„Er ist voll verantwortlich“

„So alt wie die Menschheit“ sei das Tatmotiv des 34-jährigen Angeklagten, der eingeräumt hatte, im September 2016 im Groß-Gerauer Sportpark seine Ehefrau mit mehreren...

Anzeige

GROSS-GERAU/DARMSTADT. „So alt wie die Menschheit“ sei das Tatmotiv des 34-jährigen Angeklagten, der eingeräumt hatte, im September 2016 im Groß-Gerauer Sportpark seine Ehefrau mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Er sei eifersüchtig gewesen, nachdem er von einem angeblichen Nebenbuhler erfahren hatte, führte der psychiatrische Gutachter Dr. Dieter Jöckel am Dienstag beim zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Darmstadt aus. Das Flüchtlingspaar aus Afghanistan war schon seit mehreren Wochen getrennt gewesen.

Immer wieder gewalttätige Übergriffe

Laut Zeugenaussagen soll es zuvor immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen gekommen sein. Anschließend soll auch seitens der Familien Druck gemacht worden sein. In einem gespeicherten Telefonat soll die Mutter des Angeklagten dessen Frau, die offenbar nach mehr Freiheit und Selbständigkeit strebte, übel beschimpft und mit dem Tode bedroht haben. Das Opfer war in Anwesenheit der beiden gemeinsamen kleinen Töchter erstochen worden.

Von den zahlreichen Wunden sei vor allem ein Stich direkt ins Herz tödlich gewesen, außerdem wurde mit einem Schnitt die Drosselvene am Hals durchtrennt, erklärte Rechtsmediziner Dr. Marcel Verhoff. Die 22-Jährige habe noch einige Minuten gelebt und sei reanimiert worden, bevor sie einem „Blutungsschock“ erlag. Blutuntersuchungen belegten einen gelegentlichen Marihuana-Konsum des Angeklagten, der laut Gutachter aber keinesfalls zu einer verminderten Schuldfähigkeit führe: „Er ist voll verantwortlich.“

Anzeige

Von seiner Persönlichkeit her sei er „ein eher schwacher Mensch, fühlte sich wohl selbst als Opfer und sah sich dadurch zu der Tat legitimiert“, so der Psychiater. Am Donnerstag, 8. Juni, sollen Staatsanwalt und Verteidiger bereits ihre Plädoyers vortragen. Das Urteil ist für Mittwoch kommender Woche zu erwarten.