Kreisklinik in Groß-Gerau mit deutlich höherem Defizit als...

Das Defizit der Groß-Gerauer Kreisklinik beschäftigt weiterhin den Kreistag.Foto: Vollformat/Alexander Heimann  Foto: Vollformat/Alexander Heimann

Für CDU und FDP ist die Kreisklinik eine Geldvernichtungsmaschine. Das haben die Fraktionsvorsitzenden Mario Bach und Peter Engemann in der Kreistagssitzung am Montag deutlich...

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GROSS-GERAU. Für CDU und FDP ist die Kreisklinik eine Geldvernichtungsmaschine. Das haben die Fraktionsvorsitzenden Mario Bach und Peter Engemann in der Kreistagssitzung am Montag deutlich gemacht. Sie fühlen sich von der Klinik-Geschäftsführung absichtlich nicht richtig informiert. Denn noch im Mai sei ein Defizit von rund drei Millionen Euro versprochen worden, jetzt sei es plötzlich doppelt so hoch.

„Da wird seit zehn Jahren herumgedoktert“, schimpfte Bach. „Wie soll denn das Wunschkonzert der Geschäftsführung realisiert werden?“. Bevor sich die Klinikleitung neuen Geschäftsfeldern wie medizinischen Versorgungszentren (MVZ) widme, solle erst einmal eine solide Finanzstruktur geschaffen werden. „Wir brauchen keine zusätzlichen finanziellen Abenteuer“. Die CDU habe vor einem Jahr dem Fortbestand des Kreiskrankenhauses mehrheitlich zugestimmt, „weil wir von ganz anderen Zahlen ausgegangen sind“. Dass die Klinik zum Jahresende ein Minus von mehr als sechs Millionen Euro ausweise, hätte bereits im Mai bekannt sein müssen. „Ich fühle mich an der Nase herumgeführt“, so Bach.

Eine schiefe Ebene, die weiterhin nach unten zeigt

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Der Landrat habe für 2018 einen ausgeglichenen Klinikhaushalt versprochen, sagte Peter Engemann. „Und jetzt reden wir über ein Fass ohne Boden“. Die FDP habe seit Jahren auf die Probleme der Klinik hingewiesen. „Wir haben eine schiefe Ebene, die weiterhin nach unten zeigt.“ Engemann forderte den Aufsichtsrat auf, von der Geschäftsführung eine realistische Vision zu verlangen, statt zahlreiche Einzelmaßnahmen zu akzeptieren.

Christiane Böhm (Linke) hielt ein Plädoyer für die Medizinischen Versorgungszentren. Das machten auch andere Kliniken mit Erfolg. Zudem müssten im Krankenhaus erst mal alle Arztstellen besetzt sein, bevor wieder richtig gewirtschaftet und mehr Einnahmen generiert werden könnten.

Landrat Thomas Will (SPD) hielt schließlich eine engagierte Rede für den Erhalt der Klinik. „Die Kreisklinik gehört zur Gesundheitsvorsorge des Kreises“, betonte er. Sie sei vor allem für den mittleren und südlichen Landkreis als wohnortnahe Versorgung unentbehrlich.

Will vertraut dem Geschäftsführer. „Unter Reinhold Linn wurde noch keine Klinik geschlossen“. Zum Neuaufbau gehöre erst einmal die Stabilisierung des Umfeldes. „Die Basis wird neu aufgebaut. Das braucht Zeit“. Das Einweisungsverhalten der Ärzte müsse sich ändern, das Vertrauen in die Klinik, die noch vor einem Jahr von der Schließung bedroht war, erst wieder aufgebaut werden.

Peter Engemann erinnerte Will an seine Aussagen vor einem Jahr. Da habe der Landrat erklärt, eine dauerhaft defizitäre Klinik sei niemanden zu vermitteln. „Das Geld wird uns irgendwann woanders fehlen. Nur mit Schulden geht das nicht“, sagte er zum Zuschussbedarf des Kreiskrankenhauses.

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Thomas Schell (SPD) betonte in seiner Eigenschaft als Biebesheimer Bürgermeister, man brauche die Klinik im Südkreis als wohnortnahe Versorgung. Er warnte davor, die Klinik in der Öffentlichkeit ständig schlechtzureden und dem Team Steine in den wegzulegen. Medizinische Versorgungszentren seien geeignet, Patientenströme an die Klinik zu binden und damit dauerhaft Einnahmen zu generieren.

Peter Ziemainz (CDU) sagte, in der Klinik gebe es viele motivierte Mitarbeiter, die Unterstützung verdienten. Auf der anderen Seite gehe die Welt nicht unter, wenn die Klinik geschlossen werde. Nun müsse die Kernfrage beantwortet werden, wie es in absehbarer Zeit gelinge, das Kreiskrankenhaus wirtschaftlich zu betreiben. Um das zu erreichen, müsse das Leistungsangebot wachsen. Ziemainz, Andreas Rotzinger und Hans Nau stimmten gemeinsam mit der Koalition für den Gesellschaftsvertrag der Klinik, während der Rest der CDU sowie die FDP und die AfD dagegen votierten.