Die Frankfurt Lions sind fast 20 Jahre alt geworden. Kurz vor dem Jubiläumsjahr kommt nun das Aus: Für die kommende Saison erhält der Club von der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) keine Lizenz. Auch den Kassel Huskies verweigerte die DEL die Spielberechtigung. Ob die Lizenzentzüge nur die Spitze des Eisbergs sind oder ob weitere folgen, entscheidet sich heute. In Köln treten die DEL-Gesellschafter zusammen und wollen das abschließende Urteil verkünden. Zittern müssen noch die Clubs aus Köln, Krefeld, Hamburg, Hannover und Berlin.
,,Ich bin geschockt. Wir hatten wirklich alles getan", sagte Lions- Boss Siggi Schneider in einer ersten Reaktion auf die verhängnisvolle Nachricht am späten Mittwochabend. Angeblich soll die DEL kurzfristig noch 600 000 Euro gefordert haben. ,,Das kann ich so nicht bestätigen", erklärte Pressesprecher Matthias Scholze.
Erbost reagierte auch der nordhessische Leidensgefährte auf die Kündigung der Lizenz. Die wie die Lions im Insolvenzverfahren steckenden Kassel Huskies werfen der DEL vor, mit dem Lizenzentzug gegen Recht zu verstoßen. ,,Wir leben doch nicht in einem rechtsfreien Raum", erregte sich Insolvenzverwalter und Geschäftsführer Fritz Westhelle. Der Club stellte am Donnerstag sogar Strafanzeige bei der Kölner Staatsanwaltschaft gegen die DEL.
,,Es wird intensiv beraten, was wir machen können", erklärte Lions-Sprecher Scholze am Donnerstag. Nachdem die DEL ,,einseitig, außerordentlich und mit sofortiger Wirkung" den Lizenzvertrag wegen fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit gekündigt hatte, bleiben den Frankfurtern kaum Möglichkeiten, der Auflösung der Profi-Abteilung zu entkommen. Möglich ist die Anrufung des DEL- Schiedsgerichtes. ,,Das müssen wir uns unter den derzeitigen Umständen aber sehr genau überlegen", sagte Scholze. Auch den Gang vor ein ordentliches Gericht kann der Club anstreben, doch könnte sich ein Verfahren über Monate hinziehen.
Die Lions waren sich sicher, die finanziellen Anforderungen mit den am 23. Juni eingereichten Nachbesserungen erfüllt zu haben. Der Etat war reduziert worden, die Spieler hatten auf 20 Prozent ihrer Gehälter verzichtet und die Stadt Frankfurt unbezahlte Rechnungen für die Nutzung der Eissporthalle auf lange Zeit gestundet. Zudem hatten die Gesellschafter um Schneider noch einmal eine Bürgschaft in siebenstelliger Höhe beigesteuert. 3,4 Millionen Euro hatten beim ersten Lizenzantrag gefehlt. 1,5 Millionen Euro Unterdeckung war einen Tag vor Fristablauf noch vorhanden, doch soll die Lücke geschlossen worden sein. Das ,,Wie" wollte der deutsche Eishockey-Meister von 2004 nach der sicher geglaubten Rettung mitteilen. Doch eine für Donnerstag angesetzte Pressekonferenz wurde abgesagt.
26 Spieler sowie der ganze Trainer- und Managerstab stehen nun ohne Job da, die Plätze in der DEL sind Anfang Juli bis auf wenige Ausnahmen vergeben. Nick Angell hat den Verein bereits Richtung Russland verlassen, sein Verteidigerpartner Michael Periard dürfte in Hamburg unterkommen.
Die Kassel Huskies gaben sich in einer ersten Stellungnahme durchaus optimistisch, auch künftig in der höchsten deutschen Klasse zu spielen. Für die Nordhessen ist die Kündigung der Lizenz ein weiterer ,,unfassbarer Schachzug" der DEL. Der Verband verstoße gegen eine Einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln. Darin wurde der DEL untersagt, die Lizenz wegen des laufenden Insolvenzverfahrens zu kündigen. Begründet wird die Verweigerung mit nicht ausgeglichenen Verbindlichkeiten, zudem zweifele die DEL an der Liquidität des Unternehmens von Huskies-Eigner Dennis Rossing.
Die Nordhessen werfen DEL-Geschäftsführer Gernot Tripke und dem stellvertretenden Aufsichtsrats-Vorsitzenden Wilfried Fabel vor, für die unzulässige Weitergabe von vertraulichen Geschäftsunterlagen durch die DEL an andere Clubs verantwortlich zu sein. ,,Das ist strafbar. Da muss es bei der DEL jetzt Rücktritte geben", sagte Westhelle.
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