KREIS GROSS-GERAU.
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Der Fachbereich Soziale Sicherung, der für das persönliche Budget zuständig ist, ist unter 06152 989483 erreichbar. Ein Faltblatt über das Angebot ist in Arbeit.
Frau Schulz ist wegen einer Erkrankung behindert. Sie lebt dennoch zu Hause, braucht aber zweimal in der Woche Hilfe, um alle Arbeiten in ihrem Haushalt erledigen zu können. Sie möchte zudem einmal in der Woche in die Kirche gehen und einmal in ihre Selbsthilfegruppe, was sie allein nicht schafft. Sie hat darum beim Kreis Groß-Gerau als Sozialhilfeträger Unterstützung beantragt und sich für das persönliche Budget für Menschen mit Behinderung entschieden. Damit kann sie selbst wählen, wen sie mit der Hilfeleistung beauftragt. Einmal in der Woche kommt eine Nachbarin, einmal ein Bekannter.
Auch vor ein paar Jahren hätte Frau Schulz nach entsprechender Überprüfung der wirtschaftlichen Lage Unterstützung erhalten, aber damals noch in Form einer Dienst- oder Sachleistung. Diese Art der Hilfegewährung ist zwar auch heutzutage noch möglich, sagt Polina Maierle vom Fachbereich Soziale Sicherung im Landratsamt. Doch eine weitere Möglichkeit existiert seit 2004: das persönliche Budget.
Damals war diese Form der Leistungsgewährung noch Teil eines Modellprojekts, an dem sich in Hessen der Kreis Groß-Gerau und der Kreis Marburg-Biedenkopf beteiligten. Nach Inkrafttreten des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes 2006, das Behinderten Selbstbestimmung und Teilhabe zusichert, wurde das persönliche Budget Anfang 2008 fest installiert.
Menschen mit Behinderung können unabhängig von der Art und Schwere ihrer Behinderung, von Alter oder Wohnsituation Geld beantragen, das sie einer Zielvereinbarung entsprechend einsetzen - zum Beispiel, um mit Begleitung ins Kino oder ins Schwimmbad zu gehen. Sie selbst bestimmen, wen sie als Begleiter möchten.
Im persönlichen Gespräch wird der Bedarf im Einzelfall eingeschätzt, berichten Maierle und ihre Kollegin Anja Freiberger. Die wirtschaftliche Lage wird geprüft, ärztliche Unterlagen helfen, den gesundheitlichen Zustand und die Hilfemöglichkeiten zu bewerten. Eine Zielvereinbarung zwischen Kostenträger und Leistungsempfänger wird formuliert. Wenn das Geld dann fließt, gibt es ungefähr alle sechs Monate Treffen mit den behinderten Menschen, um zu überprüfen, ob das Budget wie geplant genutzt wird. ,,Wir haben auch schon Mittel gekürzt", sagt Polina Maierle. In der Regel klappt aber alles wie vorgesehen, die Budgetempfänger sind dankbar für die gewonnene Freiheit und arbeiten mit.
,,Wir wollen eine passgenaue Hilfe", sagt Anja Freiberger. Das monatliche Budget solle den individuell festgestellten Bedarf decken. Daher lässt sich nicht sagen, wieviel Geld normalerweise fließt. Ein geistig behinderter Mann bekommt zum Beispiel 650 Euro im Monat, um sich die Begleitung eines Sozialarbeiters einzukaufen. Ein anderer erhält 850 Euro für die Einzelbetreuung - am Arbeitsplatz, in der Freizeit, beim Einkaufen. Eine Regel gilt allerdings immer: Das Budget darf den Kostenträger nicht teurer kommen als die Sachleistung.
Derzeit beziehen 31 Menschen mit Behinderung im Kreis ein persönliches Budget. 22 davon sind körperlich behindert, sieben geistig und zwei seelisch. Die Anträge von vier weiteren Leuten werden gerade bearbeitet. Am häufigsten eingesetzt wird das Budget für die Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben, am zweithäufigsten für Haushaltshilfen. Bis Ende 2009 folgten danach Hilfen beim betreuten Wohnen; diesen Part hat nun aber der Landeswohlfahrtsverband übernommen. Weiter dient das persönliche Budget dazu, lebenspraktische Fähigkeiten zu erwerben (zum Beispiel durch die Teilnahme an einer Reittherapie oder an Kochkursen speziell für Behinderte), oder Hilfe bei Pflegebedürftigkeit einzukaufen.
Ein wenig bedauern die Mitarbeiterinnen des Kreises, dass das trägerübergreifende Prinzip, das beim persönlichen Budget greifen sollte, nicht funktioniert hat. Auch Krankenkassen, Rentenversicherer oder die Agentur für Arbeit zum Beispiel hätten Kostenträger sein sollen. Nun sei nur der Landkreis übrig geblieben.
Dennoch: Für die Betroffenen sei das Budget eine Verbesserung. Die Wahlfreiheit wurde größer. Und die Leute kommen mit dieser Unterstützung eher aus dem Haus und unter Menschen.
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