Von einem Spiel zum nächsten
Darmstadt spielt: Hundert Neuheiten in der Otto-Berndt-Halle – „Aktion Kinderspielexperten“ erhält neuen Namen
Bei Cathleen Reichelt ist gerade eine Seuche ausgebrochen. Drei Spielklötzchen haben sich bei ihr auf engstem Raum angesammelt, das bedeutet nichts Gutes. Nun muss sie ein Gegenmittel entwickeln. Der Spielverlauf wird zeigen, ob ihr das gelingt. „Pandemie“ heißt das Brettspiel, das sie und Partner Stefan Molitor sich ausgesucht haben. Es stand auf der Nominierungsliste zum Spiel des Jahres 2009 und war am Wochenende eine von gut hundert Neuheiten bei „Darmstadt spielt“ in der Otto-Berndt-Halle. Zum 15. Mal luden der Spielekreis Darmstadt und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Darmstadt zum nach eigenen Angaben größten Spielefest Hessens. „Pandemie“-Spieler Stefan Molitor erzählt, dass er sich bereits im Vorfeld über aktuelle Spiele informiert habe und nun ein paar neue testen wolle. „,Pandemie‘ habe ich mir sicherlich auch wegen der aktuellen Situation ausgesucht“, sagt er, um dann hinzuzufügen: „Aber das Spiel gab es schon vor der Schweinegrippe.“
Gerade ein Spiel beendet haben Julia Remmers und ihre drei Kumpels. „Ich habe einfach die tollsten Sachen auf dem Schrottplatz gefunden“, erläutert Julia Remmers ihren Sieg bei „Robotics“. Hier müssen Roboter bestmöglich mit Teilen versorgt werden. Nun macht sich das Quartett auf zum nächsten Spiel. „Das Problem ist nicht, einen freien Platz zu finden, sondern ein freies Spiel“, sagt Michael Fichtner, der mit seinen Freunden zwischen den Tischen hindurch schlendert und auf einen guten Fang hofft. „Es soll ein Fantasy-Spiel sein und Spaß machen“, skizziert er die Ansprüche, doch noch ist nichts Passendes in Sicht. Überall um sie herum versinken Jung und Alt über den oftmals kunstvoll gestalteten Spielbrettern, doch die vier Freunde wollen nicht fündig werden. „Ich hab was“, sagt endlich einer von ihnen, „ein lustiges Fantasyspiel“. Volltreffer also.
„Das Spielefest soll dazu beitragen, das Spielen als Kulturgut zu fördern“, sagt Michael Blumöhr, Vorsitzender vom Spielekreis Darmstadt. Wichtig sei zudem, den Besuchern die Spiele auch zu erklären. Das geschieht einerseits durch Verlagsvertreter, andererseits durch die vom Spielekreis bereitgestellten „Erklärbären“, die etwas abseits des Trubels in die Regeln einführen. Thomas Katzner ist einer der „Erklärbären“. Eine Jungs-Clique führt er gerade in „Dominion“ ein, Spiel des Jahres 2009. In rasantem Tempo spricht er von Strategien, Aktionen und Punkten, denn seine vier Zuhörer sind geübte Spieler.
„Natürlich muss man so ein Spiel kennen, wenn man die Regeln vermitteln möchte“, sagt „Erklärbär“ Jochen Roths. Gut dreißig Mal habe er „Dominion“ bereits gespielt, bevorzugt donnerstags bei den Treffen des Spielekreis Darmstadt im Gemeindezentrum St. Elisabeth. Allerdings sei „Dominion“ nicht so sein Fall, da es in gut einer Stunde zu spielen sei. Jochen Roths mag lieber Spiele, die auch mal sechs Stunden dauern können.
Im Vorfeld des Spielefests hatte der BDKJ am Freitag in der pädagogischen Akademie Elisabethenstift die Preise an die Sieger der „Aktion Kinderspielexperten“ verliehen. 2100 Kinder aus neun Bundesländern hatten in den vergangenen Monaten ihre Lieblingsspiele des Jahres ermittelt. Sieger in der Kategorie fünf bis neun Jahre ist Stefan Dorras Spiel „Land in Sicht“, „Das magische Labyrinth“ von Dirk Baumann fanden Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren besonders gut.
Ab dem nächstem Jahr erhält die Aktion einen neuen Namen, wie BDKJ-Dekanatsjugendreferent Michael Lindner sagte. „Kinderspiele-Test“ nenne sich der bundesweite Wettbewerb künftig, „von Kindern empfohlen“ der Zusatz auf dem dazugehörigen Logo, das ausgezeichnete Hersteller auf ihre Spielen drucken dürften. Die 2010 in Frage kommenden Spiele würden im Februar auf der Nürnberger Spielemesse ermittelt.
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