Psycholotsen bestehen seit zwei Jahren

Wiebke Schrauf, die zum Team der Psycholotsen gehört, die als „Experten in eigener Sache“ das Beratungsbüro in der Heimstätte führen, begrüßte zum Sommerfest: „Zwei...

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GROSS-GERAU. Wiebke Schrauf, die zum Team der Psycholotsen gehört, die als „Experten in eigener Sache“ das Beratungsbüro in der Heimstätte führen, begrüßte zum Sommerfest: „Zwei Jahre gibt es uns, zwei Jahre, in denen wir rund 100 Menschen persönlich und ebenso vielen telefonisch mit Rat, mit Ermutigung und Hinweisen auf hilfreiche Institutionen zur Seite stehen konnten.“ Da gab es Beifall und stolze, glückliche Gesichter im Garten des Anwesens, auf dem eine vorurteilslose Vermieterin den Psycholotsen Räume vermietet hat. Dank ging an Hausherrin Ursula Walz: „Es ist gut, dass unser Beratungsbüro seit Mai 2015 unauffällig im Wohngebiet (Heimstättenstraße 2) angesiedelt ist, denn die verbreitete Scham, sich Rat in Fragen seelischer Gesundheit zu holen, erfordert niedrigschwelligen Zugang“, so Wiebke Schrauf. Jeden dritten Freitag im Monat laden sie sowie Sandy Wolf, Rebecca Smith, Gabi Mala, Jürgen Herdt und andere jeweils im Zweierteam ab 16 Uhr zum offenen Café ein. „Es bietet Gelegenheit, sich Belastendes von der Seele zu reden, aber wir plaudern und lachen hier auch viel. Zugleich bieten wir separat Platz für tiefergehende, vertrauliche Zweiergespräche“, erzählte Wiebke Schrauf am Rand des Sommerfestes.

Während am Büfett mit Salaten und Kuchen zugegriffen wurde und die Besucher – darunter auch Psychologen vom Vorstand der Stiftung für Seelische Gesundheit, unter deren Dach die Psycholotsen stehen – äußerten sich Schrauf und Rebecca Smith sehr erleichtert, dass das Büro der Psycholotsen sich mittlerweile gut etabliert hat. „Es liegen an verschiedensten Orten unsere Flyer aus, in denen wir als Experten mit mannigfaltigster Krankheitserfahrung Menschen in Krisen einladen, sich an uns zu wenden. Wir wissen, wie sich seelisches Leid anfühlt.“ Noch vor einem Jahr waren die Psycholotsen unsicher, ob es gelingen würde, das Projekt, das im Rahmen der Angebote der Stiftung für Seelische Gesundheit steht, die beitragen, psychische Erkrankungen von Tabus zu befreien, aufrecht zu halten. „Finanziell ist es eine Gradwanderung. Jeder von uns buttert was rein, denn wir finanzieren uns sonst nur über Spenden und Patenschaften. Da zählt jeder Cent“, so Sandy Wolf.

Andere aufgrund eigener Erfahrungen ermutigen

Bereits 2012 hatten sich die heutigen Psycholotsen kennengelernt und zur Gruppe zusammengetan. „Miteinander zu reden, tut gut.“ Wiebke Schrauf sagt: „Es gibt viel mehr Menschen, die seelisch belastet und überfordert sind, als gemeinhin angenommen wird. Es muss nicht gleich immer der Gang zum Arzt oder Therapeuten sein. Wir können aus unseren Erfahrungen heraus andere ermutigen, geben Hinweise, hören zu und trösten. Wir stehen unter Schweigepflicht.“