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14. November 2009  | Von Jürgen Palme

Die Realität als Duplikat

Theater: In einer Performance führt das Ensemble von „sechzig90“ die Transkription von Tonbandaufzeichnungen in die Realität zurück – Erinnerungen an Oskar-von-Miller-Straße

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Erinnerungen an die Veranstaltungen im Frankfurter Künstlerhaus Oskar-von-Miller-Straße finden als verschiedene Medien wie Text, Film und Requisiten auf die Bühne bei der Inszenierung „Oskar“ vom Ensemble der Rüsselsheimer Künstlergruppe „sechzig90“. Foto: e


Als Textvortrag mit Extras stellte sich die Aufführung des Performancetheaters „Oskar“ durch das Ensemble „sechzig90“ am Mittwochabend auf der Studiobühne des Stadttheaters dar. Grundlage bildete eine niedergeschriebene „Anekdotenkonferenz“, bei der die Künstler Michael Riedel und Dennis Loesch sich zusammen mit weiteren Teilnehmern an die Veranstaltungen im inzwischen abgerissenen Frankfurter Künstlerhaus in der Oskar-von-Miller-Straße 16 erinnerten.

Bei der Inszenierung in der Heimatstadt Riedels stand die Frage nach dem Wertbezug zwischen Original und Duplikat im Vordergrund – und lieferte so eine Reminiszenz an die Aktionen im Frankfurter Künstlerhaus, wo ebenfalls Duplikate des Kunstbetriebs produziert wurden. So gesehen stellte man nun ein Duplikat der Duplikate dar, um wiederum durch den mitunter leichteren Zugang zum Duplikat den Weg zum Verständnis des Originals zu ebnen. Die niedergeschriebene Realität sollte so zu neuem Leben erweckt werden.

Als „gegenständliche Schatten der Originale“ platzierte Bühnenbildnerin Anja Stoffel dazu eine große Anzahl an Requisiten auf der Bühne, die in den Erinnerungen der Anekdotenkonferenz erwähnt wurden und auf die im Textvortrag Bezug genommen wurde. So liefen nicht nur auf Fernsehern und Projektoren gleich mehrere im Text erwähnte Spielfilme ab, sondern es tauchten auch immer wieder Teilnehmer der Anekdotenkonferenz als „lebendige Requisiten“ auf, um beispielsweise nach einem kurzen Gitarrenspiel im Hintergrund wieder an einem Tisch im Hintergrund der Bühne Platz zu nehmen.

Die Vergegenständlichung der Textpassagen durch Duplizierung spiegelte sich auch in der medialen Aufbereitung des Bühnenbildes wieder. Zuvor aufgenommene Bilder der Requisiten wurden als Diashow auf eine Leinwand projiziert, genauso wie ein Live-Video der Produktion selbst. Die Darstellung eines Objektes erfolgte so gleich vierfach: als gesprochener Text, als gegenständliche Requisite auf der Bühne, als projiziertes Foto und als Live-Video.

Die wenigen Gäste, die den Weg auf die Studiobühne des Rüsselsheimer Stadttheaters gefunden hatten – die Anzahl der Darsteller und „lebenden Requisiten“ auf der Bühne dürfte in etwa genauso groß gewesen sein, wie die der Zuschauer – sahen eine ungewöhnliche, aber dennoch gelungene Inszenierung, in der es Michael Riedel, Träger des Frankfurter Kunstpreises und Kunststipendiat der Stadt Rüsselsheim, und Dennis Loesch in Zusammenarbeit mit dem Rüsselsheimer Ensemble „sechzig90“ gelang, im Rahmen ihrer Theaterperformance den Bogen von der Realität zur Abbildung und zurück zur Realität zu spannen.


 


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