Drei Frauen - drei Schicksale. Was sie eint, ist ihr Wunsch, nach mehreren Jahren, in denen sie sich fast ausschließlich ihren Familien gewidmet haben, wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Deshalb nehmen sie nun am Projekt ,,Netzwerk Wiedereinstieg" beim Frauenkompetenzzentrum Sefo femkom teil.
Ruth Stoll, Mutter von zwei Kindern, war Rechtsanwalts- und Notariats-Fachangestellte und will jetzt wieder durchstarten. Auch, aber nicht unbedingt in ihrem alten Beruf. Sie kann sich gut vorstellen, in einem Sekretariat, im Archiv, der Registratur oder am Empfang ihr Geld zu verdienen.
Kontakte
Voraussetzung für Berufsrückkehrerinnen, die sich fürs Projekt ,,Netzwerk Wiedereinstieg" anmelden wollen, ist die Teilnahme an einem Orientierungskurs - der nächste bei Sefo beginnt im Oktober - oder eine abgeschlossene Weiterbildung sowie genaue Vorstellungen vom künftigen Berufsfeld. Informationen geben Rita Bender und Ulla Kurz, Telefonnummer 06151/41230. Näheres im Internet unter www.new-hessen.de
Gudula Mersch, vier Kinder, Architektin, besucht Vorträge bei der TU, um den Überblick über Bautrends zu behalten. Architektur wird immer ihr Thema bleiben. Aber durch ihre Erfahrungen als Mutter und ihr ehrenamtliches Engagement in Schule und Kirchengemeinde sind neue Aspekte dazugekommen. Gern möchte sie nachhaltiges Bauen mit gesellschaftlichen Themen kombinieren. Sie sucht einen Praktikumsplatz, um herauszufinden, welche Art von beruflicher Fortbildung sie noch braucht.
Doris Kuntz, geborene Schaffner, drei Kinder, Sozialversicherungsfachfrau, erledigt halbtags Büroarbeiten im Tischlereibetrieb ihres Mannes. Sie wünscht sich neue Herausforderungen und ahnt, dass sie in einem neuen Umfeld ,,förmlich vor Energie sprühen" wird. Zurück zum früheren Arbeitsfeld Krankenkasse zieht es sie nicht. Weil sie sich mit alternativer Medizin beschäftigt und sie auch schon erfolgreich in ihrer Familie angewandt hat, wäre ihr eine Beschäftigung in einem ganzheitlichen Gesundheitszentrum am liebsten.
Rita Bender vom Frauenkompetenzzentrum Sefo ist die Lotsin und Navigatorin solcher Frauen. ,,Sie brauchen nur eine kleine Unterstützung und Begleitung, um den Weg in die Erwerbsarbeit zu finden", sagt sie. Das neue Projekt ,,Netzwerk Wiedereinstieg", finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Landes Hessen, der Stadt Darmstadt und des Landkreises, ermöglicht es 200 Frauen innerhalb von zwei Jahren, sich von Sefo gezielt coachen zu lassen. Die Frauen sollen passgenau die Fähigkeiten vorweisen können, die die Arbeitgeber suchen. Sieben Träger haben sich zu dem modellhaften Verbund zusammengeschlossen und nehmen hessenweit 450 Frauen ins Programm auf. Die drei wichtigsten Fragestellungen lauten: Was kann ich, was will ich, was braucht der Arbeitsmarkt?
,,Wir sind super motiviert", versichert Ruth Stoll. Im Sefo-Orientierungskurs haben die drei Frauen ihre Selbstsicherheit wiedergefunden. Durch viele Gespräche wurde ihnen bewusst, wieviele Kompetenzen sie sich während ihrer Familienphase angeeignet haben. Denn Familienzeit ist auch eine Form der Weiterbildung. Sie knüpften Netzwerke in Kindergarten und Schule, sie können koordinieren und organisieren, sind flexibel und erfassen mit einem Panoramablick, welche Aufgaben, nach Priorität geordnet, gelöst werden müssen.
Der Orientierungskurs half ihnen, sich selbst und ihre Fähigkeiten besser einzuschätzen. Sie sollten sich auch Gedanken darüber machen, ob ihr Erstberuf tatsächlich noch ihren Vorstellungen entspricht oder ob sie neue Interessen entwickelt haben. Nicht nur ihre Stärken wurden herausgearbeitet, auch fehlende, für den Arbeitsmarkt wichtige Kenntnisse. Diese Wissenslücken sollen durch selbstgesteuertes Lernen (e-learning) gefüllt werden.
Das Coaching ist beendet, sobald die Frauen bei ihrer Arbeitssuche Erfolg haben. Wenn sie alleine nicht weiterkommen, hakt Rita Bender bei Arbeitgebern nach oder recherchiert, bei welchen Firmen sie sich noch bewerben könnten. ,,Man wird nicht alleingelassen und ernst genommen", lobt Ruth Stoll das Engagement der Sefo-Mitarbeiterin.
Der Erfolg dieser intensiven Betreuung scheint nicht auf sich warten zu lassen: ,,Von 80 Frauen sind 40 Prozent vermittelt", sagt Rita Bender. Dieses gute Ergebnis führt sie darauf zurück, dass die Betonung beim Coachen eben auf den Kompetenzen der Frauen liegt - und nicht auf dem, was sie - noch - nicht können.
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.