E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 
 
25. Januar 2012  | Von Uwe Peppenhorst

Hans Günter Winkler im Interview: „Halla war aber auch eine Zicke“

Hans Günter Winkler und sein legendärer olympischer Goldritt 1956 mit der Stute aus Darmstadt

| Vergrößern | Legendäres Paar: Hans Günter Winkler und die aus dem Darmstädter Gestüt Vierling stammende „Halla“. Die Stute starb am 19. Mai 1979 in Darmstadt im für Pferde biblischen Alter von 34 Jahren. Archivfoto: dpa

ECHO: Hans Günter Winkler, welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem 17. Juni 1956?

Hans Günter Winkler: Das war der Tag, an dem ich bei den Olympischen Reiterspielen in Stockholm zwei Goldmedaillen gewonnen habe. Im Einzel und gemeinsam mit Fritz Thiedemann und Alfons Lütke Westhues zusätzlich in der Mannschaft.

ECHO: Wenn man das so nüchtern hört, kann man nicht einmal ansatzweise erahnen, welche Dramatik mit dem Gewinn dieser Medaillen verbunden war, dass an diesem Tag ein Stück Sportgeschichte geschrieben wurde.

Winkler: Als Weltmeister bin ich damals als Mitfavorit nach Stockholm gereist. Der Parcours bereitet meinem Pferd „Halla“ auch überhaupt keine Probleme. Dann kommt der 13. Sprung. Und plötzlich durchzuckt ein Schmerz meinen Körper, ich kann mich kaum noch im Sattel halten, beende den Umlauf halb ohnmächtig. In der Pause zum zweiten Umlauf wird ein Muskelriss in der Leiste diagnostiziert. Ein Arzt versucht, die Schmerzen mit einem Zäpfchen zu mindern, wirklich besser wird es nicht, aufgeben kann ich aber auch nicht, dann wäre die Mannschaft geplatzt. Also rein in den Sattel und auf zum zweiten Umlauf. Der wird zu einem Martyrium. Ich hänge fast hilflos auf dem Rücken des Pferdes, kann ihm so gut wie keine Hilfen geben. Aber Halla meistert die Situation, bleibt fehlerlos und rettet damit nicht nur mir, sondern auch dem Team die Goldmedaille.

ECHO: Wenn man das so hört, dann muss Halla ja ein unglaubliches Pferd gewesen sein.

Winkler: Sie war, und das kommt bei Pferden nicht häufig vor, hochintelligent. Sie war aber auch eine Zicke mit vielen kleinen und großen Macken.

ECHO: Beschreiben Sie doch mal Halla.

Winkler: Eigentlich sollte sie

Zur Person: Hans Günther Winkler

Geboren: 24. Juli 1926
Wohnort: Warendorf
Familienstand: Er war in vierter Ehe mit der US-Amerikanerin Debby Maloy verheiratet. Sie starb im Februar 2011 bei einem Reitunfall.
Kinder: Zwei
Größte Erfolge: 5x Gold bei Olympischen Spielen (1956 Einzel und Mannschaft; 1960, 1964 und 1972 Mannschaft), 1x Silber (1976 Mannschaft), 1x Bronze (1968 Mannschaft); 2x Gold bei Weltmeisterschaften (1954 und 1955 – jeweils Einzel); 1x Gold bei Europameisterschaften (1957), 1x Silber (1962), 3x Bronze (1958, 1961 und 1969); Deutscher Meister 1959
Auszeichnungen: 2x Sportler des Jahres (1955 und 1956); 2x Sportler des Jahrzehnts (fünfziger und sechziger Jahre); Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern; Sport-Pyramide; Medienpreis Bambi; Mitglied der deutschen Hall of Fame; Mitglied des Ehrenkomitees der Spanischen Hofreitschule

ein Rennpferd werden. Und als solches habe ich sie 1947 auf der Rennbahn in Frankfurt-Niederrad kennen gelernt. Man konnte aber recht bald erkennen, dass ihr die Schnelligkeit fehlte. Danach wurde die Stute zum Vielseitigkeitspferd umgeschult. Ich selbst habe sie erstmals 1950 in zwei Military-Prüfungen geritten und dabei in Bad Harzburg und Bad Hersfeld auf Anhieb einen zweiten und einen dritten Platz erreicht, so dass wir für die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki qualifiziert waren. Weil ich als angeblicher Berufsreiter aber nicht nach Helsinki durfte, wurde sie an einen anderen Reiter weiter gegeben. Der kam allerdings nicht mit ihr zurecht.

ECHO: Wie ist sie dann zu Ihnen gekommen?

Winkler: „Halla“ wurde als für den Sport nicht tauglich befunden und zurück zu ihrem Besitzer Gustav Vierling nach Darmstadt geschickt. Dass sie dann bei mir gelandet ist, war reiner Zufall. Vierling hat mich in Warendorf auf der Straße angesprochen und mir angeboten, sie zu reiten. Ich habe ja gesagt, und so stand sie plötzlich bei mir im Stall.

