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18. Mai 2011  | Von Udo Döring

Voltigieren: Stresstest in Kranichstein

Beim „Preis der Besten“ geht es auch um EM-Nominierung – Oliver Neukirchen erreicht Ziel nur zur Hälfte

 
| Vergrößern | Turmbau zu Darmstadt: Die Voltigier-Gruppe des RSV Neuss-Grimlinghausen siegte beim „Preis der Besten“ und wurde mit der Nominierung für die EM in Frankreich belohnt. Fotos: Peter Henrich




Sein Pferd „Luca“ dreht schon in ruhigem Galopp seine Runden. Oliver Neukirchen schließt die Augen, volle Konzentration. Ein neckischer Pfiff von der Tribüne entlockt ihm aber doch noch ein Lächeln. Der Leistung des Voltigierers schadet die Ablenkung nicht. Der Lorscher zeigt eine Übung, die selbst die Bundestrainerin beeindruckt. „Er hat eine tolle Art, sich zu bewegen“, sagt Ulla Ramge, die sich nach dem Alter von Neukirchen erkundigt, was sie selbst als gutes Zeichen für ihn deutet.
Neukirchen ist 18 Jahre alt und hatte beim „Preis der Besten“ in Darmstadt vornehmlich das Ziel, „sich nicht zu blamieren und nicht Letzter zu werden“. Denn er war in seiner Klasse der einzige Voltigierer, der nicht zum Bundeskader zählt. Über Sichtungsprüfungen hatte er sich das Startrecht erkämpft. Das erste Ziel hat er zweifelsohne erreicht, für das zweite hätte er auch am zweiten Turniertag eine so gelungene Kür zeigen müssen. Weil ihm das nicht gelang, fiel er doch noch auf den siebten und letzten Platz der Herren-Konkurrenz zurück.
Sein Glück auf dem Rücken der Pferde hat Neukirchen auf Umwegen gefunden. Als Kind plagte ihn eine Pferdeallergie, was ihm vom Hobby seiner springreitenden Geschwister beim Heimatverein RVV Lindenhof-Schwanheim zunächst abhielt. Also ging er zum Leistungsturnen, das letztlich zur hilfreichen Grundausbildung für seinen jetzigen Sport wurde.

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Einzel-Voltigierer: Oliver Neukirchen vom RVV Lindenhof-Schwanheim auf „Luca“.
Beim Darmstädter Reiterverein, für den er auch ein Jahr aktiv war, erlebte Neukirchen nun sein Debüt auf nationaler Wettkampfebene. Nicht nur für ihn selbst ein Nerventest. „Wir hatten erst einmal Angst, wie das Pferd reagiert“, sagte Neukirchen nach dem Auftritt vor ungewohnter Kulisse mit mehr als 500 Zuschauern. Und ein ruhig und sicher galoppierendes Pferd ist Voraussetzung, sich auf die eigene Übung konzentrieren und sie sicher turnen zu können.
„Das Turnier ist ein echter Stresstest“. Damit meint Bundestrainerin Ulla Ramge auch die Spitzenathleten, für die der Auftritt in Darmstadt wegweisend war. Trotz des frühen Saisonstadiums ging es schon um die Empfehlung für die Europameisterschaften im August in Frankreich. Da deutsche Voltigierer zur Weltspitze gehören, wertet Ulla Ramge die Nominierung als eine der größten Hürden zu internationalen Meriten.

Dass diese Hürde in Darmstadt aufgestellt wurde, ist kein Zufall. Der Darmstädter Reiterverein hat als Veranstalter von großen Voltigier-Turnieren einen guten Namen. „Von der Anlage und der Organisation sind wir prädestiniert für solche Veranstaltungen“, sagt Jutta Wolf, der das Voltigieren sprichwörtlich im Blut liegt. Ihre Eltern hatten die Abteilung einst gegründet, in der heute 65 junge Sportler aktiv sind. Die leistungsstärkste der fünf Gruppen startet in der M**-Klasse und hofft, an eine erfolgreiche Vorsaison anknüpfen zu können. Bei der täglichen Trainingsarbeit gilt es auch noch, das neue und unerfahrene Vereinspferd „Diego“ zu schulen.
„Voltigieren ist generell ein guter Einstieg in den Reitsport“, sagt Jutta Wolf. Gleichgewichtschulung und der gefühlvolle Umgang mit dem Pferde sorgen für eine Grundausbildung, die auch Springreitern nutzt. Auch der im Spring-Parcours erfolgreiche Peter Illert übte sich einst im Voltigieren. Eva Schramm als eine der besten RV-Einzelvoltigiererinnen hat wiederum Erfahrung im Springen gesammelt.
Im Spitzenbereich bleibt dem RV derzeit die Rolle des Veranstalters. Steigerungsmöglichkeiten zum Beispiel mit der Ausrichtung einer deutschen Meisterschaft sieht Jutta Wolf aber kaum. „Da kämen so viele Schlachtenbummler, die hier zelten wollen, dafür hätten wir die Logistik nicht“. Schon der „Preis der Besten“ belegte die große Anziehungskraft des Voltigierens. Wohlweislich baute der Verein erstmals eine große Tribüne in der Halle auf. Und die war stets gut gefüllt mit Fans, die für Stimmung sorgten – und ab und zu einen neckischen Pfiff.


 
 


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