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20. Mai 2011 dpa

Viel Lob für München

Olympia: Doch das koreanische Pyeongchang erhält beim technischen Briefing Bestnoten


Pyeongchangs neue Finanzoffensive von mehr als einer halben Milliarde Dollar im Dreikampf um die Olympischen Winterspiele 2018 konnte selbst Münchens umschwärmte Frontfrau Katarina Witt nicht weglächeln. Die Südkoreaner haben ihre Favoritenrolle bestätigt – trotz der erneuten Steigerung von München 2018. Auch am zweiten Tag des technischen Briefings (Informationsgespräch) wurde das deutsche Großprojekt von vielen der stimmberechtigten IOC-Mitgliedern gelobt, Pyeongchangs Auftritt erhielt sogar Bestnoten.

„Mehr und mehr sind wir tatsächlich eine echte Alternative“, resümierte Katarina Witt, Bewerbungschef Bernhard Schwank betrachtet das Rennen inzwischen sogar als „absolut offen“. Im Foyer des feudalen Palace-Hotels verdichtete sich am Tag nach den 45-Minuten-Präsentationen der drei Kandidaten das Stimmungsbild. Die Aufwärtstendenz der Münchner Olympia-Macher 48 Tage vor der Vergabe der Spiele am 6. Juli in Durban wurde bemerkt, der „fehlerlose Auftritt“ der Südkoreaner, so IOC-Marketing-Chef Gerhard Heiberg aber auch.
„Pyeongchang hat zum ersten Mal Emotionen gezeigt. Das war sehr gut“, betonte der Norweger, der aber auch Katarina Witt für eine Stimmensammlerin hält: „Sie ist sehr gut, sehr gut vorbereitet. Natürlich ist sie für ein paar Stimmen gut. Am Ende entscheiden IOC-Mitglieder nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herz.“ Sein Schweizer Kollege Denis Oswald sieht es ähnlich: „Die Südkoreaner waren nicht typisch asiatisch, sondern sehr relaxed und sehr emotional. Eine sehr starke Bewerbung. Am Ende kann aber auch so eine Person wie Katarina Witt den Unterschied ausmachen.“
Der Präsident des Internationalen Ruderverbandes (Fisa), gleichzeitig Mitglied der IOC-Exekutive, wird in Durban nicht mitabstimmen, um sich nicht Vorwürfen der Befangenheit auszusetzen. Die Ethik-Kommission des IOC hatte ermittelt, weil die Fisa einen Vertrag mit dem südkoreanischen IOC-Top-Sponsor Samsung abgeschlossen hatte.
Die zahlreichen Lobbyisten der Kandidaten redeten in der Hotelhalle auf die IOC-Mitglieder ein. Ein Stockwerk tiefer ließen sich IOC-Funktionäre anhand von Modellen die Konzepte von München, Pyeongchang und dem französischen Außenseiter Annecy erklären.

Pyeongchangs Funktionäre sorgten unterdessen mit neuen Investitionen von mehr als einer halben Milliarde Dollar für Aufsehen. Ein Kommunikationsbudget von 80 Millionen Dollar stehe für Sport-Propaganda in Asien bereit. „Damit wollen wir das Wintersport-Bewusstsein in ganz Asien erhöhen“, meinte Sprecherin Theresa Rah. Vor fünf Wochen hatte Südkoreas Regierung bekanntgegeben, von 2012 bis 2018 insgesamt 500 Millionen Dollar in die zweite Phase ihres Sportförderprogramms investieren zu wollen.
Die Münchner müssen eher auf ihre Überzeugungskraft bauen – und auf den Faktor Witt. „Katarina Witt verkörpert Exzellenz, aber ich würde ihr Charisma nicht überbewerten. Kein IOC-Mitglied lässt sich durch Charme überzeugen“, meinte der Russe Witali Smirnow.

 
 


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