ECHO: Wenn sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken – sind Sie dann auch ein wenig stolz?

Winkler: Schon als junger Mensch hatte ich nur ein Ziel – ich wollte es schaffen, wollte durch Leistung nach oben kommen und irgendwann der Beste werden. Das habe ich geschafft. Und insofern bin ich schon ein bisschen stolz darauf, was ich in meinem Leben erreicht habe. Und das beziehe ich nicht nur auf den Sport.

ECHO: Zu den nicht so erfolgreichen Kapiteln Ihrer Sport-Laufbahn gehört die Zeit als Bundestrainer.

Winkler: Ganz ehrlich – das war eine fürchterliche Zeit. Eigentlich wollte ich auch nie Bundestrainer werden. Und im Nachhinein bereue ich es auch, dass ich mich damals habe überreden lassen.

ECHO: Zur Gegenwart. Auch im Alter von 85 Jahren sind Sie noch ein eifriger Turnierbesucher und bestens mit der Materie vertraut. Wie beurteilen Sie Ihre Nachfolger?

Winkler: Wir haben in Deutschland viele gute Reiter. Allerdings gibt es die im Ausland auch. Insgesamt liegt die Spitze sehr eng beieinander. Dass unsere Mannschaft trotzdem zuletzt wieder bei den Welt- und Europameisterschaften ganz oben auf dem Siegerpodest stand, spricht für sich. Wenn es darauf ankommt, sind wir zu besonderen Leistungen fähig.

ECHO: Ihnen wird häufig nachgesagt, zu Ihren Nachfolgern nicht das beste Verhältnis zu haben.

Winkler: Ich bin ein kritischer Mensch, und Kritik kommt nicht immer gut an. Trotzdem, so glaube ich, ist das Verhältnis zu meinen Nachfolgern gut. Auch mit Ludger Beerbaum, mit dem mich früher keine große Freundschaft verband, verstehe ich mich mittlerweile mehr als nur passabel.

ECHO: Als kritischer Mensch setzen Sie sich auch mit dem Reitsport durchaus kritisch auseinander. Was gefällt Ihnen nicht?

Winkler: Wir haben einfach zu viele Turniere. Dadurch bekommen die Top-Pferde zu wenige Pausen. Das ist aus meiner Sicht ein Riesenproblem. Pferde sind nun einmal keine Maschinen. Wenn überhaupt, dann kann man sie am ehesten mit Formel-1-Rennwagen vergleichen. Wenn man an denen eine Schraube überdreht, dann bleibt der Wagen irgendwann stehen. Genauso ist das auch bei Pferden.

ECHO: Für gute Pferde müssen heute Millionen auf den Tisch gelegt werden. Kann das nicht auch zu einem Problem des Reitsports werden?

Winkler: Wie im richtigen Leben sind auch im Reitsport Angebot und Nachfrage für den Preis entscheidend. Das mag man bedauern, zu ändern ist es vermutlich nicht. Deshalb brauchen wir Sponsoren. Davon gibt es aber leider zu wenige. Negativ macht sich in diesem Zusammenhang bemerkbar, dass die meisten großen Firmen nicht mehr von Inhabern geführt werden. Stattdessen haben dort heute Manager das Sagen. Und es ist schwierig, von denen Geld für den Sport zu bekommen.

 
 


BEWERTUNGEN
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel zu bewerten. | Anmelden |
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.

 
EUROTRAINER

Das große Gewinnspiel

Nominieren Sie Ihre persönliche Top-Mannschaft und fiebern Sie mit Echo Online bei den Spielen der EM mit. Und das können Sie gewinnen ...
Mehr |
ANZEIGE
SV 98
 
Live-Ticker vom Lilien-Spiel Fast wie Bölle! Wir tickern live alle Spiele des SV Darmstadt 98, egal ob auswärts oder zu Hause. Gleichzeitig können Sie in unserem Chat mitdiskutieren und das Spiel bewerten - direkt oder auch per Twitter und Facebook. | Mehr |
 

Veranstaltungskalender
 

Veranstaltungen in Südhessen zu Kultur und Kunst, Märkten und Börsen, Party und Disko.

Mehr |
 
Abo
 
Mit dem Echo Gewinncodes sammeln, alles zum Start der Fußball-EM erfahren und einen von 2012 ...
Mehr |
 
 
Abo
 
LWL Aufmacher 04_2012 440px Wir freuen uns über jeden Abonnenten – und sagen Danke!
Mehr |
 
 
ANZEIGE
Fahrrad.de ist der ideale Online Radsport Shop für Radprofis oder Fahrradbegeisterte. Hier finden Sie alles rund ums Fahrrad.
Fitnessübungen zuhause: Wer nicht gern ins Fitnessstudio geht, kann seine Fitness mit Ausdauer Trainingsgeräten auch in seinen eigenen vier Wänden steigern.
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE