Nach den schweren Krawallen in London sind das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Olympia-Organisatoren um Deeskalation bemüht. In dieser Woche laufen drei Testwettkämpfe in der britischen Hauptstadt, zudem begann am Dienstag ein viertägiges Treffen für mehr als 200 Delegationsleiter der verschiedenen Olympia-Teams. „Ich fühle mich sicher in London, eine objektive Gefahr oder negative Auswirkungen für die Spiele sehe ich nicht“, berichtete der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Michael Vesper.
Das Fußball-Freundschaftsspiel England – Niederlande sowie drei Begegnungen des englischen Ligapokals wurden dennoch mittlerweile abgesetzt. Die Absage des hochkarätigen Test-Länderspiels im Fußball-Tempel Wembley begründete der niederländische Verband auf seiner Webseite damit, dass nach Angaben aus England „alle verfügbaren Polizeikräfte“ wegen der Unruhen gebunden seien. Abgesagt wurde auch das für den gestrigen Dienstag geplante Testspiel zwischen Ghana und Nigeria, das in Watford vor den Toren der britischen Hauptstadt geplant war.
Auf die Badminton-Einzel-WM in der Londoner Wembley Arena haben die Krawalle bislang keinen Einfluss. „Aus unserer Sicht läuft hier alles normal. Die Krawalle sind weit entfernt, aber wir beobachten die Situation natürlich“, berichtete Martin Kranitz, Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes.
Jörg Ziegler, Generalsekretär des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), wirkte vor dem Testturnier der Beach-Volleyballerinnen in unmittelbarer Nähe zum Trafalgar Square auch ohne deutsche Beteiligung weniger gelassen: „Wir nehmen das besorgt zur Kenntnis. Wir hoffen, dass für das Test-Turnier entsprechende Vorsorge getroffen worden ist.“
Das Thema Sicherheit sollte am Dienstag auch bei der seit langem anberaumten Besprechung zwischen Vertretern des lokalen Organisationskomitees LOCOG und Spitzenfunktionären des IOC eine zentrale Rolle spielen. „Sicherheit ist unsere oberste Priorität, aber sie ist nicht unsere direkte Verantwortung. Darum kümmern sich die Behörden in London, in die wir volles Vertrauen haben“, betonte IOC-Sprecher Mark Adams.
Gewaltbereite junge Leute hatten in der britischen Hauptstadt in der dritten Nacht in Folge Häuser und Autos angezündet. Inzwischen gingen auch in Liverpool, Birmingham und Bristol vermummte Randalierer auf die Straßen.
Fast 700 Millionen Euro hat LOCOG im Gesamtetat für den Posten Sicherheit veranschlagt. „Die Pläne werden bis zum Beginn der Spiele regelmäßig mit den Polizeibehörden und dem Innenministerium untersucht“, räumte Sprecherin Joanna Manning-Cooper ein.
Dafür bekam die Olympia-Veranstalter Unterstützung vom Nationalen Olympischen Komitee Großbritanniens. „Zweifellos wollen wir solche Bilder ein Jahr vor den Spielen nicht sehen, aber wir haben großes Vertrauen in den entwickelten Sicherheitsplan, der während der Spiele greifen wird. Diese Zwischenfälle sind unglücklich, unangenehm und nicht akzeptabel, aber sie werden keine Auswirkungen auf die Vorbereitungen der Spiele haben“, hieß es in einer Stellungnahme.
Länderspiel in London abgesagt
Krawalle: Olympia-Planer um Deeskalation vor den Spielen 2012 bemüht
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