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27. September 2011 dpa

Olympischer Kongress in Baden Baden feiert 30. Geburtstag

Olympia: Morgen vor 30 Jahren kämpften die Atlethen in Baden Baden für ihr Recht auf Mitbestimmung und machten so den IOC ein wenig demokratischer.

| Vergrößern | Vor 30 Jahren waren die Olympiasieger Thomas Bach und Sebastian Coe (Foto) beim Olympischen Kongress in Baden Baden die Hauptkämpfer für die Athleten-Mitbestimmung. Am Mittwoch treffen sie sich dort zum Jubiläum wieder. Foto: dpa
BADEN BADEN. 

Sie nannten sich gegenseitig „Professor“ und „Shakespeare“. Sie waren beim Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden die Anführer einer ruhmreichen Athleten-Generation, die durch Einsatz und Intelligenz das autoritäre Internationale Olympische Komitee (IOC) ein wenig demokratischer machte. Nun treffen sie sich an diesem Mittwoch in Baden-Baden bei der Erinnerungsfeier an den einschneidenden Kongress wieder, „Professor“ Thomas Bach (57) und „Shakespeare“ Sebastian Coe (55). Der eine als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und IOC-Vizepräsident, der andere als geadelter Lord mit lebenslangem Sitz im Oberhaus und Organisations-Chef der Olympischen Spiele 2012 in London.
Ohne die so gegensätzlichen Willi Daume und Juan-Antonio Samaranch hätten der Fecht-Olympiasieger und der Goldmedaillengewinner über 800 und 1500 Meter ihre sportpolitischen Karrieren nicht so früh und so fulminant starten können. Daume, der NOK-Präsident, und Samaranch, der IOC-Präsident. Der hatte den Deutschen bei der Wahl im Jahr zuvor vernichtend hoch geschlagen. Der Kongress-Gestalter Daume wollte die Athleten in den Mittelpunkt stellen und sie von den Fesseln des Amateurparagrafen befreien. Rivale Samaranch begriff schnell den Nutzwert der Athleten und spielte mit Daume Doppelpass.
Die Selbstfindung der 30 eingeladenen Athleten dauerte zwei Tage und zwei Nächte, geleitet vom finnischen IOC-Mitglied und Olympia-Segler Peter Tallberg und den Häuptlingen Bach und Coe. Doch als die Gruppe nach heftigen Debatten ihre Inhalte festgelegt hatte, sechs Sprecher gefunden waren und die Redezeiten nach einer Intervention bei Samaranch von 60 auf jeweils 90 Sekunden erhöht worden waren, erhob die sowjetische Vertretung Einspruch. Gleich zwei Deutsche in dem Führungs-Sextett, Bach und die redegewandte Skirennläuferin Irene Epple, das sei nicht akzeptabel, teilte sie dem Spanier mit.
Für Irene Epple wurde der russische Eishockey-Star Wladislaw Tretjak nominiert, und das „mit einem Kompromiss“ (Bach). Da die Sportler untereinander Einstimmigkeit für alle Redebeiträge verabredet hatten, konnte auch der russische Staatsamateur Tretjak dazu gebracht werden, der Öffnung des Amateurparagrafen zuzustimmen. Bach begründete die Haltung der Athleten vor dem Kongress so: „Wir brauchen eine Regel, die uns Ehrlichkeit erlaubt und Leistung unter menschenwürdigen Bedingungen ermöglicht.“ Coe forderte vor den Delegierten das Mitspracherecht der Sportler ein, mit dem Zusatz: „Wir sind keine denkunfähigen Roboter.“
Noch 1981 formierte das IOC mit Bach und Coe seine erste Athletenkommission. Mittlerweile dürfen die Sportler bei Olympischen Spielen zwölf ihrer maximal 15 Vertreter direkt ins IOC wählen. Bach, seit 1991 Mitglied der Ringe-Vereinigung, gilt als ein heißer Kandidat für die Nachfolge von IOC-Präsident Jacques Rogge 2013. Sir Sebastian Coe hätte ein großer Rivale sein können, doch bisher waren die zwei britischen Plätze im IOC blockiert. IOC-Funktionär kann er in den nächsten Jahren nur über eine Wahl zum Präsidenten des Internationalen Leichtathletik-Verbandes werden, dessen Vize er ist. Die Geschichte von „Shakespeare“ und dem „Professor“ ist noch nicht zu Ende.

 
 


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