Zwei Meistertitel und ein zweiter Platz. Eine solche Bilanz hat der Ruderclub Darmstadt bei Hessenmeisterschaften schon lange nicht mehr vorweisen können. „Ich glaube, es ist 23 Jahre her, dass ein hessischer Meister aus Darmstadt kam“, sagt Demir Türsan, der 1986 selbst im erfolgreichen Männer-Doppelzweier saß. Auf dem Werratalsee bei Eschwege konnte er sich nun als Trainer über die Erfolge der jüngsten Aufbauarbeit freuen.
Für den erfolgreichen Auftakt sorgte der Doppelzweier der Leichtgewichts-Jungen (bis 50 Kilo Körpergewicht) mit Sebastian Kirschner und Alexander Türsan. Die beiden Dreizehnjährigen ließen in ihrem ersten gemeinsamen Rennen bei böigem Wind und dadurch gerade für Leichtgewichte schwierigen Bedingungen den Gegnern keine Chance. Obwohl sie am Ende sogar Druck herausnahmen, kamen sie mit zwölf Sekunden Vorsprung ins Ziel.
Alexander Türsan saß später als Steuermann im Doppelvierer, in dem sich Dominik Türsan, Chris Krenz, Jannik Riedel und Felix Zanger in der Altersklasse der Dreizehn- und Vierzehnjährigen einen packenden Zweikampf mit Germania Frankfurt lieferten. Nach gutem Start führte der Neptun-Vierer das Siebener-Feld mit einer dreiviertel Bootslänge vor Limburg an. Das Spitzen-Duo wurde aber durch den Wellengang, den ein Schiedsrichter-Boot ausgelöst hatte, aus dem Rhythmus gebracht. Das Frankfurter Boot zog vorbei, doch die Darmstädter konterten und fuhren schließlich jubelnd ins Ziel. Doch sie hatten sich zu früh gefreut. Der Zielfilm sah Frankfurt vorne – mit 78 Hundertstelsekunden Vorsprung. „Diese Silbermedaille hat trotzdem auf jeden einen goldenen Rand“, lobte Demir Türsan den Einsatz seiner Jungs.
Eine Medaille ganz in Gold sollte aber noch folgen. Jannik Riedel und Chris Krenz gewannen den Doppelzweier nach einem ebenfalls denkwürdigen Rennen. In Führung liegend prallte bei wieder starkem Wind nach 400 Metern das Skull von Chris Krenz an eine der Bahnbegrenzungsbojen und schlug ihm aus der Hand ins Gesicht. Mit aufgeplatzter Lippe und mächtig Wut machten sich die Darmstädter auf die Jagd nach den vorbeigezogenen Frankfurtern, die sie im Ziel schließlich vier Sekunden hinter sich ließen.
„Die Medaillen haben den guten Ergebnissen der Saison die Krone aufgesetzt“, bilanzierte Demir Türsan, für dessen junge Ruderer in diesem Jahr noch ein Einsatz beim Ländervergleichskampf am 23./24. Oktober in Mainz-Kastell folgt. Im nächsten Jahr soll das Programm noch durch einen Achter in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Germania erweitert werden. Beide Vereine kooperieren jetzt schon intensiv. Weil das Vierer-Boot des RC Neptun noch in der Werft zur Reparatur liegt, stellten die Frankfurter zum Beispiel den Darmstädtern ihr altes Boot zur Verfügung, gegen das sie dann nur mit Glück nicht das Nachsehen hatten.