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27. Januar 2012 dpa

Hauptsorge in London gilt der Sicherheit

Olympia – Ein halbes Jahr vor Beginn der Sommerspiele rüstet sich die Metropole für die „größte Show der Erde“

| Vergrößern | Der Olympia-Park von London: Auf dem 250 Hektar großen Gelände im östlichen Stadteil Stratford ist das neue Olympiastadion (rechts) entstanden. Es bietet Platz für 80 000 Zuschauer. Links daneben der 115 Meter hohe Aussichtsturm „Orbit“ und das Aquatics Centre. Foto: dpa


Schnellboote mit Maschinengewehren preschen bei einer Übung über die Themse, Kampfjets rauschen testweise über die City, Marines seilen sich aus Kampfhubschraubern ab. Die Olympischen Spiele kündigen sich in London an. Nach den Menschenrechten in Peking 2008 ist es 2012 das Thema Sicherheit, das vor den Spielen die Debatte beherrscht. Das liegt noch am wenigsten daran, dass die Polizei schon 100 Kriminelle festgenommen hat, die Betrügereien mit Eintrittskarten oder Hotelzimmern planten. Den fast acht Millionen Einwohnern der britischen Metropole sitzt der Stachel der islamistischen Terrorakte von 2005 noch tief. Damals starben 56 Menschen.
In einem halben Jahr wird die Welt auf London schauen. Die Sportstätten sind praktisch fertig, die Helfer rekrutiert, viele der acht Millionen Eintrittskarten verkauft – London, nach 1908 und 1948 zum dritten Mal Ausrichter – will vom 27. Juli bis 12. August ein Spektakel bieten: „Die größte Show der Erde in der großartigsten Stadt der Welt“, verspricht Bürgermeister Boris Johnson.
Das olympische Hochgefühl steckt noch im – allerdings üblichen – Vorbereitungsstress. Im ärmeren Osten nahe dem Olympiapark sind die Leute genervt. Viele klagen über rasant steigende Mieten und zunehmende Einschränkungen. Robin Wales, Bürgermeister des Stadtbezirks Newham, will jetzt eine Lizenzierung für Vermieter einführen, um Mietwucher in der Olympiaregion zu stoppen.

Ein halbes Jahr vor der Eröffnungsfeier steht London vor allem vor zwei brennenden Fragen: Ist die Sicherheit für 15 000 Athleten aus aller Welt gewährleistet? Bewältigt die alte U-Bahn den Ansturm? Sebastian Coe, Organisationschef der Spiele, ist optimistisch. „Wir sind in guter Verfassung“, sagt der Olympiasieger über 1500 Meter von 1980 und 1984 bei jeder Gelegenheit.
Die Sicherheit gilt in London als der größte Stressfaktor. Die Geheimdienste haben inzwischen die Themse als Achillesferse ausgemacht. Über den Fluss, so glauben die Sicherheitsexperten, könnten Terroristen am ehesten versuchen, in die Olympiastadt einzusickern.
Interpol-Generalsekretär Ronald Noble gab erst vor wenigen Tagen bei einem Besuch in London Entwarnung: „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über eine konkrete Bedrohung für die Olympischen Spiele.“ Die Organisatoren wollen aber auf Nummer sicher gehen. Während der Spiele wird ein Kriegsschiff am Themse-Ufer in der Nähe von Greenwich festmachen, Boden-Luft-Raketen und Eurofighter-Jets werden stationiert. Ein weiteres Kriegsschiff kreuzt vor Weymouth an der Südküste, wo die olympischen Segler ihre Kreise ziehen. In den nächsten Wochen soll es immer wieder Übungen geben. „Da ist auch ein Abschreckungseffekt dabei“, sagt ein hoher Militär.
13 000 britische Soldaten – mehr als in Afghanistan Dienst tun – werden die Spiele schützen. Hinzu kommen noch über 10 000 zivile Sicherheitsleute und Polizisten. Noch vor einem Jahr hatte das Organisationskommitee Locog die Kosten für die Sicherheit der Spiele mit 600 Millionen Pfund (717 Millionen Euro) angegeben. Inzwischen wird die Endsumme inoffiziell auf über eine Milliarde Pfund (1,18 Milliarden Euro) geschätzt, während das Olympia-Gesamtbudget 9,3 Milliarden Pfund (11,3 Milliarden Euro) beträgt. Die Polizei erhält extra Trainingseinheiten. Nach dem peinlichen Versagen bei Krawallen Jugendlicher im vergangenen Sommer und mehreren Sicherheitspannen will sich Scotland Yard nicht noch einmal eine Blöße geben.
Bei aller Sorge um die Sicherheit gilt es auch die Verhältnismäßigkeit zu wahren, denn die Olympiabesucher sollen keinesfalls durch langes Warten vor Security-Posten genervt werden. Und auch nicht durch verstopfte U-Bahnen. Die alte Londoner „Tube“ arbeitet schon im Alltag an ihrer Kapazitätsgrenze. An der Themse weiß keiner, wie die ratternden Waggons zu den täglich über drei Millionen Fahrgästen noch eine gute Million Olympiagäste verkraften sollen – obwohl mit dem Schnellzug „Javelin“ („Speer“) eine Direktverbindung von der Innenstadt zum Olympiapark in Stratford geschaffen wurde.

 
 


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