E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 
 
29. August 2010  | 

Braucht Deutschland längere Atomlaufzeiten?

| Vergrößern | Das Atomkraftwerk in Biblis. Archivfoto: dpa


| Vergrößern |
Das Atomkraftwerk in Biblis. Archivfoto: dpa

 

(jlu/dpa). Es ist eine der größten Streitfragen in der schwarz-gelben Koalition: Wie lange sollen Deutschlands Kernkraftwerke noch am Netz bleiben? Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Guido Westerwelle haben nun nach der Vorlage eines Experten-Gutachtens bekannt gegeben: 10 bis 15 Jahre sollen die deutschen Atomkraftwerke länger am Netz bleiben.

Bis mindestens ins Jahr 2035 würde demnach die „Atom-Brücke“ reichen. Das zentrale Argument: Nur so sei beim Übergang ins Ökostrom-Zeitalter die Versorgungssicherheit gewährleistet. Die Opposition schäumt, weil das für das Atom-Votum entscheidende Gutachten tendenziös sei. Und da der Bundesrat umgangen werden soll, dürfte letztlich das Bundesverfassungsgericht über die Zukunft der Atomkraft in Deutschland das letzte Wort haben.

Für Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) steht fest: Bei Szenarien von 12 oder 20 Jahren längeren Laufzeiten gebe es den "größten wirtschaftlichen und klimapolitischen Nutzen.“ Durch die schwarz-gelbe Koalition geht ein tiefer Riss zwischen Wirtschafts- und Umweltpolitikern. Besonders die Union ist gespalten zwischen grün angehauchten Politikern und Atombefürwortern vor allem aus dem Süden, wo die Mehrzahl der Kernkraftwerke steht. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hält als Jurist bei einer Umgehung des Bundesrats nur knapp zehn Jahre für vertretbar. Schwarz-Gelb hat in der Länderkammer keine Mehrheit mehr - und mehrere Bundesländer haben Verfassungsklagen bei einer Entscheidung über längere Laufzeiten ohne ihre Einbindung angekündigt. Das Kabinett will am 28. September das Laufzeitplus absegnen.

Neben der juristischen Frage bleiben weitere Punkte strittig. Ist das Gutachten eine legitime Grundlage? So klar wie von Brüderle lässt es sich nach Meinung anderer Koalitionäre nicht auslegen. „Der von manchen erwartete klimapolitische und ökonomische Vorteil lässt sich daraus nicht ableiten, wenn man die breit gestreute Wertschöpfung von erneuerbaren Energien im ganzen Land berücksichtigt“, sagt der Obmann der Unions-Fraktion im Umweltausschuss, Josef Göppel (CSU).

Zudem wird die Unabhängigkeit des am Gutachten beteiligten Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln angezweifelt, da es acht Millionen Euro von RWE und Eon an Fördergeldern bekommt. Und Kritiker wie Greenpeace sehen eine bewusste Benachteiligung der Öko-Energien. Selbst Koalitionäre sprechen von fragwürdigen Methoden.

Auch das im Gutachten angeführte Preisargument ist eine Frage der Interpretation. Viele Stadtwerke sehen die Verlängerung sei Gift für den Wettbewerb. Sie führe dazu, dass die Monopolstellung der großen Vier - RWE, Eon, EnBW und Vattenfall - zementiert werde.

Aber: In dem Gutachten werden bei längeren Laufzeiten auch bis zu 70 000 neue Jobs und CO2-Einsparungen - je nach Szenario - von über 15 Prozent prognostiziert. Es überrascht jedoch, dass die Jobs unter anderem durch Nachrüstungen der Atomkraftwerke erzielt werden sollen. Wenn mehrere Atommeiler zum Schutz vor Flugzeugabstürzen eine neue Hülle bekommen müssen, würde die Bauindustrie gut beschäftigen. In der Nachrüstung liegt aber ein interessantes Vehikel, um für viele Koalitionäre einen tragbaren Kompromiss zu erreichen. Röttgen will laut „Spiegel“ vorschreiben, dass alle Kernkraftwerke gegen Flugzeugabstürze und Terrorangriffe geschützt werden. Bei älteren Meilern wie Isar I und Biblis könnten sich solche Milliardeninvestitionen nicht lohnen, deshalb würde sich die Meilerzahl von derzeit 17 deutlich reduzieren. Dass dann keine Stromlücke drohen dürfte, zeigt der Status Quo. Seit Jahren stehen mehrere Meiler still oder laufen stark gedrosselt. Dennoch gab es in den ersten Monaten 2010 einen satten Stromüberschuss.

 

Ergebnis:
 
Nein, regenerative Energien sind die bessere Variante = 91,30 %
 
Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ist eine Übergangsfrist notwendig = 4,71 %
 
Ja, denn Atomstrom ist eine gute Sache = 3,99 %
Teilnehmer = 6899
 

 
 
KOMMENTARE
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig registrieren. Bitte beachten Sie unsere Netiquette, die verbindlichen Diskussionsregeln auf ,,Echo Online".

(noch Zeichen)
 
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken.
 
| Absenden |
 
 
| Passwort vergessen |
 
FOTOARTIKELSHOP

Abzüge aus Fotogalerien

JETZT NEU: Bilder aus den Fotogalerien als Papierabzüge oder auf Geschenkartikeln bestellen.
Mehr |
Wetter: Heute | Morgen |
 
Morgens Mittags Abends
 
 
Darmstadt aktuell:
heiter, -4°C | Mehr Wetter |
... ... ...
 
ANZEIGE

Echo-AboCard
 
Aktionen und Verlosungen Erleben Sie die Vorteile der Echo-AboCard - exklusiv für Echo-Abonnenten! | Mehr |
 
 
Veranstaltungskalender
 

Veranstaltungen in Südhessen zu Kultur und Kunst, Märkten und Börsen, Party und Disko.

Mehr |
 
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE