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21. Januar 2012  | Von Thomas Hain

Stefan Blöcher: „Hockey braucht viel Zeit und Training“

Der einst weltbeste Hockeyspieler Stefan Blöcher spricht über seine Popularität und sein heutiges Leben

| Vergrößern | Schlägertausch: Nach seiner Hockeykarriere hat Stefan Blöcher die Schläger getauscht: Inzwischen spielt er Golf. Foto: Picture-Alliance


ECHO: Herr Blöcher, wann haben Sie zuletzt ein Hockeyspiel gesehen?

Stefan Blöcher: Live zuletzt das WM-Finale 2006 in Mönchengladbach, das Deutschland 4:3 gegen Australien gewonnen hat.

ECHO: Aber die Resultate der Nationalmannschaft, für die Sie 259 Länderspiele bestritten haben, verfolgen Sie von Mallorca aus schon noch?

Blöcher: Ich verfolge es im Internet. Und ich engagiere mich auch weiter für den Deutschen Hockey-Bund und habe noch viele alte Freunde, mit denen ich gerade erst in Köln zusammengetroffen bin. Die Verbundenheit zum Hockey ist nach wie vor da.

ECHO: Alle vier Jahre – jeweils bei Olympischen Spielen – sind wir Deutsche Hockeyfans. Warum interessiert die Sportart zwischendurch nicht wirklich?

Blöcher: Wenn ich diese Frage nur beantworten könnte. Es ist wohl einfach die Fernsehpräsenz von Fußball und Formel 1, die viele andere Sportarten, darunter auch Hockey, in den Hintergrund drängt. Ich glaube, das schwierig zu erlernende, technisch sehr anspruchsvolle Spiel schreckt doch viele ab. Mit Schläger und Ball umzugehen, braucht viel Zeit und Training. Deshalb wird die breite Masse nicht angesprochen.

ECHO: Trotzdem haben Sie es zum Profi gebracht, konnten als einziger hierzulande von Ihrer Randsportart leben.

Blöcher: Ich bin 1,90 Meter groß, blond. Gerade in Asien, etwa in Pakistan, stach ich allein durch meine optische Erscheinung heraus. Dann hatte ich das Glück, Mittelstürmer gewesen zu sein. Durch relativ viele Tore habe ich es zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Hinzu kam, dass ich in Deutschland die Vereine gewechselt und in den jeweiligen Städten Popularität erreicht habe.

ECHO: Andere – vor und nach Ihrer Zeit –?sind Olympiasieger und Weltmeister geworden. Aber Sie gelten als Inbegriff des erfolgreichen populären deutschen Hockeyspielers. Warum?

Blöcher: Unter den Legenden des Sports war ich mit auf der Bühne. Um meine Person ist ein Netzwerk entstanden. Dazu kommt mein Engagement bei der Laureus-Stiftung (Sport-Bewegung für gute Zwecke, die Red.), bei der ich Botschafter bin und wo fast alle Topsportler dabei sind. Zudem spiele ich Golf – und viele bekannte Sportler spielen Golf.

ECHO: Sicher erinnern Sie sich noch an Ihren 30. Geburtstag?

Blöcher: Das war mein 250. Länderspiel vor 80 000 Zuschauern in Lahore. Diese 80 000 Menschen haben für mich, den deutschen Hockeyspieler, „Happy Birthday“ gesungen. Das wird in Pakistan wohl niemand mehr erleben. Völlig überwältigt hatte ich damals meinen Schläger ins Publikum geworfen, was zu einer Massenhysterie führte, weil sich die Leute um meinen Schläger geprügelt haben. Angehörige des Militärs brachten ihn mir zurück und sagten: „Mr. Blöcher, tun Sie das nie wieder. Die Menschen würden sich für Ihren Schläger töten.“ Dabei hat sich der Soldat nicht getraut, den Schläger in die Hand zu nehmen, weil das für ihn eine Art Heiligtum war. Er trug ihn auf dem Unterarm.

ECHO: 1987 waren Sie zum besten Spieler der Welt gekürt worden. Wechselten Sie, der „weiße Pakistani“, nur des Geldes wegen nach Australien?

Blöcher: Ich war der erste Profi dort und bin auch gleich Meister geworden. Es lockte das Geld, ganz klar. Aber auch das Abenteuer. Als Zwanzigjähriger war ich dort zum ersten Mal – nach dem Boykott der Olympischen Spiele in Moskau auf Einladung des Innenministeriums. Ich fand das Land, die Menschen und ihre Sportbegeisterung faszinierend.

ECHO: Wie kamen Sie vom Hockey zum Golf? Inzwischen haben Sie es ja zwischen Fairways und Grüns auf das großartige Handicap vier gebracht.

Blöcher: Bei einer Champions Trophy in Australien lag unser Hotel direkt am Golfplatz. Da fand ich zu meiner ersten Begegnung. Später kam ich durch Zufall zum Eagles Charity Golfclub. Da sind viele prominente Sportler wie Franz Beckenbauer oder Katarina Witt, aber auch Schauspieler wie Otto Waalkes drin. Bei der Eröffnung der Anlage am Wiesensee im Westerwald hat mich der damalige Besitzer gefragt, ob ich nicht im Management arbeiten wolle. So bin ich ins Golfgeschäft eingestiegen.

ECHO: Was trauen Sie der deutschen Hockey-Mannschaft bei Olympia in London zu?

Blöcher: Hockey ist Deutschlands erfolgreichste Mannschaftssportart auf Jahre hin. Ein Platz unter den ersten vier ist immer drin. Eine Medaillenchance sehe ich auf jeden Fall.

 
 


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