Abwechslung im Fünf-Minuten-Takt beim Kammerkonzert im...

Einen eigenen Kompositionswettbewerb haben die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler, die als Violin-Duo unter dem Namen „The Twiolins“ auftreten, vor einigen...

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DARMSTADT. Einen eigenen Kompositionswettbewerb haben die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler, die als Violin-Duo unter dem Namen „The Twiolins“ auftreten, vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Jetzt präsentierten sie am Sonntag im Marstall des Jagdschlosses Kranichstein dreizehn Preisträgerwerke von 2015. Es war ein buntes, abwechslungsreiches Programm mit neuen Stücken aus aller Welt, die bei einer jeweiligen Dauer von etwa fünf Minuten Perspektiven zwischen meditativ und humorvoll, folkloristisch und experimentell boten.

Die beiden Geiger sind perfekt abgestimmt

Die beiden Geiger spielten alles auswendig, perfekt aufeinander abgestimmt, technisch einwandfrei und voller Temperament. Titel wie „Metamorphosis“ des Ukrainers Alexander Gonobolin, „Carpathian“ des Polen Dawid Lubowicz oder „Balkanoid“ des Ungarn András Derecskei sind deutlich von der Folklore ihrer Länder inspiriert – im letzten dieser drei Stücke ist in melodischer und rhythmischer Hinsicht die Nähe zu Bartók und Kodály deutlich erkennbar.

Sebastian Sylla aus Deutschland nähert sich in „Maha Nada“ dem Stil eines indischen Raga an.

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Kleine musikalische Geschichten erzählen Jens Hubert mit „Rock you versus Ballerina“, wenn sich tänzerische Rhythmen auf zwei Ebenen begegnen, oder Judit Varga mit „A Fly’s Life and Decline“, wenn das kurze Leben einer Fliege drastisch geschildert wird bis zum bitteren Ende mithilfe der eigens mitgeführten Fliegenklatsche.

Mit Tonverschiebungen in Trance versetzen

Der Amerikaner Benjamin Heim und der Deutsche Johannes Meyerhöfer versuchen dagegen, die Zuhörer mit allmählichen Tonverschiebungen in Trance zu versetzen, Rebecca Czech aus Deutschland, Andreas Håkestad aus Norwegen und Vladimir Torchinsky aus Israel probieren Ähnliches, ausgehend von der trüben Stimmung eines Regentages.

Mit einer lyrischen Melodie im alten Stil wartet Johannes Söllner bei dem Stück „Doch Laub und Wolken unter Nacht“ auf, während Benedikt Brydern aus den USA den Dichter Schiller auf einen abenteuerlichen „Nachtflug“ schickt. All diese neuen Kompositionen liebäugeln ein wenig mit dem Geschmack des breiten Publikums. Niemand wird vor den Kopf gestoßen, doch spannende Unterhaltung ist allemal garantiert, zumal bei derart engagierten Interpretationen. Es gab am Sonntagnachmittag viel Beifall und zwei brillante Zugaben.