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08. November 2009  | ciri

Zwanzig Fälle von Cholera

Heimatgeschichte: Ludwig Knapp stellt den dritten Band des Fürther Familienbuchs vor – Altdeutsche Sprache entziffert

Fürth. 
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Den drittenBand des Fürther Familienbuchs stellte Ludwig Knapp vor. Foto: evi church
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Ludwig Knapp, Hauptstraße 7, 64658 Fürth, Telefon: 06253 3965, E-Mail: lkfuerth@online.de.

Als Lokalität für die Vorstellung seines dritten Fürther Familienbuches wählte der Heimatforscher Ludwig Knapp die Bücherscheune. „Wir sind überrascht, dass so viele Menschen Interesse an diesem Werk bekunden und unserer Einladung gefolgt sind.” Verkehrsamtsleiter Volker Bitsch freute sich über die voll besetzte Empore der Bibliothek, in der die Besucher mit einem Glas Sekt begrüßt wurden. Der Arbeitskreis Heimatgeschichte des Kur- und Verkehrsvereins zeigt sich für die Herausgabe des Bandes verantwortlich und finanzierte den Druck des 711 Seiten starken Werkes.

„Familienbücher fangen in der ältesten Vergangenheit an”, begann der hauptberufliche Lehrer Knapp seine Präsentation und verwies damit auf die Bänder eins und zwei, die 1991 und 2000 erschienen sind und die Zeit von 1663 bis 1781 abdecken. „Für viele Fürther wird die dritte Ausgabe die Interessanteste von allen sein”, stellte er fest. Denn dieses Buch listet insgesamt 3242 Familien und Einzelpersonen aus der Zeit von 1781 bis 1900 auf – eine Zeit, die für Privatpersonen auf der Suche nach ihren Ahnen ziemlich nah ist. „Jeder sucht seine Vorfahren schließlich von heute an rückwärts”, flüsterte ein junger Mann während des Vortrags seinem Sitznachbarn zu.

Gleich nach dem Erscheinen des zweiten Familienbuches im Jahr 2000 begann Knapp erneut mit der Auflistung der Daten aus den Kirchenbüchern der katholischen und evangelischen Kirche Fürth. Das Kirchspiel Fürth umfasst in der für das neue Buch anberaumten Zeit etwa den Bereich der heutigen Großgemeinde sowie Kolmbach und die Gegend um Hammelbach. Knapp lobte die gute Führung der alten Schriften. „Wenn ich mir dagegen die aus Lindenfels oder Wald-Michelbach anschaue – na ja, da fehlt einiges”, sagte der Heimatforscher schmunzelnd. Erst nach fünf Jahren schloss er diese erste Arbeit ab. „Im November 2005 konnte ich mich dann endlich an die Auswertung von Nebenquellen machen”, erläutert Knapp, dem für seine Nachforschungen auch das Gemeindearchiv zur Verfügung stand. Weitere vier Jahre brauchte er, um mit der Vergabe der Personennummern und der Vernetzung dieser Zahlen seine Arbeit zu beenden. „Ich danke meiner Frau Elisabeth, die mich viel Zeit am Computer sitzen sah”, sagte er. Durchschnittlich verbrachte er etwa zwei Stunden täglich vor dem Bildschirm.

Auch Informationen von Genealogen wie Eugen Weber aus Mörlenbach und dem Amerikaner Mark Morgan liegen dem dritten Fürther Familienbuch zugrunde. Beide arbeiten schon seit Jahren mit Ludwig Knapp zusammen. „Für Nachforschungen über die Gemeindegrenzen hinaus ist eine solche Zusammenarbeit wichtig“, betonte Knapp und dankte allen anwesenden Helfern. Anschaulich verdeutlichte der Autor anhand einer Computerpräsentation seine Vorgehensweise. Lateinische Texte und die altdeutsche Sprache in unterschiedlichen Handschriften mussten entziffert, chronologisch geordnet und in den Computer eingetippt werden. Dabei stieß Knapp nicht selten auf Ungereimtheiten: „Wenn wir uns einmal die Personennummer 4854 anschauen, stellen wir fest, dass die Ehefrau von Johann Schütz aus Kröckelbach im November 1800 geboren wurde und im August 1836 verstarb.” Als erreichtes Lebensalter wurden jedoch 37 Jahre angegeben. „Auf solche Diskrepanzen trifft man im Laufe der Nachforschungen immer wieder”, erklärte Knapp. Anschaulich machte er klar, dass ein Familienbuch nicht nur Zahlen über Geburten, Hochzeiten und Todesfälle beinhaltet.

Er erzählte von Wilderern, die im Wald erschossen wurden, von einem Mädchen aus Mörlenbach, dass mit zwölf Jahren als Magd auf einem Lörzenbacher Hof verstarb, sowie von diversen Unfalltoten, die für die heutige Zeit einfach unvorstellbar sind. „So zerquetschten einem Mann herunterfallende Steine den Unterleib”, erzählte Knapp eine weitere Geschichte aus seinem Familienbuch.

20 Cholera-Fälle mit Todesfolge führte er auf. Der Fürther Bauer Nikolaus II. Marsch erreichte das für damalige Zeiten seltene Alter von einhundert Jahren. Ein Schurke mit dem Spitznamen „der Bitterbös” starb im Rausch und wurde nicht kirchlich begraben, während Philipp Meckel 1900 Milchhändler in New York war.

„Heimatgeschichte ist wichtig”, erklärte Bürgermeister Volker Oehlenschläger, nachdem Ludwig Knapp ihm einen Band für die Gemeinde überreicht hatte. Anstatt eigener Worte verlas der Bürgermeister eine E-Mail, die er von Walter Lager erhalten hatte: „Wer ein Familienbuch mit so vielen Geschichten anzureichern weiß, der beweist Herzblut”, lobte dieser in dem Brief. Weiter schrieb er: „Die Gemeinde darf stolz auf Ludwig Knapp sein. Ich habe das Gefühl, dass dieser Knapp bescheiden ist, weil er sich selbst in keinem Buch großartig erwähnt.”

Interessierte halten mit dem dritten Familienbuch zum Preis von 25 Euro erstmalig einen festen Einband in der Hand. „Wer für seine Familie eine Ahnentafel oder -liste aufstellen möchte, ist mit diesem Buch gut bedient”, sagte der 64 Jahre alte Buchautor und Lehrer, der in der Vergangenheit nicht nur die wie ein Telefonbuch anmutenden Bände geschrieben hat.

„Ziegeleien und Ziegler in Fürth”, „Das Bezirksgefängnis Fürth”, „Auswanderer nach Amerika im 19. Jahrhundert aus Fürth und seinen Ortsteilen”, „Das Haus Butsch” sowie „Heimat in alten Fotografien” sind neben den drei Familienbüchern Werke aus der Feder des Hobbyschriftstellers.

„Es ist ein Unterschied, ein Buch mit ganzen Sätzen zu formulieren”, lobte Heidi Adam von der Arbeitsgemeinschaft der

Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße auch diese Arbeit Knapps. Sie beschrieb den hauptberuflichen Lehrer als einen Menschen, der akkurat arbeitet und ist froh, dass „sie den Ludwig hat”. Denn in Fürth und Umgebung gäbe es noch viel zu entdecken.


 


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