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17. Mai 2011 dpa

Olympia 2018: Entscheidung vor der Entscheidung

| Vergrößern | Geschäftsführer des Olympia-Bewerbungskurratoriums Bernhard Schwank (links), die Vorsitzende des Gremiums Katarina Witt und Münchens Oberbürgermeister Christian Udo (rechts) mit dem positiven IOC-Prüfbericht am 10. Mai. Foto: DPA
LAUSANNE. 

Jetzt gilt es für München 2018: Nach dem positiven Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen und den sehr guten Noten im IOC-Prüfbericht wollen die bayerischen Olympia-Macher im Endkampf des Bewerbungsmarathons am südkoreanischen Favoriten Pyeongchang vorbeiziehen. Beim technischen IOC-Briefing an diesem Mittwoch und Donnerstag in Lausanne soll die Wende gelingen. Der französische Mitstreiter Annecy bleibt in dem Dreikampf um die Winterspiele 2018 staunender Außenseiter.
Kurz vor der Präsentation in Lausanne konnten die Münchner einen großen Erfolg vermelden. Wie die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen am Dienstag mitteilte, ist durch „notarielle Beurkundung“ das letzte Teilstück für die Kandahar-Abfahrt gesichert. Damit wären alle notwendigen Sportstätten im Bereich des Marktes Garmisch-Partenkirchen für Winterspiele 2018 verfügbar. „Ich freue mich sehr, dass es nun nach sorgfältigen und konstruktiven Verhandlungen gelungen ist, diese so wichtige Fläche für Olympia zu sichern“, sagte Bürgermeister Thomas Schmid.
„Nun sind die Grundstücke für die Sportflächen der Winterspiele 2018 zu 100 Prozent gesichert. Damit steht sieben Jahre vor einer möglichen Ausrichtung unser optimales Angebot an das IOC für erfolgreiche Olympische und Paralympische Winterspiele 2018 in Deutschland“, meinte Bewerbungschef Bernhard Schwank.
„Lausanne kann vorentscheidend und wichtiger als die eigentliche Abstimmung in Durban sein. Wir sind alle voll motiviert“, erklärte DOSB-Präsident Thomas Bach. Hektische Betriebsamkeit im olympischen Museum von Lausanne kündigt schon seit Tagen das Gipfeltreffen vor knapp 80 stimmberechtigten IOC-Mitgliedern an. Erstmals haben alle Kandidaten 45 Minuten Zeit, ihre Konzepte mit all ihren emotionalen Versprechen und wirtschaftlichen Verlockungen zu präsentieren.
Münchens Frontfrau Katarina Witt spürt „Vorfreude“. Die Vorzüge der „freundlichen Spiele“ referiert sie im Schlaf. Die Nachhaltigkeit, das revolutionäre Umweltkonzept, die Wintersport-Begeisterung, die Tradition und die Tatsache, dass es seit 1936 (Garmisch-Partenkirchen) keine Winterspiele mehr in Deutschland gegeben hat. „Es ist auch wichtig, das IOC zu überzeugen, dass es wichtig ist, sein Fundament zu erneuern“, sagte die 45 Jahre alte Witt.
Die erhoffte Rückkehr der olympischen Bewegung in die Heimat des Wintersports soll die Argumentationslinie von Hauptkonkurrent Pyeongchang entkräften. Nach zwei gescheiterten Bewerbungen setzen die Südkoreaner auch im dritten Anlauf mit ihrem Konzept „Neue Horizonte“ auf den ungesättigten Markt im bevölkerungsreichsten Kontinent Asien. Am 6. Juli entscheidet die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im südafrikanischen Durban über den Gastgeber der Spiele.
„Pyeongchang hat sich durch zwei Bewerbungen in das Bewusstsein eingeprägt“, meinte Witt, mal kokettierende Ex-Athletin, mal krisenerprobte Power-Frau, „aber zweimal Silbermedaille heißt nicht, dass man beim dritten Mal automatisch Gold gewinnt. Wir haben viel zu bieten.“ Schon seit Sonntag probt die Bewerbungsgesellschaft für ihren vielleicht wichtigsten Auftritt, seit der Deutsche Olympische Sportbund München am 8. Dezember 2007 ins Rennen geschickt hat.
Die bedeutendsten Rollen im Münchner Team für Lausanne sind klar verteilt. Katarina Witt ist für Gefühle und Herzlichkeit zuständig, IOC-Vize Thomas Bach für die sportpolitische Expertise. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude bringt Lokalkolorit ein, Bewerbungschef Schwank erläutert die technischen Details des Zwei-Park-Konzepts. BMW-Vorstand Ian Robertson darf das deutsche Wirtschaftspotenzial erklären, und Sportminister Hans-Peter Friedrich repräsentiert die einhellige Zustimmung der Politik.
„Das ist ein Team, in dem jeder ein Superhirn auf seinem Gebiet ist und diese Erfahrung auch ausstrahlt“, sagte Witt, „wir motivieren uns gegenseitig und kämpfen gemeinsam.“ 50 Tage vor der Vergabe der Spiele will Bach die Hauptkritik der IOC-Tester über die geringen Zustimmungsraten in der deutschen Öffentlichkeit mit neuen Zahlen aushebeln. Bei der IOC-Umfrage im Dezember 2010 hatten nur 56 Prozent der Deutschen Olympia in Bayern befürwortet. Zum Vergleich: In Südkorea liegt der landesweite Zuspruch bei 87 Prozent.
Pyeongchangs Olympia-Botschafterin Kim Yu-Na hat diese Zahlen auswendig gelernt. Schließlich will sie beim Vergleich mit der Witt gut aussehen. Das sportpolitische Schaulaufen zwischen der Eiskunstlauf-Diva aus Sachsen und Südkoreas „Golden Girl“ schien die Olympier im Vorfeld mehr zu interessieren als der 119-seitige Prüfbericht der IOC-Evaluierungskommission.
Kim Yu-Na, Eiskunstlauf-Olympiasiegerin 2010, tritt in Lausanne erstmals für die Asiaten an. „Zuerst werde ich von Pyeongchangs perfekter Vorbereitung erzählen und dann von den kurzen Wegen zwischen den Wettkampfstätten“ flötete die 20 Jahre alte Eiskunstläuferin. Pyeongchang hat seine Charmeoffensive intensiviert.
Und Annecy? Die Franzosen suchen noch immer eine klare Botschaft. Ski-Legende und IOC-Spitzenfunktionär Jean-Claude Killy, das vermeintliche Aushängeschild der Kandidatur, soll in Lausanne tatsächlich erscheinen. Bei allen bisherigen Präsentationen hatte er durch Abwesenheit geglänzt. Gefürchtet wird Annecy von den Münchnern trotzdem. Der Außenseiter könnte in Durban im ersten Wahlgang genügend Stimmen sammeln und damit den Asiaten gleich die absolute Mehrheit ermöglichen.


 
 


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