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12. Januar 2010  | kfe/hb/wig

Landratswahl im Kreis Groß-Gerau: die Kandidaten

Kreis GG
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Grafik: Kreis Groß-Gerau
Nach 18 Jahren (3 Amtszeiten) geht der aktuell amtierende Landrat Enno Siehr (SPD) in den Ruhestand. Am 7. Februar wird im Landkreis Groß-Gerau ein neuer Landrat gewählt. Thomas Will (SPD), Ursula Kraft (CDU) und Gerhard Schulmeyer (Die Linke) bewerben sich um das Amt. "Echo Online" stellt die Kandidaten vor.

Knapp 186.000 der gut 250.000 im Kreis lebenden Frauen und Männer sind zur Wahl des Landrats oder der Ländrätin aufgerufen, darunter mehr als 14.500 Bürger aus den übrigen Mitgliedsstaaten der EU. In den 14 Städten und Gemeinden sind 158 Wahlbezirke eingerichtet. Erreicht im ersten Wahlgang keiner der drei Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, folgt am 28. Februar eine Stichwahl zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten.

Bei der ersten Direktwahl 1998 setzte sich der sechs Jahre zuvor noch vom Kreistag ins Amt berufene Enno Siehr (SPD) mit 59,2 Prozent der Stimmen gegen Rudi Haselbach (25,5) von der CDU und Thomas Rahner (15,3), damals noch bei den Grünen, durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 41 Prozent. Siehr siegte auch 2004 im ersten Durchgang. Mit 56 Prozent. Günter Schork (CDU) kam auf 33 Prozent, Christine von Essen (Grüne) auf 10,7. Vor sechs Jahren beteiligten sich 32 Prozent der Wahlberechtigten.

 

 

Thomas Will (SPD)
Thomas Will
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Thomas Will. Foto: privat

Bei den Sozialdemokraten im Kreis Groß-Gerau gab es gleich zwei Bewerber für das Amt des neuen Landrats. Am 9. Mai 2009 konnte sich jedoch der 50 Jahre alte Thomas Will aus Bischofsheim beim SPD-Parteitag in Worfelden klar gegen seinen Mitbewerber, den Riedstädter Bürgermeister Gerald Kummer, mit 72 zu 44 Stimmen durchsetzen.

Thomas Will ist seit 2003 Erster Kreisbeigeordneter in Groß-Gerau und Kulturdezernent. Im Dezember 2009 wurde Will außerdem zum neuen gleichberechtigten Aufsichtsratsvorsitzenden neben Stadtrat und Kulturdezernenten der Stadt Frankfurt am Main, Herrn Prof. Dr. Semmelroth (CDU) der KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH gewählt.

Will, 1959 in Bischofsheim geboren, ist ausgebildeter Verwaltungsfachangestellter. Er hat im Landratsamt Groß-Gerau, im Regierungspräsidium Darmstadt und in den Stadtverwaltungen von Rüsselsheim und Frankfurt gearbeitet. "Ich bin einer zum Anfassen, der da ist, wenn man ihn braucht", sagt der Vater zweier Söhne von sich selbst. Persönlich sieht er sich bei der Ausübung seiner politischen Ämter von Glaubwürdigkeit, Sachkompetenz und der Nähe zu den Bürgern begleitet.

Sachpolitisch ist Will die Einheit des Kreises bei gleichzeitiger Mitarbeit in der Region wichtig. Mindestlöhne sind für ihn unabdingbar, und die Arbeitslosenbetreuung mit ihren vier Arge-Jobcenter-Standorten im Kreis müsse in einer Hand bleiben. Will spricht sich des weiteren für interkommunale Gewerbegebiete aus, für eine Erneuerung der Energieversorgung, die Stärkung der Familien im Interesse der Entwicklung der Kinder, für bessere Bildungschancen und eine integrative Schulpolitik, die Auflösung von Sonderschulen und die Überwindung des Generationenkonflikts.

Der begeisterte Tourenradfahrer hat sich in seiner Freizeit bereits halb Europa erradelt und geht, wann immer es sein Terminkalender zulässt, zu einem Mainz-05-Heimspiel. Außerdem ist Will bekennender Schalke-04-Fan.

Website von Thomas Will

 

 

Ursula Kraft (CDU)
Ursula Kraft klein
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Ursula Kraft. Archivfoto: Cornelia Schlagau

"Ich glaube, ich kann es schaffen", sagte die CDU-Kreisvorsitzende Ursula Kraft vor dem Parteitag in der Groß-Gerauer Stadthalle im Juni 2009, bevor die Delegierten sie mit einem Ergebnis von 90,6 Prozent zur Kandidatin für die Landrats-Direktwahl nominierten. Die 56 Jahre alte Kraft soll schaffen, was Rudi Haselbach und Günter Schork nicht gelang: Erstmals soll die CDU den Landrat stellen. Schließlich habe die CDU bereits die Bürgermeisterämter in Groß-Gerau und Stockstadt erobert, die früher die SPD inne hatte, und bei der erneuten Landtagswahl im Januar 2009 das Direktmandat für die beiden Groß-Gerauer Wahlkreise geholt.

