Zemke anders war als alle anderen großen Rundfahrten. „In den drei Wochen gab es kaum eine Etappe, wo man die Ausreißer gewähren ließ. Fast jeden Tag sind die Großen um den Etappensieg gefahren.“ Mit dem Solo von Christopher Froome als Krönung.

Viele Gedanken um das Solo von Christopher Froome

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Zemke hat sich nach eigenen Worten viele Gedanken über die Fahrt des Briten ins Rosa Trikot gemacht. In der exzellenten Abfahrtstechnik und der fehlenden Harmonie der ersten Verfolger sieht er mögliche Erklärungen. Die Skepsis gegenüber der Leistung des Briten kann er aber gut verstehen. „Es ist einfach nicht gut für unseren Sport, dass sein Fall seit einem dreiviertel Jahr ungeklärt ist. Es wäre der worst case, wenn er irgendwann den Giro-Sieg aberkannt bekäme“.

Erst einmal genoss Froome die Tage in Rosa und die Kür zum Gesamtsieger vor dem Kolosseum. Wobei er sich leisten konnte, 17 Minuten hinter dem Tagessieger ins Ziel zu fahren. Ein weiteres Kuriosum dieses Giro: Die letzte Etappe wurde quasi ohne Zeitwertung gefahren. „Die Straßen in Rom waren für so ein Rennen eigentlich nicht fahrbar. Wir haben den Jungs freigestellt, ob sie um den Sieg fahren wollen“. Die Antwort fiel beeindruckend aus – und macht sich auch auch in der Vita eines Sportlichen Leiters sehr gut.