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04. Juli 2011  | dpa

München will mit Beckenbauer den Zuschlag bekommen

| Vergrößern | Franz Beckenbauer soll vor dem Internationalen Olympischen Komitee neben dem südkoreanischen und dem französischen Mittstreiter, auf Stimmenfang für München als Austragungsort gehen. Foto: DPA
MÜNCHEN. 

Der Fußball-„Kaiser“ soll's richten: Mit Franz Beckenbauer als Überraschungsgast wollen Münchens Olympia-Macher im Bewerbungsendspurt vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Durban die „Herrn der Ringe“ auf ihre Seite ziehen. Der fünfundsechzig Jahre alte Ex-Fußballnationalspieler soll im Dreikampf mit dem südkoreanischen Favoriten Pyeongchang und dem französischen Außenseiter Annecy um die Winterspiele 2018 erfolgreich das ihm eigene Sieger-Gen einbringen.
„Ich halte die Daumen. Ich werde auch vor Ort sein“, sagte Beckenbauer im ARD-Hörfunk. Alles zählt im Endspurt, um noch zu punkten. „Das wäre natürlich für mich als geborener und waschechter Münchner ein wunderschönes Geschenk.“ Aber kein Selbstläufer. „Es ist keine gemähte Wiesn, wie wir in Bayern sagen“, erklärte Beckenbauer. „Ich räume der Münchner Bewerbung Chancen ein und hoffe als Münchner auf den Zuschlag.“
Beckenbauer kämpft „aus voller Überzeugung“ für ein bayerisches Wintermärchen. „Immer noch erinnere ich mich mit großer Freude an das Jahr 1972 mit den Sommerspielen in München und an 2006, in dem wir in München die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet haben. Beide Male hat sich unser Land weltoffen, gastfreundlich und fröhlich präsentiert“, hatte Beckenbauer schon früher sein Engagement begründet.
Der „kaiserliche“ Einsatz könnte ein gutes Omen sein. Am 6. Juli 2000 erhielt Deutschland - angeführt von der Galionsfigur Beckenbauer - in Zürich den Zuschlag der FIFA für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Auf den Tag genau elf Jahre später soll an diesem Mittwoch, dem 6. Juli 2011, der Traum vom bayerischen Wintermärchen in München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee in Erfüllung gehen.
Man wolle in sieben Jahren ein „guter Gastgeber sein“ für die Sportler und Besucher aus aller Welt, sagte Beckenbauer. „Bild“ und die Münchner „tz“ hatten am Montag berichtet, dass Beckenbauer am Dienstag in Südafrika eintrifft. „Das einmalige Flair Münchens, den bayerischen Charme, die Natur und die Schönheit unserer Berge, die Herzlichkeit der Menschen und die Begeisterung für den Wintersport wollen wir 2018 mit der Olympischen Familie teilen“, hatte der „Kaiser“ gesagt.
Beckenbauers weltweite Strahlkraft und sein besonderes Charisma sollen bei der IOC-Vollversammlung in Südafrika eine weitere Münchner Trumpfkarte sein. „Ich freue mich sehr, dass er uns unterstützt. Franz Beckenbauer ist eine faszinierende Persönlichkeit, die Menschen weltweit über die Grenzen des Wintersports hinaus begeistern kann“, sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude bei „tz-online“.
Ein heißes Gerücht ist, dass Beckenbauer auch in der finalen Präsentation von München 2018 am Mittwoch aktiv mitwirken wird. Dafür gab es von der Bewerbungsgesellschaft aber am Montag noch keine Bestätigung. Beckenbauer wäre ein weiterer Trumpf, neben den Auftritten von Bundespräsident Christian Wulf und dem Charme der früheren Eiskunstlauf-Königin Katarina Witt, die als Chefrepräsentantin der Münchner Bewerbung schon seit Monaten bei Reisen rund um die Welt die IOC-Mitglieder umgarnt.
Als Führungspersönlichkeit mochte Beckenbauer der Münchner Kampagne nicht dienen, unterstützt hat sie der 65 Jahre alte Münchner trotzdem. So gehört er dem von Kati Witt angeführten Kuratorium an. Und auf Reisen hat der „Kaiser“ stets auch für Winterspiele in seiner Heimatstadt geworben. Schließlich hat der im Stadtteil Giesing aufgewachsene Beckenbauer die Spiele 1972 als Zuschauer miterlebt. Und als Fußball-Profi des FC Bayern war das Olympiastadion jahrelang seine Heimat. Unter dem legendären Zeltdach hielt er 1974 als Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft stolz den WM-Pokal in Händen.
Beckenbauer gefällt der olympische Geist - das Miteinander von Sportlern aus aller Welt konnte er persönlich 1988 bei einem Besuch des Olympischen Dorfes in Seoul erleben. „Bei Olympia ist es wie im Paradies“, sagte er später in Erinnerung an die unvergesslichen Eindrücke. Als damaliger DFB-Teamchef war er in Seoul dabei, als die deutschen Fußballer um Jürgen Klinsmann die Bronzemedaille holten.
Auf Beckenbauer als Bewerbungshelfer zu setzen, ist zwar keine originelle, aber eine naheliegende Idee der Münchner Macher. Den Sieg kann freilich auch der „Kaiser“ nicht garantieren. Zumal die olympische Familie anders tickt als die zuletzt in Verruf geratene Fußball-Familie namens FIFA.

 
 


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