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12. Januar 2011  | Von Marius Blume

Fussball: Eckhard Krautzun wird 70

Fußball: Eckhard Krautzun reizen noch immer Aufgaben in der ganzen Welt - Dreimal beim SV 98 in der Verantwortung

| Vergrößern | Eckhard Krautzun Foto: Karl-Heinz Köppner


Eckhard Krautzun, ehemaliger Bundesliga-Trainer und Betreuer mehrerer Nationalmannschaften, wird am Donnerstag (13.) 70 Jahre alt. Nicht, dass er sich deswegen zur Ruhe setzt. Seinen Geburtstag verbringt er ganz privat in Dubai. Aber er wird ihn groß nachfeiern: Anfang Juni in Heppenheim, wo er die zweite Hälfte seines bisherigen Lebens verbracht hat - wenn er denn zu Hause war.

„Es war mir immer klar, dass ich auch im Ausland arbeiten wollte. Nicht nur aus sportlichen Erwägungen, sondern aus Abenteuerlust, weil mich fremde Kulturen reizen und bereichern“, sagt Krautzun. Oft war er fußballerischer Entwicklungshelfer, etwa auf den Philippinen. Dort blieben ihm 1991 nur „drei Monate, um die Nationalmannschaft auf die Südostasienspiele im eigenen Land vorzubereiten, essenzielle Grundlagen zu vermitteln. Und dann erreichten wir das Halbfinale.“

Sein größter Erfolg war 1996 der Gewinn des DFB-Pokals mit dem 1. FC Kaiserslautern . Da war der Verein allerdings bereits abgestiegen. Trotzdem: „Zwei Tage vor dem Pokalfinale war mein Vertrag verlängert worden.“ Die Vereinsführung stand hinter ihm. Dann wurde sie noch in der Saisonvorbereitung ausgewechselt und der neue Aufsichtsrat verpflichtete Otto Rehhagel. Der wurde zwei Jahre später Deutscher Meister mit dem FCK und Eckhard Krautzun Afrikapokalsieger mit dem tunesischen Klub CS Sfaxien. Rund 30 Jahre zuvor war er als Profi für die Lauterer in der Bundesliga aufgelaufen. Doch Probleme mit dem Knie und der Achillessehne bereiteten Krautzuns Spielerkarriere ein jähes Ende.

Gleich dreimal war er beim SV Darmstadt 98 tätig. Krautzun sieht im momentanen Aufschwung Chance und Risiko. „Wenn jetzt der Mut da ist, noch ein bis zwei gute Spieler zu holen, kann es nach oben gehen. Aber das darf nicht zum Himmelfahrtskommando werden.“ Fanpotenzial sei vorhanden. „5000 bis 8000 Zuschauer“ kann er sich in der Dritten Liga vorstellen - „aber dann braucht es ein neues Stadion“.

Ob nun Darmstadt, St. Pauli, Freiburg oder Hoffenheim: Krautzun freut sich über die Aufwärtstrends. Und überhaupt hält der Fußballverrückte, wie er von sich selbst sagt, zu vielen ehemaligen Stationen, Betreuten und Verantwortlichen eine freundschaftliche Verbindung aufrecht. So auch zu Jürgen Klopp, der in der Saison 2000/2001 unter ihm bei Mainz 05 spielte und dann sein Nachfolger wurde. Klopp schaffte den Klassenerhalt in der Zweiten Liga und Krautzun führte Tunesien souverän zur Weltmeisterschaft. Allerdings verzichtete er dann lieber auf die Turnierteilnahme als sich auf Verbandsbedingungen einzulassen, von denen er nicht überzeugt war.

Von diesen Zwängen eines Trainers hat Krautzun sich mittlerweile gelöst. Seit langem ist er Ausbilder und Angehöriger einer Expertengruppe beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Inzwischen bin ich Gott sei Dank in der Lage, nur noch die Aufgaben zu übernehmen, die mir Spaß machen. Und das sind meist kurzfristige Projekte.“ Solche, die den Trainer- und Spielernachwuchs in Afrika, Amerika und Asien fördern.

Krautzun spricht fließend Englisch und Französisch, wovon Seminarteilnehmer aus verschiedensten Ländern profitieren. Um noch mehr zu erreichen, will er demnächst sein Spanisch verbessern. Manchmal genügt das nicht. Wie in China, wo der Weltenbummler zwischen 2003 und 2007 als Trainer und Berater tätig war. „Wenn Sie dort alleine festsitzen, die Sprache nicht verstehen, den Druck von Funktionären und Politikern spüren, das ist dann schon hart.“

Wann immer er gegen Deutschland antreten musste, war das „ein ganz komisches Gefühl“. Gleichwohl hat er freilich alles versucht bei der U 20-WM 2005, als er im Achtelfinale mit China, wo bis zu 300 Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen, Deutschland mit 2:3 unterlag. Den Chinesen traut er als ehemaliger Leiter der Deutsch-Chinesischen Fußballakademie in Bad Kissingen einiges zu. China brauche vor allem „einen Superstar als Magnet“, könne aber in zehn Jahren „Weltklasse“ sein.

Was ihn auf Vereinsebene in Deutschland wurmt, ist die „Entmachtung der Trainer“, deren Autorität sei „nirgendwo so schwach wie hier“. Umso mehr ist er für seine internationalen Erfahrungen dankbar. „Diese Schule des Lebens, die mein Werdegang mir bescherte, ist das Beste, was mir passieren konnte.“

Seine Vorfreude gilt nun dem Champions-League-Finale am 28. Mai in London. Eine Woche darauf soll die große Geburtstagsparty steigen. In Heppenheim, wo er einst wegen seiner in Lampertheim wohnenden Schwester hinzog. Im Juni, weil dann die meisten Ligen pausieren.


 
 


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