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08. Februar 2010  | Von Thomas Wöhlert

Tragisches Ende für drei blaue Schafe

Vandalismus: Polyester-Skulpturen von Rainer Bonk werden vor Erich Neumanns Haus das Ziel blinder Zerstörungswut

BAD KÖNIG. 
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Völlig zerstört: Besitzer Erich Neumann zeigt die Reste seiner blauen Miniherde, die unbekannten Vandalen gestohlen und anschließend zerschlagen haben. Nun liegen die blauen Schafe als Mahnmal vor seinem Haus in Bad König. Foto: Guido Schiek


Da fehlen dem freundlichen Erich Neumann und seiner Frau Hannelore aus Bad König die Worte: Blinde Zerstörungswut und sinnlose Aggression haben die beiden in den vergangenen Monaten zu spüren bekommen. Glücklicherweise nicht am eigenen Leib. Doch das ist eigentlich schon das positivste, was sich über jene Vorfälle sagen lässt, die den Naturliebhaber und seine Frau seit eineinhalb Jahren immer wieder in Atem gehalten haben.

Gerichtet haben sich die sinnlosen Attacken vielmehr gegen drei blaue, beinahe lebensgroße Schafe aus Polyester, die der Bad Königer zur optischen Bereicherung des Wegedreiecks Berggartenstraße und Nordring auf seiner frei zugänglichen Rasenfläche vor seinem Haus aufgestellt hatte.

Nun liegen sie zerschlagen im Vorgarten seines Grundstücks, daneben haben die Neumanns ein Schild gestellt, das an die sinnlose Tat erinnert. Ein stilles Mahnmal, auch für Fußgänger und Nachbarn, die sehen sollen, was und wann es passiert ist. Denn viele sind in den vergangenen Wochen an dem Grundstück vorbei gekommen und haben sich gefragt, wo die blauen Gesellen geblieben sind, die einst so friedfertig im saftigen Grün auf der Höhe über Bad König als abwechslungsreiche Farbtupfer immer wieder die Blicke der Vorbeikommenden auf sich zogen.

,,Auf die Idee hat mich ein Freund aus Erbach gebracht," erklärt der Siebzigjährige die Beweggründe für die ungewöhnliche Anschaffung. Übers Internet bekam er dann die Adresse heraus. Gekauft hat der ehemalige Firmenbesitzer die Tiere im Sommer 2008 über einen Mannheimer Kunstverein, geschaffen hat sie der als ,,Blauschäfer" bekannte Düsseldorfer Künstler und Bildhauer Rainer Bonk.

So kam die blaue Miniherde also nach Bad König. ,,Ich fand das einfach einen tollen Kontrast. Die grüne, unberührte Wiese und darauf die drei blauen Schafe", erinnert sich Erich Neumann. So standen die Skulpturen einträchtig auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Grundstück, das ebenfalls den Neumanns gehört.

Mittlerweile hatten auch die Nachbarn die Figuren in Herz geschlossen. In der Kurstadt kannten viele die Blauen von der Berggartenstraße. Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Schüler die Straße auf ihrem Weg zur Carl-Weyprecht-Schule benutzen. ,,Einmal fragten mich sogar Kinder, ob sie sich mit den Schafen fotografieren lassen dürften. Der Vater ist dann schnell nach Hause gelaufen und hat den Fotoapparat geholt, erzählt Hannelore Neumann.

Doch die Freude über die auffällige und ungewöhnliche Skulpturengruppe währte nicht lange: Nach drei Monaten erlebten die Neumanns ihr erstes blaues Wunder. An einem Samstagmorgen war die friedfertige Polyesterherde nicht mehr vollzählig. Unbekannte hatten eines der ,,Tiere" entführt, Nachbarn fanden die leicht beschädigte Skulptur dann unweit des Anwesens. ,,Mit Gips habe ich die kleinen Löcher dann geflickt, erklärt Erich Neumann und verbannte das Trio aus Sicherheitsgründen erst einmal in den sicheren, umzäunten Garten. ,,Doch dann haben uns die Nachbarn immer wieder gefragt, wo denn die drei blauen Schafe seien, erklärt Hannelore Neumann die Entscheidung der ,,Zieheltern", die drei ,,Zöglinge" doch wieder in ihre angestammte Umgebung zu entlassen.

Doch wieder dauerte er nicht lange und einzelne Tiere waren verschwunden. Das passierte immer an Wochenenden und immer wieder wurden sie in der näheren Umgebung aufgefunden, immer mit mehr oder weniger schweren ,,Blessuren". Trotzdem ließen die Neumanns nicht locker, vielleicht in der Hoffnung, auch die Täter hätten sich irgendwann einmal mit ihrem Anblick angefreundet.

Doch die konnten das Schweigen der Lämmer offensichtlich nicht ertragen. In einer Winternacht, am Freitag, den 18. Dezember, kam das traurige Aus für die drei blauen Schafe von Bad König. Gegen 23 Uhr stapften die Täter unbemerkt durch den Schnee und stahlen die Kunstobjekte.

,,Den Zeitpunkt kann Erich Neumann deshalb so genau eingrenzen, weil er zuvor und danach die Wiese beobachtet hatte. ,,Man konnte noch genau die Spuren im Schnee sehen." Dennoch entkamen die Diebe wieder einmal unerkannt. Nach einer kurzen Suchaktion fanden Nachbarn die Schafe dann zerschlagen auf der Straße.

,,Das war es jetzt", erklärt Erich Neumann ernüchtert. ,,Die sind nicht mehr zu reparieren." Frustriert ist das Ehepaar schon, will vorerst keine Skulpturen mehr auf die Wiese stellen. Vor allem der ideelle Verlust schmerzt.

Einen Verdacht hat Erich Neumann, doch das langt eben nicht, um zur Polizei zu gehen und entsprechend Anzeige zu erstatten. Wobei er nicht glaubt, dass die Täter aus dem Umfeld der Schüler kommen, die Vandalen vermutet er aus einem anderen Kreis. ,,Solange ich keine Beweise habe, ist da aber nichts zu machen", schätzt er die Chancen, die Täter doch noch zu finden, realistisch ein. Andererseits ist der Vorfall für das Ehepaar Neumann der deutlichste Beweis für zunehmend sinnlose Zerstörungswut.


 
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