Krise, Konjunktur und Studiengebühren
Lichtenbergschule: Unternehmer debattieren mit Schülern über Bildung und Markt
500 Euro Studiengebühren pro Semester? Für den aus Indien stammenden Kshitij Gupta wäre das ein Geschenk angesichts der Gegenleistungen: gute Ausbildung, Möglichkeit zum sozialen Aufstieg. Doch mit seinem Ja zu Studiengebühren stieß der Geschäftsführer der Werbeagentur ,,Sitewards" bei der von Schülern der 13. Jahrgangsstufe der Lichtenbergschule am Mittwochabend veranstalteten ,,Luo-Lounge" zum Thema ,,Chancen und Risiken im internationalen Wettbewerb" auf wenig Gegenliebe.Doch auch seine Mitstreiter auf dem Podium - Frank Lerch von Evonik Röhm, Rainer Fischer vom Metallbauunternehmen Suckow & Fischer sowie Wilfried Tralle als Vertreter der globalisierungskritischen Organisation Attac - wollten Guptas Auffassung nicht folgen. Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands sei so stark von guter Bildung abhängig, dass es für ein reiches Land selbstverständlich sein sollte, ein kostenloses Studium anzubieten. Angesichts der Summen, die zur Eindämmung der Finanzkrise zur Verfügung gestellt worden seien, sei die Diskussion um Studiengebühren nur ein ,,Nebenkriegsschauplatz", betonte Frank Lerch.Wie sie von der Krise betroffen seien, wollte eine Schülerin von den Unternehmensvertretern wissen. Die darauf folgenden Antworten vermittelten den rund 50 Schülern ein durchaus differenziertes Bild: Während das Großunternehmen Evonik 2008 massive Umsatzeinbußen zu verzeichnen hatte, rechnet der mittelständische Metallbauer damit, dass er die Folgen der Krise erst in diesem Jahr zu spüren bekommt. Dagegen verzeichnet das kleine Unternehmen von Kshitij Gupta derzeit Umsatzrekorde. In der positiven Bewertung der Globalisierung waren sich die drei Unternehmensvertreter dennoch einig. ,,Wir müssen in China oder Indien präsent sein, um an den wachsenden Märkten partizipieren zu können", bekräftige Frank Lerch.Gerade die in China immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich veranlasste Wilfried Tralle zum Hinweis, dass Wachstum nicht automatisch mehr Wohlstand bedeute. Andererseits habe gerade das Beispiel des sehr zentralistisch gesteuerten China gezeigt, dass wirtschaftlicher Aufstieg mit einer starken Kontrolle der Finanzmärkte einhergehen müsse. Global gesehen seien die ,,aufgeblasenen Finanzmärkte" noch immer eine Gefahr für die gesamte Wirtschaft und den Wohlstand der Industrieländer. Tralle forderte daher die Einführung einer Finanztransaktionssteuer sowie die Austrocknung von Steueroasen. ,,Die wirtschaftliche Situation bleibt brisant", so lautete Tralles Einschätzung - und darin war sich der Globalisierungskritiker mit seinen Podiumskollegen einig: Gerade die extreme Staatsverschuldung in den USA und Europa gefährde den Wohlstand künftiger Generationen - und es sei zweifelhaft, ob die Politik die richtigen Antworten auf diese Herausforderung finden werde.
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