Degenkolb gerade rechtzeitig zur Rundenjagd

Von wegen nach drei Wochen Tour de France erst einmal Urlaub machen. John Degenkolb ist so im Stress, dass er nicht einmal den Startschuss für das von ihm so geliebte und nach...

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BÜRSTADT. Von wegen nach drei Wochen Tour de France erst einmal Urlaub machen. John Degenkolb ist so im Stress, dass er nicht einmal den Startschuss für das von ihm so geliebte und nach ihm benannte Bambini-Rennen geben konnte. Der einzige deutsche Etappensieger bei der diesjährigen Tour kam gerade noch pünktlich nach Bürstadt, um beim Hauptrennen des Entega-Grand-Prix dabei zu sein. Der Materialsponsor seines Trek-Segafredo-Teams hatte ihn und seine Teamkollegen erst einmal in Ulm vereinnahmt – am Tag, nachdem Degenkolb in Paris noch auf Platz zwei der Schlussetappe gesprintet war.

Raus aus dem Zug, rauf aufs Rennrad hieß es dann für den in Oberursel lebenden Radprofi. Nach 111 Runden wurde er schließlich von einigen tausend Fans wie im Vorjahr als Sieger gefeiert – nach einem unterhaltsamen Rennen und einem Sprintsieg vor Pascal Ackermann und André Greipel. „Ich freu mich riesig, meinen Titel hier verteidigt zu haben und das mit dieser tollen Kulisse genießen zu dürfen, ist einfach riesig“, bedankte sich Degenkolb bei den vielen Fans.

Für die beiden Letztgenannten und acht andere Fahrer standen am Dienstag noch 40 Runden mehr auf dem Programm. „Hier in der Stadt zirkuliert die Luft ja nicht so gut und heiß ist es auch, da wäre ich auch gerne ohne Moped gefahren“, sagte Lotto-Soudal-Profi Marcel Sieberg nicht ganz ernsthaft nach dem ersten Einsatz – einem Dernyrennen. Das heißt, Tempojagd im Windschatten knatternder Mopeds, die nicht eben für wohlriechende Abluft sorgen.

Doppelt leiden musste der spätere Sieger. Derny-Europameister Achim Burkart (Oberhausen) nahm die Siegerschleife mit blutendem Arm entgegen, nachdem er wegen eines geplatzten Reifens gestürzt war. Zweiter wurde Nils-Politt, der noch am Sonntag als Ausreißer auf der Champs Èlysées geglänzt hatte. Bürstadt war schon das zweite Nach-Tour-Rennen für den Katusha-Alpecin-Profi, der schon am Montagabend in Hannover schnelle Runden gedreht hatte. „Natürlich gäbe es eine entspanntere Erholung nach der Tour, nämlich zu Hause auf der Couch. Aber wir wollen uns den Fans präsentieren und auch etwas zurückgeben, nachdem sie uns drei Wochen am Fernsehen begleitet haben“, erklärte Politt.

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Pascal Ackermann ging an die erste Aufgabe erst einmal mit großem Respekt ran. „Ich bin vorher noch nie Dernyrennen gefahren, da ist man natürlich erst einmal vorsichtig“, erklärte der Deutsche Meister, der noch am Sonntag in London ein großes Straßenrennen bei strömendem Regen gewonnen hatte.

Heiß ging es dann in Südhessen zu, wo er vor ziemlich genau einem Monat in Einhausen das Meistertrikot geholt hatte, das nach seinen Worten „sein Leben komplett veränderte“. Im Sprint vor John Degenkolb, der in Heimatnähe natürlich auf Revanche aus war. „Er ist in einer Megaform, das hat man bei der Tour gesehen. Von daher lassen wir uns überraschen“, lautete Ackermanns diplomatische Bewertung vor einem Rennen der Kategorie, in dem es die Radprofis ja auch immer gut verstehen, die Fans gut zu unterhalten.