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03. Februar 2010  | Von Jörg Monzheimer

300 Besucher hören den Landratskandidaten zu

ECHO-Podium: Diskussion in der Groß-Gerauer Stadthalle

GROSS-GERAU. 
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Die Landratskandidaten Gerd Schulmeyer (Die Linke), Ursula Kraft (CDU) und Thomas Will (SPD) stellten sich am Dienstagabend Fragen der knapp 300 Interessierten bei der ECHO-Podiumsdiskussion in der Groß-Gerauer Stadthalle. Die ECHO-Redakteure Angelica Taubel und Elisabeth Schuster moderierten. Foto: Robert Heiler


Eines ist klar: Landrat Enno Siehr (SPD) hört im Sommer nach 18 Jahren auf. Um seine Nachfolge bewerben sich der Erste Kreisbeigeordnete Thomas Will (SPD), die CDU-Kreisvorsitzende Ursula Kraft und Gerd Schulmeyer (Linke). Am Dienstagabend stellte sich das Kandidaten-Trio beim ECHO-Podium den Fragen von Liz Schuster, Leiterin der ECHO-Redaktionen im Kreis, und ihrer Stellvertreterin in Groß-Gerau, Angelica Taubel.

Die Diskussion lockte trotz widriger Witterungsverhältnisse knapp 300 Besucher in die Groß-Gerauer Stadthalle - und auch die nutzten rege die Gelegenheit, die Bewerber mit schriftlich formulierten Fragen zu konfrontieren und sich ein Bild von ihnen zu machen.

Wahlentscheidend war das Podium freilich für die wenigsten Gäste: Die Kandidaten hatten ihre Unterstützerkreise mitgebracht. Für mehr als 80 Prozent stand schon vor Beginn der Diskussion fest, wem sie am Sonntag ihre Stimme geben werden. Immerhin ein Dutzend hat seine Meinung dann aber doch noch geändert, wie eine Frage vom Podium ergab.

Was die Zuhörer erlebten, war eine durchaus lebhafte Auseinandersetzung der drei Bewerber. Ursula Kraft benötigte einen Moment, bis sie sich auf die Frage, weshalb die Wähler gerade für sie stimmen sollte, als unverbrauchte, von außen kommende Unternehmerin empfahl, die für Selbstständigkeit und Eigenverantwortung stehe.

Thomas Will sah sich in der Tradition der SPD-Landräte Willi Blodt und Enno Siehr, deren aus seiner Sicht erfolgreiche Politik er fortsetzen wolle. Auch wenn eine Partei über Jahrzehnte Verantwortung trage, müsse das nicht schlecht sein, führte Will die Beispiele Wirtschaftskraft, Soziales und Bildung an.

Als klare politische und personelle Alternative sah sich der angriffslustig agierende Außenseiter Gerd Schulmeyer. Er ziele auf die 68 Prozent der Menschen ab, die bei der Wahl vor sechs Jahren nicht wählen gegangen seien, erklärte Schulmeyer. Der Bewerber der Linken plädierte für einen radikalen Kurswechsel, weniger Markt und eine stärkere Abschöpfung von Unternehmensgewinnen.

 

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Angesichts eines Haushaltsdefizits von 36 Millionen Euro und Schulden, die sich auf 400 Millionen zubewegten, hielt Kraft es für unverantwortlich, nur nach einer besseren Finanzausstattung zu rufen. Zehn Prozent Einsparpotenzial seien zu heben, etwa durch eine verstärkte Zusammenarbeit der Kommunen.

Will blieb da skeptisch. Über 80 Prozent der Kreisausgaben seien im Sozialen und im Schulbereich gebunden, und da wolle er keinesfalls den Rotstift ansetzen, zumal es sich vielfach um gesetzliche Pflichtaufgaben handele. Mit Schulmeyer war er sich einig, dass die Kommunen mehr Geld benötigten, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Der Kandidat der Linken kritisierte, dass viele Kreisausschuss-Sitzungen nicht einmal eine halbe Stunde dauerten. ,,Da kann nicht ernsthaft um Lösungen gerungen werden", befand Schulmeyer.

Kommunale Wirtschaftsförderung diente für Kraft dazu, Unternehmen dazu zu bringen, in den Kreis zu ziehen. Will rechnete dazu auch weiche Standortfaktoren wie wie Ganztagsschulen und Kinderbetreuung, während Schulmeyer es für überflüssig hielt, Unternehmen zu unterstützen.

Beim Thema Bildungspolitik stritten Kraft und Will geraume Zeit darüber, ob der Kreis ein kostenfreies Mittagessen an den Schulen anbieten könne. Angesichts der Haushaltslage und zwöf Millionen Euro Kosten meldete Kraft Zweifel an. Schulmeyer und Will sahen hier die Chance, auch ein Stück Chancengleichheit zu verwirklichen.

Der knapp 300 Millionen Euro teuren Schulsanierung soll nach Angaben Wills eine zweite, kostengünstigere Runde folgen, um überall die Voraussetzungen für Ganztagsangebote zu schaffen. Bewegungsfreundliche Schulhöfe und die Integration behinderter Kinder nannte er als wichtige Themen. Kraft bezeichnete dies als unstrittig und wollte Lehrer und Schüler in die Pflicht nehmen, damit die sanierten Schulen auch in gutem Zustand bleiben. Schulmeyer waren die Bildungsausgaben in Deutschland insgesamt zu niedrig.

Beim Thema Energie wünschte sich Schulmeyer eine Rekommunalisierung der Energiewirtschaft, Will warb mit Vehemenz für den Einsatz verschiedener erneuerbarer Energien im Kreis. Atomkraft sei nur scheinbar günstig, verwies er auf die Kosten für die Endlagerung.

Auch Kraft sah Potenziale bei erneuerbaren Energien, kritisierte aber, dass die rot-grüne Koalition im Kreistag für 280.000 Euro pro Jahr bei den Riedwerken eine Stelle für Energiefragen geschaffen habe.

Kontrovers ging es bei der Frage zu, ob das Kernkraftwerk Biblis abgeschaltet werden sollte. Will und Schulmeyer bejahten dies, wogegen Kraft Sicherheitsaspekte betonte, aber davon ausging, dass die Betreiber sie gewährleisteten. ,,Auf der ganzen Welt werden 40 Atomkraftwerke gebaut. Da ist es einfach auszusteigen, wenn uns umliegende Länder versorgen", sagte Kraft.

 

 
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Echo Podiumsdiskussion Gross-Gerau | Von:  Echo | 03.02.2010, 09:53 Uhr

Schade das in der Zeitung von Mittwoch den 3.Feb. nicht geschrieben wurde wie die 3 Kandidaten über den Flughafenausbau denken und reagieren werden,vor allem was das Nachtflugverbot angeht.Dies ist ein sehr wichtiges Thema in der Region und wurde einfach weggelassen.Somit ist für mich dieser Beitrag sehr einseitig
Mit freundlichen Grüssen,
Hein Ruiter Kd.Nr.400052

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