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17. Dezember 2011 Von Florian Huber

Beim dritten Mal wird alles anders

Olympia 2012 – Nach 1908 und 1948 erlebt London wieder Sommerspiele – Weniger Bombast beim Bau als in Peking

| Vergrößern | Das Olympiastadion in London bietet 80 000 Plätze und soll nach den Sommerspielen 2012 zurückgebaut werden. Foto: florian huber


So also riecht Olympia. Der beißende Geruch von Abwasser setzt sich penetrant in der Nase fest. Im Nordosten Londons weht ein rauer Wind. Besonders auf einem zur olympischen Aussichtsplattform umfunktionierten Abwasserkanal. „Aller Dreck der Stadt wird seit Jahrhunderten schon hierher geleitet“, sagt Maggie (46), die Touristenführerin auf diesem Spaziergang rund ums Olympiagelände.
Das Problem: Genau an dieser Stelle beginnen in rund acht Monaten die 30. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit. „Irgendwie werden sie auch dieses Problem in den Griff bekommen. Zur Not versprühen die Olympiamacher im nächsten Jahr halt Parfüm“, sagt Maggie und lächelt.
9,3 Milliarden Pfund (10,8 Milliarden Euro) soll das britische Sommermärchen kosten, am Ende wird es natürlich mehr sein. Das Geld ist im Vergleich zu den Spielen von Peking mit weniger Bombast und architektonischer Opulenz verbaut worden. Das Olympiastadion mit seinen 80 000 Plätzen zum Beispiel wird nach dem Großereignis zurückgebaut, die Fußball-Clubs von West Ham United, Tottenham Hotspur und Leyton Orient balgen sich noch um die nacholympischen Nutzungsrechte.
Mindestens so wichtig wie die Sportstätten wird die U-Bahn im Sommer 2012 sein. Sie ist das Herz des Organismus London. Das Herz pumpt jeden Tag Millionen von Menschen durch die weitverzweigten U-Bahn-Linien, die wie Arterien die Großstadt durchziehen. Ständig ist dieser hochsensible Organismus der Gefahr eines Infarkts ausgesetzt. Vom 27. Juli bis zum 12. August wird das Herz schneller pumpen als je zuvor. Noch mehr Menschen als sonst sind dann auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. „Die Olympiaorganisatoren wollen, dass wir Londoner Urlaub machen oder zu Fuß zur Arbeit kommen“, sagt Maggie und rollt mit den Augen.
Mit dem Bahnhof von Stratford hat der Organismus an ganz besonders gefährdeter Stelle einen Bypass erhalten. Hier kommen die Olympiatouristen mit dem Eurostar-Zug oder eben der U-Bahn am Olympiagelände an. Zum Bypass gehört seit Neuestem auch Europas größtes Einkaufszentrum mit Blick aufs Olympiastadion. Selbst Starkoch Jamie Oliver hat hier ein Restaurant eröffnet.

Ortswechsel: Ein Kilometer Luftlinie vom Stadion entfernt, direkt am kleinen Flüsschen Lea, liegen die Three Mills Studios. Auf dem ehemaligen Mühlengelände wurden in den vergangenen Jahren TV-Formate wie „Big Brother“ gedreht. „All das, was keiner zugibt zu schauen, gell?“, sagt Maggie. Jetzt gleicht das TV-Gelände einem Hochsicherheitstrakt. Hinter verschlossenen Türen werden hier die Shows für die Eröffnungs- und Schlussfeier erdacht. Ein Team um Star-Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionaire“) ist dafür verantwortlich. Die beiden Zeremonien werden doppelt so teuer wie geplant. Sie sollen rund 94 Millionen Euro kosten.
Viel Geld ist auch für Sportstätten vergraben worden. Als erste Stadt richtet London die Spiele zum dritten Mal aus. Zum ersten Mal haben die Organisatoren dafür richtig Zeit, seit sich London im Juli 2005 überraschend gegen Paris durchsetzte. Das war 1908 anders, als Rom wegen des Ausbruchs des Vesuvs nicht in der Lage war, die Spiele auszutragen und London einsprang. Bei den Spielen von 1948 stand England unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges. Als Spiele der Entbehrung gingen sie in die Geschichte ein.
London 2012 bietet mit Fußball im Wembleystadion und Tennis in Wimbledon Veranstaltungsorte mit Sportgeschichte. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Tickets. Die Neubauten, wie die futuristisch anmutende Schwimmarena neben dem Olympiastadion, werden mit Wettkämpfen sukzessive Härtetests unterzogen.
Ein echter Hingucker entsteht neben dem Olympiastadion. Ein 115 Meter hoher Aussichtsturm, der an eine Achterbahn erinnert. Stahlmilliardär Lakshmi Mittal, der reichste Brite, finanziert den Aussichtsturm. In 115 Meter Höhe kann man sich dann während der Spiele frische Luft um die Nase wehen lassen.

 
 


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