Künstlergruppe „Impuls-Art“ stellt im Hofgut Guntershausen aus

Um ein Bild von MJC (Maïca Janine Colette) Wichmann (Mitte) haben sich Künstlerin Iris Welker-Sturm und Luna-Marie, Tochter von MJC Wichmann, gruppiert. Foto: Vollformat/Robert Heiler   Foto: Vollformat/Robert Heiler

Sie sind ein Hingucker, die drei Fotografien mit jeweils einem Schriftzug auf nackter Haut. „Save Our Souls“ ist auf einem Frauenpo, einem Männeroberkörper und im tiefen...

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STOCKSTADT. Sie sind ein Hingucker, die drei Fotografien mit jeweils einem Schriftzug auf nackter Haut. „Save Our Souls“ ist auf einem Frauenpo, einem Männeroberkörper und im tiefen Rückenausschnitt eines Kleides zu lesen. Erst auf dem zweiten oder dritten Blick irritiert etwas an der dazugehörigen Kleidung – und das nicht, weil sie eher spärlich vorhanden ist. Denn Bluse, Hose und Kleid werden mit den Nähten nach außen getragen.

Anregung durch Roman von Yoko Ogawa

Mara Danné und Feh Reichl haben mit ihrem Triptychon das Ausstellungsthema ganz wörtlich genommen, andere Mitglieder des offenen Künstler-Netzwerks „Impuls-Art“ arbeiten abstrakter. „Auf links gedreht“ heißt die aktuelle Ausstellung der seit 2003 bestehenden Künstlergruppe, die auf Einladung des Fördervereins Hofgut Guntershausen bis zum 3. September im Verwalterhaus des Hofguts auf dem Kühkopf zu sehen ist. Geöffnet ist samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Angeregt zu dem Thema wurde „Impuls-Art“ durch den Roman der japanischen Schriftstellerin Yoko Ogawa, in dem sie ein Ritual schildert, bei dem die Kleidung von außen nach innen gekehrt wird, um böse Geister vom Menschen weg nach außen zu leiten, erzählt Künstlerin Iris Welke-Sturm. „Wir haben alle den Roman gelesen und haben dieses Thema als Ausgangspunkt für das Konzept unserer Ausstellung genommen.“ Für die Künstler aus Darmstadt und Umgebung war es der Impuls, eine andere Sichtweise einzunehmen und Blickrichtungen umzukrempeln – das Innere nach außen, aber auch das äußerlich Sichtbare nach innen zu kehren.

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Die Künstler unterscheiden sich nicht nur durch die Nutzung verschiedener Materialien, sondern auch durch eine eigene Herangehensweise an das gemeinsame Thema. Welker-Sturm etwa, die sich als Wortstellerin bezeichnet und in ihren Werken fließende Übergänge zwischen Text- und Malkompositionen schafft, dreht und wendet in ihren Gemälden Wortbedeutungen – zum Teil ganz wörtlich. Über dem Schwarz gehaltenen Schriftzug „Hartz IV“ hängen Karteikärtchen an Bändchen in den Nationalfarben mit zum Thema assoziierten Begriffen. Auf der einen Seite steht das Nomen, auf der anderen das dazugehörige Adjektiv mitsamt Bedeutungsverschiebung: „Norm – normiert“ und „Wert – bewertet“.

Volker Hilarius hinterfragt den für Fotografien so selbstverständlichen Blick auf das vordergründig Sichtbare und lässt den Betrachter rätseln, was die tiefere Bedeutung der Oberflächen von „Surfaces 1-3“ oder den gitterartigen Strukturen von „Reflexes“ ist. Die Naturfotografien von Anne-Kathrin Matz mit Gräsern und Samenkapseln oder Landschaftsaufnahmen wiederum lassen mythische Welten hinter der realen Abbildung erahnen. Mit ihren fröhlich-bunten Grafikdrucken voller Blumen und Ranken stülpt MJC Wichmann positive Gefühle wie Liebe und Schwangerschaft von innen nach außen. Da brütet ein Vogelweibchen auf einem menschlichen Kopf, während der verliebte Vogelmann mit Zylinder auf einem Ast davor schmachtend zuschaut. „I can see you“ warnt dagegen Ute C. Rühl und zeigt in Tusche auf Papier bloßgelegte Körper ohne Kopf.

Von Anke Mosch