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06. Juli 2011  | dpa/hps

Lohnendes Geschäftsmodell?

Olympia: Sommerspiele 1972 waren für München ein Schnäppchen – Bei der Winter-Bewerbung 2018 ist der Kostenaufwand deutlich höher


Sollte die IOC-Kür am heutigen Mittwoch in Durban (Südafrika) für München 2018 ein gutes Ende finden, hätte die Isar-Metropole einen Olympiasieg ganz eigener Art errungen. Olympische Spiele können auch ein lohnendes Geschäftsmodell sein. Das hat die Stadt 1972 vorgemacht.


Als die Abrechnung der Sommerspiele 1972 feststand, feierte München einen Olympiasieg. Für 171 Millionen Mark (85,5 Millionen Euro) hatte sich die bayerische Metropole eine neue U-Bahnlinie zugelegt, hinzu kamen die Meister-Schöpfung Olympia-Park und andere Segnungen eines Entwicklungsschubs. Spielt das Internationale Olympische Komitee (IOC) heute in Durban mit, könnte München 2018 den zweiten Olympiasieg zelebrieren. Einen Schnäppchenpreis wie damals gibt es allerdings nicht.
Die 171 Millionen Mark sind jene Summe, die München am Ende aus dem Stadtsäckel berappen musste. Gekostet hatte die Olympia-Sause vor 39 Jahren 1,972 Milliarden Mark. Das war verglichen mit den knapp drei Milliarden Euro, die die Winterspiele 2018 kosten sollen, preisgünstig. Dabei ist bei diesem Vergleich zu bedenken: Bei einer Inflationsrate von mehr als 100 Prozent müssten die Kosten der Sommerspiele zu heutigen Preisen auf mindestens zwei Milliarden Euro hochgerechnet werden. Zudem machen die kleineren Winterspiele etwa 40 Prozent der Wertschöpfung des IOC bei Sommerspielen aus, benötigen damit auch geringeren Aufwand.
Vom Gesamtetat flossen bei den 72er Spielen 1,35 Milliarden Mark nach München, dazu kamen „olympiabedingte Kosten“ von 527 Millionen Mark. Der durch Eigenmittel gedeckte Haushalt des damaligen Organisationskomitees betrug 1,286 Milliarden Mark. Allein 1,059 Milliarden Mark spülten Münzprogramm und Lotterien in die Kasse. Knapp ein Drittel der Gesamtkosten (686 Millionen Mark) trugen die öffentlichen Hände – abzüglich 250 Millionen Mark durch zusätzliche Steuereinnahmen.
Dass für München am Ende lediglich 171 Millionen Euro Kosten übrig blieben, lag auch am bayerischen Verhandlungsgeschick. Ursprünglich sollte sich die Stadt die Belastungen mit Bund und Bayern zu je einem Drittel teilen, so wie jetzt für die Winterspiele 2018. Doch dann übernahm die Bundesregierung die Hälfte, München und dem Land Bayern blieben je ein Viertel.
Der geteilte Haushalt für das Spektakel auf Schnee und Eis soll für die Organisation 1,3 Milliarden Euro betragen, für dauerhafte Investitionen 1,55 Milliarden Euro. Einnahmen durch Münz- und Lotterie-Programme stehen diesmal nicht im OK-Haushalt. An diese Stelle treten Sponsoren mit einem Zweidrittel-Anteil. Das IOC, wegen angeblicher „Knebelverträge“ wiederholt gescholten, garantiert als Mindestsumme 462 Millionen Euro. Diese wird sich durch jüngst abgeschlossene Verträge mit dem Fernsehen in den USA erhöhen.
Nationale Sponsoren sollen 409 Millionen Euro, der Verkauf von Eintrittskarten 178 Millionen Euro einbringen. Zum Vergleich: 1972 kamen durch das Ticket-Geschäft umgerechnet 15 Millionen Euro herein.
Im Investitionshaushalt verschlingt der Verkehr mit 633 Millionen Euro den größten Anteil, wobei allein 582 Millionen Euro davon zu Lasten des Bundes gehen. 462 Millionen sind als Investition in Infrastruktur in der Stadt München geplant, 206 Millionen davon soll die Kommune selbst bezahlen. Das wäre wohl kein Schnäppchen, aber ein erträglicher Sonderpreis.

 
 


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