Steinbrücker Teich läuft leer
Sanierung: Aus dem See am Oberwaldhaus wird das Wasser abgelassen – Entschlammung soll Anfang 2010 starten
Der Wasserspiegel des Steinbrücker Teichs sinkt. Um etwa zehn Zentimeter am Tag. Seit Freitag wird das Wasser abgelassen. Es sind die Vorarbeiten für die Entschlammung des Sees am Oberwaldhaus. Denn gerade einmal 50 Zentimeter ist er im südlichen Teil noch tief. Eine bis zu 90 Zentimeter dicke Schlammschicht über dem Seeboden lässt mehr nicht zu. Die Ablagerungen von Sand sowie Laub und anderen organischen Stoffen sind für das Gewässer zur Gefahr geworden. Der Sauerstoffanteil nimmt ab, der Teich droht umzukippen.
Um das zu vermeiden, soll der Schlamm abgebaggert werden. Zwischen 1,2 und 1,3 Millionen Euro wird die Entschlammung kosten, drei Mal so viel wie geplant. „Wir müssen das machen, sonst bekommen wir ein ökologisches Problem“, begründet die Pressesprecherin der Stadt, Sigrid Dreiseitel, die Maßnahme.Finanziert werden sollte das Projekt ursprünglich komplett über das Konjunkturprogramm des Landes. 425 000 Euro waren dafür vorgesehen, für weitere 375 000 Euro sollen unter anderem der Spielplatz ergänzt, Toiletten und Grillplatz saniert werden. Doch für die Entschlammung reicht die Finanzspritze aus dem Konjunkturprogramm nicht aus. Mehr als 800 000 Euro muss die Stadt zusätzlich aufbringen. Die Zusammensetzung der 16 500 Kubikmeter Schlamm ist der Grund für die höheren Ausgaben. „Überraschend“ seien organische Bestandteile in den Teichsedimenten festgestellt worden. Die Folge: Weil Landwirte und Forst den Schlamm wegen seiner Belastung nicht verwenden können, muss er aufwendig in Deponien bei Büttelborn und Offenbach entsorgt werden. Allein die Kosten dafür schätzt die Stadt auf 400 000 Euro. Um Geld zu sparen, soll minimal belasteter Schlamm auf dem Grillplatz ausgebracht werden, wenn das Regierungspräsidium dies genehmigt. Dadurch könnten 100 000 Euro für die Entsorgung eingespart werden. Ausbaggern und Entwässern des Schlammes kosten 755 000 Euro. Nach den Vorstellungen von Baudezernent Dieter Wenzel und Kämmerer Wolfgang Glenz (beide SPD) soll die Finanzierungslücke mit Geld aus dem Haushalt geschlossen werden. Weil in diesem Jahr weniger Wasser die Bäche hinunter geflossen ist, muss die Stadt statt 2,8 Millionen Euro wie geplant nur 2,1 Millionen Euro an Abwassergebühren zahlen. Die dadurch eingesparten 700 000 Euro sollen nun für die Entschlammung ausgegeben werden. Die fehlenden 100 000 bis 200 000 Euro stammen aus sogenannten Haushaltsresten, Geld, das nicht wie zunächst geplant für die Bachläufe ausgegeben worden ist. Die Verwaltung sieht die Investition trotz der Haushaltssituation als sinnvoll an. Der Teich sei ein wichtiger Bestandteil des Naherholungsgebiets Oberwaldhaus, erklärt Pressesprecherin Dreiseitel: „Der Teich muss deshalb in Ordnung sein. Er darf nicht umkippen.“ Wenn der Sauerstoffgehalt weiter sinkt, können Fische und andere Lebewesen nicht überleben. Experten befürchten zudem das Auftreten vogelgefährdender Krankheiten, die auch die Gesundheit der Besucher beeinträchtigen könnten. Damit sinkt die Qualität des Freizeitgeländes.Doch die Zeit drängt. Denn bis Ende dieses Jahres müssen Aufträge für die Hälfte der Gesamtsumme erteilt sein, ansonsten verfällt der Zuschuss aus dem Investitionsprogramm. Für Januar ist der Sanierungsbeginn geplant. Gleichwohl haben mit dem Ablassen des Wassers die Arbeiten bereits begonnen. Dazu öffneten Mitarbeiter des EAD am Freitag den Durchfluss zum Ruthsenbach um ein Stück. Bis zum kommenden Freitag (20.) soll nur noch in der tiefsten Stelle des Teichs das Wasser stehen. Wenn alles wie geplant verläuft, ist dies das Sammelbecken für die Fische. Am Freitag werden die Tiere eingefangen. Später werden die Fische wieder am Oberwaldhaus zurück – in ein dann saniertes und tieferes Gewässer.

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