Kein Abstiegsdruck für Aufsteiger

Nationalspielerin Petrissa Solja ist der Star beim Bundesliga-Aufsteiger TSV Langstadt.Foto: imago  Foto: imago

Gut möglich, dass es für den TSV Langstadt als Aufsteiger in die Erste Tischtennis-Bundesliga der Frauen in seinem ersten Jahr nicht zum Titelgewinn reichen wird, aber zum...

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LANGSTADT. Gut möglich, dass es für den TSV Langstadt als Aufsteiger in die Erste Tischtennis-Bundesliga der Frauen in seinem ersten Jahr nicht zum Titelgewinn reichen wird, aber zum Zuschauer-Krösus könnten sich die Südhessinnen schon aufschwingen.

In der zurückliegenden Saison kam der Zweitliga-Meister im Schnitt auf 150 Zuschauer. „Konservativ geschätzt“, wie Marketingleiter Rainer Kegelmann betont. Nur zwei Vereine in Deutschland konnten noch mehr Besucher begrüßen. Unwesentlich mehr.

Bereits im Winter befasste man sich beim TSV Langstadt mit dem Gedanken Aufstieg in die Erste Liga. „Das ist noch mal ein riesen Sprung. Uns war klar, dass wir uns verstärken müssen“, sagt Teammanager Manfred Kämmerer. Und dabei musste sich der Verein von dem bisherigen Konzept verabschieden, das Team bevorzugt mit Spielerinnen aus der Region und Hessen zu bilden. „Es gibt keine hessische Spielerin für das vordere Paarkreuz, denn die besten Hessinnen spielen bereits in Langstadt.“

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Marketingleiter Rainer Kegelmann rief kurz entschlossen Nationalspielerin Petrissa Solja (24) an, von der zu hören war, dass sie beim TTC Eastside Berlin nicht glücklich ist. „Die gegenseitige Sympathie war gleich da. Die Gespräche waren super“, berichtet Kegelmann. Nach zweiwöchiger Bedenkzeit – Solja hatte von mehreren Vereinen Angebote vorliegen – entschied sich die aktuelle Nummer 45 der Weltrangliste für den hessischen Aufsteiger. Nicht zuletzt wegen der tollen Atmosphäre bei den Heimspielen.

Ihre künftige Teamkollegin Alena Lemmer habe „fleißig Werbung für uns gemacht“. Geld sei für die 24-Jährige nicht entscheidend gewesen. Sie gehört als Soldatin einer Sportfördergruppe an und hat zusätzlich einen Vertrag mit einem der großen TT-Ausrüster.

Solja und Cheng sollen sich abwechseln

Petrissa Solja will sich für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 qualifizieren und wird zahlreiche Turniere spielen. Und damit an dem ein oder anderen Spieltag dem TSV Langstadt nicht zur Verfügung stehen.

Mit der Taiwanesin Hsien-Tzu Cheng, drei Weltranglisten-Ränge hinter Petrissa Solja, wurde eine Co-Nummer-Eins verpflichtet. Idealerweise sollen sich Solja und Cheng abwechseln, „aber ob das immer so klappt, wird man sehen“, sagt Manfred Kämmerer.

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Ein Fragezeichen steht auch noch hinter der am kommenden Sonntag (17. Juni) 18 Jahre alt werdenden Archana Girish Kamath, die für Indien ebenfalls an vielen internationalen Turnieren an den Start gehen wird. Kämmerer: „Sie wird für uns wohl eher in der Rückrunde einsetzbar sein.“

Alena Lemmer und Monika Pietkiewicz schlagen weiterhin für das Team auf, das auf starken Ersatz aus der zweiten Auswahl vertrauen kann und Tobias Beck (Münster) neu für das Trainerteam gewonnen hat. Beck war 2004/05 Damen-Bundestrainer.

Der TSV Langstadt II geht als Aufsteiger in der Dritten Bundesliga Nord an die Tische. Cornelia Neumann-Reckziegel kehrt nach kurzem Gestspiel vom TV Okarben zurück. Janina Kämmerer, Anne Bundesmann und Sonja Busemann sind weiterhin im Kader. Abgeben muss der Klub allerdings die erst 15 Jahre alte, hochveranlagte Inderin Diya Chitale, die zum TTC Eastside Berlin wechselt. Zurück zum SV Ober-Kainsbach geht zudem Marlene Reeg, für die bereits der Sprung von der Hessenliga in die Regionalliga zu groß war.

Für die Erste Bundesliga haben lediglich acht Frauenteams gemeldet. Das hat für den TSV Langstadt den Nachteil, dass zwei Heimspiele wegfallen. Die Mindereinnahmen betragen rund 1200 Euro. Der Vorteil: Es gibt in der Saison 2018/19 keinen Absteiger.

„Damit haben wir Planungssicherheit. Wir gehen die Saison ganz entspannt an“, erläutert Manfred Kämmerer. Ziel ist es, sich in der Ersten Bundesliga zu etablieren. Einen Platz unter den besten sechs Vereinen, die in der Play-off-Runde den Meister ausspielen, hält er für möglich. „Von Platz drei bis acht kann jeder jeden schlagen.“

Erstes Spiel zuhause gegen den SV Böblingen

Das Unternehmen Erste Bundesliga beginnt für den TSV Langstadt am 15. September (Samstag) mit einem Heimspiel gegen den SV Böblingen. Aber bereits zuvor, am 2. September, trifft Langstadt in Seligenstadt in der Pokal-Qualifikation auf den Deutschen Meister DJK-TTC Kolbermoor und ESV Weil am Rhein.

Von Lutz Heider