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Freude am Konstruieren
Architektur: Eine neue Monographie stellt Projekte und Bauten von Burkhard Pahl und Monika Weber-Pahl vor
Fachbücher bereiten in der Regel kein Vergnügen. Ihr Zweck ist Lehre, nicht Unterhaltung. Architekturbücher weichen von dieser Regel ab: Sie unterhalten durch Opulenz, beeindrucken durch weißen Raum und hinterlassen Fragen. Im Fall von Monographien ist der Zweck die Leistungsbilanz, der Katalog der Bauten darf (potenzielle) Bauherren werben und lässt sich an Geschäftspartner verschenken.Bei ,,Structure in mind" ist alles anderes. An diesem Buch ist nur eines unnütz, der Titel. Fünfzehn Buchstaben, auf die man hätte verzichten können, das ist ein günstiges Verhältnis. Hinsichtlich der Opulenz gibt es - wie sollte es beim Jovisverlag auch anders sein? - nichts zu klagen. Der Inhalt ist überraschend, erheiternd, bereichernd.
Das Buch
„Structure in Mind. Die Architektur von Burkhard Pahl und Monika Weber-Pahl“, Jovis-Verlag, 240 Seiten, 45 Euro.
Das Prinzip Pahl /Weber-Pahl ist das Prinzip der Vernunft (Behnisch pur), und eine weitere Überraschung ist, dass man Freude daran haben kann. Diese Erkenntnis, hätte sie sich bereits durchgesetzt, nicht nur den Titel solcher Bücher, sondern diese selbst überflüssig machen. So aber muss erklärt werden, warum Ingenieursarbeit und Architektenkunst einander nicht entgegenstehen, ja die eine nur durch die andere entstehen kann.Was zählt, ist Qualität. Womit wir beim Vergnügen und bei der Lehre sind, denn die hier vorgestellten Projekte und Bauten des Büros Pahl /Weber-Pahl sind von herausragender Qualität. Ich will nur drei nennen: die phänomenale Skisprungschanze in Willingen, den U-Bahnhof am Bochumer Rathaus und die Stadtbahnhalle im Kasseler Hauptbahnhof. Zur Eleganz tritt die Überzeugung, dass die konstruktiven Lösungen gar nicht anders hätten ausfallen können.Darmstadt verdankt Burkhard Pahl und Monika Weber-Pahl zwei Röhren, eine halbe und eine ganze. Die halbe ist das Glasdach über dem Haltepunkt Lichtwiese der Odenwaldbahn, die ganze eine, die vielleicht nie gebaut werden wird - der Tunnel der Nordostumgehung an der Rosenhöhe. Es waren die beiden Architekten, die den Gordischen Knoten durchschlagen haben.Käufer von elektronischer Unterhaltung erwarten, dass sie ein ,,Bonustrack" erhalten. Das gibt es bei diesem Buch auch. Das Bonustrack ist ein Brief, den Max Bächer den Pahl /Weber-Pahls geschrieben hat. Der Brief soll die Architekten an ihre Hochschulzeit erinnern. Naturgemäß erinnert Bächer auch an sich. Und Bächer wäre nicht Bächer, wenn er nicht in geistvollen Nebensätzen mal eben alle grotesken Auswüchse des gegenwärtigen Architekturgeschehens geißelte - höchstes Vergnügen! Und lehrreich, wie gesagt.
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