MICHELSTADT.
Ein Herz für Brustkrebs-Patientinnen
Projekt: Doris Haberkorn und Ulrike Schütz verteilen spezielle Kissen an Betroffene im Erbacher Krankenhaus
Mit ganzem Herzen dabei: Doris Haberkorn (links) und Ulrike Schütz, die nicht weit vom Michelstädter Rathaus einen Stoffladen betreiben, setzen sich für die Aktion „Herzkissen“ ein. Die erleichtern Brustkrebspatientinnen Narbenschmerzen und sollen erkrankte Frauen auf andere Gedanken bringen. Foto: Silke Schmidt
Oft sind es im Leben die kleinen Dinge, die größte Freude bereiten. Das hat auch Doris Haberkorn erfahren, damals vor rund sieben Jahren, nachdem zwischenzeitlich mit der Diagnose Brustkrebs die Welt für sie schlagartig finster zu werden schien. Unerwartete kleine Aufmerksamkeiten netter Menschen waren es, die sie zwischen Angst und Schmerz, Operation und Chemotherapie immer wieder aufmunterten und ihr Mut machten. Um genau diese Erfahrungen an andere an Brustkrebs erkrankte Frauen weiterzugeben, hat sich Doris Haberkorn, die den Krebs inzwischen besiegt hat, gemeinsam mit ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Ulrike Schütz, mit der sie in Michelstadt das Stoffgeschäft ,,Stoffe am Rathaus" betreibt, der von Frauen initiierten Aktion ,,Herzkissen" angeschlossen. Nancy Ruth Friis-Jensen, eine dänische Krankenschwester, brachte die Idee der Herzkissen im Frühjahr 2006 nach Europa, nachdem sie einen Kongress in Washington besucht und dort von ihrer amerikanischen Kollegin Janet Kramer ein Kissen in Herzform bekommen hatte, wie es an deren Klinik frisch operierten Brustkrebspatientinnen geschenkt wird. Genäht von ehrenamtlich engagierten Frauen, sollen die Kissen den Patientinnen nicht nur eine Freude machen: Auf der operierten Seite unter dem Arm getragen, helfen sie auch, Druck- und Narbenschmerz zu lindern und Lymphschwellungen in der Achselhöhle zu reduzieren. Zurück in Dänemark, machte sich Friis-Jensen sofort begeistert daran, die Idee zu verbreiten. Doris Haberkorn erfuhr dank eines Artikels in einer Patchwork-Zeitschrift von dem Projekt. ,,Ich habe gleich Ulrike davon erzählt", erinnert sich Doris Haberkorn. Schnell war für die beiden Frauen klar: ,,Da machen wir mit." Schütz und Haberkorn sponsern das Material - schöne Stoffe und weiches Füllmaterial - und haben in den Frauen der Patchworkgruppe Michelstadt überaus engagierte Mitstreiterinnen gefunden, wie sie sagen: ,,Die Patchworkgruppe hat gleich Material für 60 Herzen mitgenommen und sich sofort ans Nähen gemacht." So wurden Anfang Dezember die ersten 20 Herzen dem Erbacher Krankenhaus übergeben. Dort sei man der Idee sofort sehr aufgeschlossen begegnet, erzählt Doris Haberkorn: Zuerst habe sie Verwaltungschef Andreas Schwab die Herzkissen vorgestellt. ,,Er fand das prima." Wenig später schon wurden die Kissen dem Chefarzt der Frauenklinik am Gesundheitszentrum Odenwald, Thomas Sautter, präsentiert - und auch der zeigte sich überaus angetan und überzeugt davon, dass die Herzkissen vielen erkrankten Frauen Freude bereiten werden. Wer die 170 Gramm leichten Kissen dann zum ersten Mal sieht, mag sich über die längliche, tief eingeschnittene Form der Herzen wundern. ,,So richtig schöne Herzen, wie man sie sich vorstellt, sind sie nicht", sagt Ulrike Schütz. Doch die Form hat ihren Sinn: So lassen sich die Kissen besonders bequem und ohne viel Druck ausüben zu müssen unter dem Arm tragen. 50 bis 60 Neuerkrankungen pro Jahr scheinen für die Region realistisch zu sein, erklärt Doris Haberkorn in Erinnerung an ihre Gespräche mit den Fachleuten vom Gesundheitszentrum. Ihr größter Wunsch wäre eigentlich, dass keine Frau ein Herzkissen braucht. ,,Aber Brustkrebs können wir uns leider nicht einfach wegwünschen - deshalb wäre es schön, wenn wenigstens jede erkrankte Frau ein Kissen bekäme." Dass die Kissen von Frauen für Frauen gemacht werden, findet sie sehr wichtig: ,,Da wird viel Liebe mit eingenäht. Oft werden die Patientinnen von Männern untersucht. Es sind Männer, die Ihnen sagen, dass eine Operation nötig ist oder eine Chemotherapie." Was danach helfe - nach OP und Chemo - könnten Männer allerdings oft nicht genau nachvollziehen: ,,Was dann am meisten stützt, kommt oft von Frauen." Kleine Aufmerksamkeiten etwa, die Trost spenden, Verständnis ausdrücken, etwas Erleichterung verschaffen. So soll es auch mit den Herzkissen sein: Doris Haberkorn und Ulrike Schütz jedenfalls hoffen, mit ihrer Beteiligung an dem Projekt etwas angestoßen zu haben: ,,Wer nicht nähen kann, aber spenden möchte, darf das gerne tun. Wer nicht spenden kann, aber nähen möchte, ist genauso willkommen." So freuen sich die beiden Frauen darüber, dass in ihrem Michelstädter Laden inzwischen auch Kundinnen schon gefragt haben, ob sie einige Kissen nähen dürfen. Weitere Mitstreiterinnen, vielleicht sogar der Aufbau eines kleinen regionalen Netzwerks in Sachen Herzkissen - das wäre für Doris Haberkorn und Ulrike Schütz die Erfüllung eines Traums.
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