WIEBELSBACH.
Diskussion um die kleinste Schule
Betreuung: Das Angebot von Kindergarten und Schule in Wiebelsbach ist umstritten - Derzeit werden 41 Kinder unterrichtet
Das kleine Groß-Umstädter Sackgassendorf Wiebelsbach mit großem Bahnhof, hat mit der neuen Odenwaldbahn einen guten Anschluss an die große weite Welt erhalten. Für junge Familien könnte dies ein interessanter Wohnort sein, sagt Ortsvorsteher Georg Theiß, denn er vereine ländliche Umgebung und Nähe zur Metropole Frankfurt. Das wirft Fragen zur Zukunft von Kindergarten, Grundschule sowie der Ausweitung und Verknüpfung von Betreuungsangeboten auf. In einer turbulenten Sitzung beschäftigte sich jetzt der Groß-Umstädter Sozialausschuss mit diesen Themen.Der Kindergarten, in städtischem Gebäude und unter Trägerschaft der evangelischen Kirche, hat sein Angebot bereits ausgedehnt - von 12.15 auf 13.30 Uhr, mit einer improvisierten Mittagsverpflegung. Mehr sei nicht drin in den Räumen des alten Rathauses, versichert Erzieherin Silke Bauer. Ohne die derzeit vermieteten Wohnungen in der anderen Hälfte des Doppelhauses gebe es keinen Platz für eine zweite Gruppe, eine Ausweitung des Angebots für die Betreuung Unterdreijähriger oder eine betreuende Grundschule. Eine Elterninitiative betreut derzeit acht Schulkinder vor und nach dem Unterricht in einer angemieteten Wohnung.Die räumliche Nähe von Kindergarten und Schule dränge es förmlich auf, die Angebote zu verknüpfen, meint nicht nur Ingke von Kiesling, Leiterin der kleinsten Grundschule im Landkreis. Ohnehin stehe eine Sanierung des Kindergartenbaus an. Außerdem sei ,,die stärkere Koppelung von Betreuungs- und Bildungsangeboten für Kinder von null bis zehn Jahren vom Kultusministerium ausdrücklich gewünscht", sagt die Pädagogin.Doch in Wiebelsbach mit 1160 Einwohnern und in der Groß-Umstädter Kommunalpolitik sorgt man sich um den Schulstandort. Derzeit werden 41 Kinder in zwei jahrgangsübergreifenden Gruppen unterrichtet. Mit acht neuen Abc-Schützen war das aktuelle Jahr flau. ,,Eine Ausnahme", versichert die Schulleiterin, ,,2010 sieht's wieder besser aus." Eine Koppelung mit dem Kindergarten könne den Schulstandort stärken.Groß-Umstadt hatte für eine Sanierung des denkmalgeschützten Kindergartengebäudes Mittel aus den Konjunkturprogrammen angemeldet, allerdings nur für den Fall, dass andere Projekte durchfallen. Für Wiebelsbach gibt es nun keine Mittel, und die Kosten für eine Sanierung werden sogar auf 800 000 Euro geschätzt. Dabei redet nicht nur der Denkmal-, sondern auch der Naturschutz mit, denn unterm Dach des alten Rathauses haust eine ganze Kolonie seltener Fledermäuse.Der Neubau eines Kindergartens an der Mehrzweckhalle käme wohl günstiger. Die Halle ist aber weit weg von der Schule, zu weit für kleine Füße. Andererseits hat Groß-Umstadt weder Geld für die Sanierung noch für den Neubau.Inzwischen hat Kreisschuldezernent Christel Fleischmann eine Bestandsgarantie für alle Grundschulstandorte im Landkreis gegeben. Außerdem führt Groß-Umstadts Bürgermeister Joachim Ruppert mit Fleischmanns Dezernat Gespräche über eine finanzielle Beteiligung des Kreises am Ausbau des Kindergartens für die Nutzung durch die betreuende Grundschule. Die Ergebnisse werden Einfluss auf die Entscheidung der Groß-Umstädter Kommunalpolitiker haben. Einige Wiebelsbacher schauen mit Neid nach Semd, wo mit einem Kindergarten-Neubau auf dem Schulgelände Bildungs- und Betreuungsangebote bereits verbunden sind. Dort sind Mehrkosten von mehr als 800 000 Euro entstanden, ,,was für Sanierung und Ausbau unseres Kindergartens dicke gereicht hätte", wie Klaus Scheuermann vom Wiebelsbacher Ortsbeirat verärgert zu Bedenken gibt.
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