Steuerfahnder: Anwalt Wolski fingierte Entlastungsmaterial
Landgericht Darmstadt – Angeklagter im Steuerhinterziehungs-Prozess stellt sich vor seine Frau
Im Prozess um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe gegen den Frankfurter Anwalt Michael Wolski hat am Dienstag ein Steuerfahnder aus Offenbach vor dem Landgericht Darmstadt das Belastungsmaterial gegen den 61 Jahre alten Angeklagten erläutert. Nach Aussage des Zeugen gibt es deutliche Hinweise, dass etliche Dokumente „fingiert“ seien, die Wolski dem Fiskus zu seiner Entlastung vorgelegt hatte.
Zuvor hatte Wolski selbst in einer von ihm verlesenen Erklärung jede Verstrickung seiner Frau – der Richterin am Hessischen Staatsgerichtshof Karin Wolski – in die Steueraffäre bestritten. „Ich habe sie immer im Glauben gelassen, es sei alles in Ordnung“, erklärte der Angeklagte, „dabei war nichts in Ordnung.“ Seine Frau müsse nun die Last seiner Fehler mittragen, dafür wolle er sich öffentlich entschuldigen.„Ich hatte nie vor, Steuern zu hinterziehen“ – mit diesen Worten begann Wolski seine Einlassung vor Gericht. Es stimme aber, dass er Steuererklärungen zu spät abgegeben habe. Dies erklärte der Einundsechzigjährige mit seiner Arbeitsüberlastung im Dienst eines Frankfurter Unternehmer-Ehepaars, deren Immobilien-Firmengruppe nach Wolskis Aussage Ende der neunziger Jahre vor dem Kollaps stand. Schulden von 650 Millionen Euro hätten sich angehäuft. Die zwei Söhne, die Tochter und der Schwiegersohn des über 80 Jahre alten Ehepaars seien zur Leitung der Unternehmensgruppe nicht fähig gewesen.Nach eigenen Angaben rettete Wolski „in einer an Dramatik nicht zu überbietenden Zeit“ durch extremen Arbeitseinsatz Geschäfte und Vermögen der Eheleute – und zahlte dafür mit seiner Gesundheit. Mehrere Herzkrankheiten wegen Überlastung habe er nur knapp überlebt. Die Eheleute, so Wolski, hätten sich für seinen Einsatz erkenntlich zeigen und ihm hohe Summen schenken wollen. Dies habe er aus rechtlichen Gründen abgelehnt; daraufhin sei man auf das Modell von abrufbaren Darlehen bis zu vier Millionen Euro verfallen, die er im Erfolgsfall – bei Vermeidung einer Insolvenz – nicht zurückzahlen sollte. Darüber existiere auch ein im Jahr 2001 geschlossener Vertrag.Tatsächlich wurde ein solcher Vertrag von der Steuerfahndung bei einer Durchsuchung im September 2005 in Wolskis Geschäftsräumen gefunden. Merkwürdig sei, so der Fahnder im Zeugenstand, dass bei einer ersten Durchsuchung im Juni 2004 wegen eines Untreue-Vorwurfs das Dokument nicht aufgetaucht sei.Die Fahnder fanden auch die elektronische Fassung des auf 2001 datierten Darlehensvertrags auf Wolskis Rechner. Das Dokument DarlVer.doc war allerdings, das zeigten interne Computerdaten, viel später verfasst worden: am 18. August 2004, also nach der ersten Durchsuchungsaktion. Als Autor wird im Rechnerprotokoll ein Codename genannt: „Fossi Bär“. Unter „Company“ steht: „Muppet Show“. Der Steuerfahnder folgerte, dass der Vertrag nachträglich verfasst worden sei, um die Zuwendungen an Wolski in Millionenhöhe als Darlehen erscheinen zu lassen, die erst später steuerpflichtig würden. Auch Listen mit Zahlungen an Wolski seien rückdatiert worden. Die Fahnder fanden zudem Hinweise auf 30 gemeinsame Reisen Wolskis mit der Frankfurter Unternehmer-Ehefrau nach Malta, Nizza, Salzburg und Basel; eine gebuchte Karibik-Kreuzfahrt in einer gemeinsamen Kabine sei in letzter Minute wegen Krankheit abgesagt worden.Vor Gericht wurden Briefe verlesen, die Hinweise auf eine Liebesbeziehung zwischen beiden Personen gaben. Weitere in den Prozessakten genannte Beweisstücke, „die unter schwerwiegendem Bruch der Intimsphäre“ des Angeklagten gewonnen wurden, werde das Gericht nicht verwenden, sagte Richter Rainer Buss.

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