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20. Januar 2010  | ine

Wohlfühl-Faktor in Pflegeheimen

Gesundheit: Nur eins von 13 Altenheimen in Darmstadt hat sich bislang auf Verbraucherfreundlichkeit testen lassen

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Kaffee-Zeit im Wohnpark Kranichstein: Die Einrichtung legt auf ein gemütliches Ambiente großen Wert. Sie hat sich den Service nun auch zertifizieren lassen. Foto: Claus Völker

Was braucht ein Mensch, um sich in einem Alten- und Pflegeheim wohl zu fühlen? Seit einem Jahr werden im Internet unter www.heimverzeichnis.de auf freiwilliger Basis Aussagen zur Lebensqualität erfasst. Das Verzeichnis, das vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wird, möchte bei der Auswahl eines Pflegeheims helfen. Das Angebot läuft allerdings äußerst stockend an: In Darmstadt hat sich bislang nur eine Einrichtung der Überprüfung gestellt.

121 Kriterien wurden auf Basis der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen zu den Themen Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde in den Fragenkatalog des Heimverzeichnisses aufgenommen. Die Fragen reichen von Wahlmöglichkeiten beim Essen über die Mitbestimmung bei der Gestaltung der Räume bis hin zu Angeboten zur Sterbebegleitung.

Wer über die Suchmaske geht, findet unter Darmstadt die Adressen und Telefonnummern von 13 Alten- und Pflegeheimen. Nur zwei davon - das Luise-Karte-Haus und der Wohnpark Kranichstein - haben auch Informationen zu Preisen, Pflegekonzepten und Ausstattung veröffentlicht. Nur eines, nämlich der Wohnpark Kranichstein, hat sich bislang der freiwilligen Bewertung gestellt und von der Bundesinteressenvertretung der Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderungen (Biva) das Qualitätsurteil ,,verbraucherfreundlich" bekommen.

In anderen Städten sieht die Bilanz nach einem Jahr nicht viel besser aus: In Mainz haben zwei Einrichtungen den Verbrauchertest gemacht, in Wiesbaden und Frankfurt sind es vier.

,,Das Heimverzeichnis läuft schleppend an, dabei gibt es genügend Prüfer", sagt Katrin Markus, Projektleiterin bei dem Selbsthilfeverband Biva, auf Anfrage des ECHO. 15 Ehrenamtliche hätten sich bislang als Gutachter für Südhessen ausbilden lassen. Bis September ist die Begutachtung für die Einrichtungen noch umsonst, danach kostet sie bis zu 450 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

,,Unser Besuch dauert in der Regel einen Tag", erläutert Katrin Markus. Die Gutachter führen Gespräche mit Heimleitung und Heimbeirat und verschaffen sich bei einem Rundgang einen Überblick über das Haus. ,,Im Unterschied zu den Prüfungen des Medizinischen Dienstes (MDK) interessiert uns nicht, ob Pflegevorgänge ordentlich dokumentiert wurden", erklärt Katrin Markus. Es gehe lediglich um Infos zur Verbraucherfreundlichkeit. Viele Heimleiter, so die Erfahrung der Projektleiterin, würden mit einer Beurteilung warten, bis sie die - unangemeldeten - Prüfungen des MDK hinter sich haben.

,,Wir wollen tatsächlich erstmal die Benotung des MDK abwarten", sagt beispielsweise Rolf Wollner, Einrichtungsleiter des Altenzentrum Rosenhöhe. Christa Kronauer vom Seniorenzentrum Heimathaus hat hingegen bislang noch nicht die Zeit gefunden, sich mit ihrem Qualitätsbeauftragten zusammen zu setzen und eine Zertifizierung vorzubereiten. ,,Wir haben es aber fest vor." Frank Huhn vom Luise-Karte-Haus will hingegen zuerst die Modernisierungsarbeiten abwarten. Zudem, so Huhn, frage das Heimverzeichnis nichts ab, was er für sein Haus nicht schon durch andere Zertifikate und DIN-Normen belegt habe.

,,Die Heime sind prüfmüde", sagt Maria Schmelter vom Darmstädter Amt für Versorgung und Soziales. ,,Sie stellen sich auf die Überprüfungen ein, die zwangsläufig kommen - nämlich Heimaufsicht und MDK und werden sich nicht auch noch freiwillig prüfen lassen." Dies sei verständlich, aber schade: ,,Beim Heimverzeichnis geht es ja gerade um die Kriterien, die die Lebensqualität betreffen." Für Menschen, die auf einer Suche nach einem Heimplatz sind, hätten sie eine große Aussagekraft. Schmelter: ,,Ich hoffe, dass sich die Einrichtungen noch auf den Weg machen."

Weitere Informationen zum Heimverzeichnis gibt es im Internet unter www.heimverzeichnis.de.

Mehr dazu sowie einen Kommentar zum Thema gibt es in der Mittwochausgabe (20.01.2010) des ,,Darmstädter Echo".

 


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