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04. Februar 2010  | Von Birgit Reuther

Bioenergiedorf: Geschäftsführer geschasst, eG fast pleite

Bioenergiedorf: Aufsichtsrat erkennt Defizit und zieht Notbremse - Generalversammlung tagt am 21. Februar

RAI-BREITENBACH. 
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Anlaufstelle für die Mitglieder der Genossenschaft Bioenergiedorf Rai-Breitenbach ist die Geschäftsstelle der eG, die derzeit noch in der ehemaligen Schule dieses Breuberger Stadtteils untergebracht ist. Foto: Guido Schiek


Paukenschlag im Bioenergiedorf Rai-Breitenbach: Der Aufsichtsrat des genossenschaftlich organisierten, aber betriebswirtschaftlich orientierten Unternehmens zur Nahwärmeversorgung des 900-Seelen-Dorfes hat den geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden Horst Stapp mit sofortiger Wirkung vorläufig von seinem Amt entbunden. Zudem liegen inzwischen genügend Hinweise dafür vor, dass die Genossenschaft zumindest vorübergehend ,,am Rande der Zahlungsfähigkeit" ist. Mit diesen Nachrichten über das seit Monaten mit Problemen und Querelen kämpfende Pilotprojekt ist Frank Matiaske, Aufsichtsratschef und Breuberger Bürgermeister, am Mittwoch an die Öffentlichkeit gegangen.

Die Amtsenthebung des zuletzt zusehends umstrittenen Geschäftsführers erfolgte bereits am Montag und gemäß Genossenschaftsgesetz vorläufig. Endgültig über diesen Schritt entscheiden muss die Generalversammlung der eG, die am Sonntag (21.) um 9.30 Uhr in der Aula der Georg-Ackermann-Schule zusammenkommt. Zur Bekräftigung der Amtsenthebung ist nach Einschätzung der Beteiligten eine 50-Prozent-Mehrheit der Abstimmungsberechtigten nötig.

Bei dieser Versammlung wird es auch Neuwahlen zu Vorstand und Aufsichtsrat (AR) geben. Bis dahin soll für befristete Zeit ein externer hauptamtlicher Geschäftsführer eingesetzt werden, der ,,belastbare Zahlen und eine Übersicht über die gesamte Situation der Genossenschaft" liefern soll. Mit dieser Aufgabe betraut wird, gegen Erstattung der Personalkosten, jener Mitarbeiter des Odenwaldkreises, der dem Vorstandsvorsitzenden bereits vor Wochen zur Seite gestellt wurde - auf Geheiß von Aufsichtsrat und Landrat Dietrich Kübler, der ebenfalls dem Vorstand angehört.

Zum Befreiungsschlag der Amtsenthebung gedrängt sah sich das Kontrollgremium, nachdem deutlich wurde, dass die Genossenschaft derzeit offenbar nicht zahlungsfähig ist. In einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat hatte Stapp einige der seit langem geforderten Zahlen zur wirtschaftlichen Lage der Unternehmung vorgelegt. ,,Demnach wird das Geschäftsjahr 2009 mit einem deutlichen Fehlbetrag abschließen. Zudem muss für das Jahr 2010 mit einer Erhöhung des Wärmepreises kalkuliert werden", so AR-Chef Matiaske gegenüber dem ECHO.

Die Rede ist von fehlenden rund 50 000 Euro. Wegen mehrerer weiterhin ausstehender Zahlen wollte Matiaske diese Summe allerdings nicht als endgültig einstufen. Beim Wärmepreis handelt es sich um den Betrag, zu dem die ans Nahwärmenetz angeschlossenen rund 150 Häuser mit Warmwasser versorgt werden. Derzeit werden den Abnehmern 10,65 Cent pro Kilowattstunde inklusive Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt. Einer Preiserhöhung müsste die Generalversammlung der Genossen ebenfalls zustimmen.
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Foto: Guido Schiek

,,Unser Dispokredit bei den Banken von rund 80 000 Euro ist fast ausgeschöpft. Zudem liegen Rechnungen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb in einer Höhe von insgesamt etwa 70 000 Euro vor", schilderte der AR-Chef die Lage. Über diese Situation, die gemeinsam mit weiteren Faktoren zumindest eine vorübergehende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens bedeuten, habe Horst Stapp weder seine Vorstandskollegen noch den Aufsichtsrat informiert. Dies mache eine Amtsenthebung unumgänglich.

Hinzu kommen jene Rechnungen, die für die Wiederherstellung des Heizkraftwerkes fällig wurden, die aber noch nicht bezahlt sind, ,,weil die Schadensabwicklung durch die Brandversicherung nach wie vor nicht erfolgt ist". Wie berichtet, hat es im Oktober einen Brand im Kraftwerk der Genossenschaft gegeben. In die Ermittlungen hat sich die Staatsanwaltschaft Darmstadt eingeschaltet. Zwar wird als Ursache für das Feuer in Nähe eines Holzvergasers weiterhin ein technischer Defekt angenommen, doch könnte der durch Fahrlässigkeit begünstigt worden sein. Die Ermittlungen dauern an, so Pressesprecher Ger Neuber auf Anfrage des ECHO.

Wegen der schwierigen und ungeklärten Finanzlage wollen Aufsichtsrat und die übrigen Vorstandsmitglieder nun das Gespräch mit den beteiligten Banken suchen. Ziel ist es, den Dispositionskredit auszuweiten und die anderen Darlehen zu strecken, ,,um wieder Liquidität herzustellen".

Wie berichtet, ist das Kontrollgremium in seiner aktuellen Zusammensetzung mit nur drei Mitgliedern erst im Juli 2009 gewählt worden. Die Mitglieder der beiden vorherigen Aufsichtsräte hatten ihre Ämter anfangs vereinzelt, später geschlossen niedergelegt. Die Beweggründe hierfür lagen dem Vernehmen nach hauptsächlich in einem gestörten Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Die Querelen hatten sogar dazu geführt, dass der vorherige AR-Vorsitzende Werner Schwinn seitens der Geschäftsführung erfolgreich zum Rücktritt von seinem Amt gedrängt worden war.


 
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