"Als Landrätin möchte ich Moderatorin, Motor und Impulsgeberin für den Kreis Groß-Gerau sein", sagt die CDU-Vorsitzende. Mit ihrer Erfahrung als Mitgründerin eines mittelständischen, inzwischen weltweit operierenden Werkzeugmaschinenhandel-Unternehmens in Stockstadt, in dem sie Büro und Finanzen organisiere, bringe sie entscheidende Erfahrungen mit: "Ich bin flexibel, kann gut auf Leute und neue Situationen eingehen, habe Energie und Mut, kann Menschen motivieren und zusammenführen."

Für den Kreis Groß-Gerau wünscht Kraft sich, dass er seine Stärken als Dienstleister für Bürger und Kommunen deutlicher herausarbeite. Das sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden. Würde sie Landrätin, dann will Kraft einen besonderen Schwerpunkt- neben einer Reihe sozialpolitischer Themen - auf den Sektor interkommunale Zusammenarbeit setzen.

Kraft wurde 1953 geboren und wuchs in Wolfskehlen auf. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete sie einige Jahre bei Schenck in Darmstadt, bevor sich mit der Heirat ihr Lebensmittelpunkt nach Stockstadt verlegte. Inzwischen lebt die aktive Tennisspielerin in Groß-Gerau. Politisch engagiert ist die Mutter zweier erwachsener Kinder und dreifache Großmutter bereits seit 1976. 1996 ist sie beispielsweise als Bürgermeisterkandidatin in Stockstadt angetreten, im vergangenen Jahr war sie für die Bundestagswahl im September mit Listenplatz 22 der Landesliste ihrer Partei aufgestellt. Außerhalb der Politik widme sie sich gerne ehrenamtlichem Engagement in Sport, Kirche und Chorgesang. Darüber hinaus habe sie 15 Jahre lang ihre Familie "gemanagt". Kraft entdeckt immer wieder neue Interessen und Dinge, für die es sich zu engagieren lohnt: "Ich fühle mich mitten im Leben", sagte sie dem ECHO im Sommer.

Auch der neuen Medienentwicklung gegenüber zeigt sich Kraft aufgeschlossen: Sie twittert unter "kraftursula" seit September 2009. Hier teilt sie per 140-Zeichen-Kurznachricht beispielsweise mit, wann sie Bürgersprechstunde hat, beim Rieslingsonntag in Rüsselsheim ein Glas mit Patrick Burghardt hebt oder wann sie mit der CDU Stockstadt über den Kühkopf wandert. Unter ihren Kontakten lassen sich der Europaparlaments-Abgeordnete Michael Gahler, das Tigerpalast Varieté in Frankfurt oder Achim Weidner, CDU-Stadtverordneter in Rüsselsheim, finden. Ob sie am 7. Februar auch direkt nach der Wahl das Ergebnis twittern wird? Hoffentlich nicht zu früh, damit sie nicht unter Beschuss gerät wie ihre rheinland-pfälzische Parteikollegin Julia Klöckner bei der Wahl des Bundespräsidenten im vergangenen Jahr.

Website von Ursula Kraft

 

 

Gerhard Schulmeyer (Die Linke)
Gerd Schulmeyer klein
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Gerd Schulmeyer. Archivfoto: Echo Online

Gerhard Schulmeyer ist Kreistagsabgeordneter der Linken Liste aus Mörfelden-Walldorf. "Wir wollen das Feld nicht nur der SPD und der CDU überlassen", begründete der 58 Jahre alte Schulmeyer die Kandidatur, bei der man auch die Kreistagswahl 2011 im Blick habe. Man wolle das Thema erst einmal insoweit besetzten, dass man einen Wahlvorschlag eingereicht habe. Bei der inhaltlichen Diskussion eines Wahlprogramms sei man noch nicht am Endpunkt angelangt.

Trotzdem skizziert Schulmeyer im Gespräch mit dem ECHO einige Punkte, die ihm wichtig sind. Dazu zählen das Abbremsen und Zurücknehmen von Privatisierungsmaßnahmen, der Umweltbereich und hier insbesondere die Auseinandersetzung um den Flughafenausbau sowie soziale Aspekte wie Hartz IV und die Beseitigung von Kinderarmut im Kreisgebiet. Auch das Thema Finanzen muss angesichts der schlechten monetären Ausstattung der Kommunen nach seinen Worten vom künftigen Landrat an oberster Stelle in Land und Bund angesprochen werden.

Als personelle Alternative hat sich Schulmeyer, der seit 1971 der DKP angehört und über eine lange kommunalpolitische Erfahrung verfügt, bereits bei der Bundestagswahl 2005 als Direktkandidat und bei der jüngsten Mörfelden-Walldorfer Bürgermeisterwahl angeboten. Seit 1992 gehört der 58-Jährige dem Mörfelden-Walldorfer Stadtparlament an, davon viele Jahre als Vorsitzender der Fraktion DKP/Linke Liste. Im Kreistag sitzt Schulmeyer seit 2004 für die Linken.

In seiner Freizeit greift der Linken-Kandidat gern einmal zur Gitarre oder liest - das Spektrum reicht von theoretischer Literatur bis hin zu Krimis. Zudem liegt ihm die Ortsgeschichte am Herzen, und er tritt als Laienschauspieler auf.

Gerhard Schulmeyer hat keine eigene Website.

 
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