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04. Februar 2010  |  mzh

Flughafenausbau erregt die Gemüter

ECHO-Podium: Von den Landratskandidaten wirbt nur Ursula Kraft (CDU) für die Erweiterung

GROSS-GERAU. 

Der geplante Ausbau des Frankfurter Flughafens erregt die Gemüter. Das zeigten am Dienstagabend beim ECHO-Podium mit den drei Landratskandidaten in der Groß-Gerauer Stadthalle nicht nur die Reaktionen der rund 300 Zuhörer. Auch unter den Bewerbern ging es in dieser Frage so heftig zur Sache wie bei kaum einem anderen Thema.

CDU-Kandidatin Ursula Kraft verwies darauf, dass 11 740 Menschen aus dem Kreis am Flughafen arbeiteten. Der Kreisspitze und damit auch ihrem Kontrahenten Thomas Will (SPD) warf sie vor, in zehn Jahren 2,5 Millionen Euro für die Gegnerschaft zum Flughafenausbau ausgegeben zu haben. ,,Was ist damit an Erleichterungen für die Bürger erreicht worden?", fragte sie.

Ihrer Ansicht nach wäre mehr zu erreichen gewesen, wenn der Kreis sich nicht frühzeitig in eine ablehnende Haltung hineingesteigert hätte. ,,Von Anfang an" sei klar gewesen, dass der Kreis die Auseinandersetzung nicht gewinnen könne, sagte Kraft - woraufhin ECHO-Redaktionsleiterin Liz Schuster befand, dass rechtsstaatliche Verfahren doch eigentlich ergebnisoffen geführt würden.

Erster Kreisbeigeordneter Will sah sehr wohl Erfolge. Ohne Widerstand, der übrigens auch von Politikern mit CDU- oder FDP-Parteibuch unterstützt worden sei, hätte es keine höheren Sicherheitsstandards gegeben, führte er als ein Beispiel die Verlegung des Chemiewerks Ticona an. Der Kreis brauche den Flughafen, doch müssten dessen Flächenerweiterungen Grenzen gesetzt werden. Im Übrigen arbeite der Kreis etwa in der Fluglärmkommission konstruktiv mit Fraport zusammen, wenn es darum gehe, Belastungen möglichst gerecht zu verteilen.

Scharfe Kritik übte Will an der Landesregierung, die von ihrem Versprechen eines Nachtflugverbots abgerückt sei. Er werde als Landrat alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um das Nachtflugverbot durchzusetzen. Für fragwürdig hielt Will auch die zusätzlichen Job-Versprechen des Flughafenbetreibers. Auch die Qualität der Arbeitsplätze sei häufig nicht sonderlich hoch.

In diesem Punkt traf sich der Sozialdemokrat mit dem Bewerber der Linken/Offene Liste, Gerd Schulmeyer. ,,Die Arbeitsplätze sind oft das Geld nicht wert, das arme Leute dort verdienen. Die müssen anschließend noch bei den Sozialkassen vorbei, weil sie von ihrem Lohn nicht leben können."

Schulmeyer, der als Mörfelder direkt von Fluglärm betroffen ist, forderte wie Will ein Nachtflugverbot und wandte sich gegen den Ausbau. Er plädierte nach dem Beispiel des Flughafens Köln-Bonn für eine Studie, die gesundheitliche Belastungen aufzeigen soll. Die kritische Haltung des Kreises bezeichnete auch Schulmeyer als richtig. ,,Alles, was zugestanden wurde, ist Fraport abgerungen worden."

Ursula Kraft teilte diese Meinung nicht. ,,Die 2,5 Millionen Euro hätte man für Lärmschutz ausgeben können, statt zu klagen", erklärte sie.


 
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