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Der Berg rockt die Herausforderer
Sportklettern: Bei den deutschen Titelkämpfen in Darmstadt purzelt die Elite aus den anspruchsvollen Routen
Die Hütte war voll - rappelvoll. ,,Kein Einlass, wir sind ausverkauft", stand am Samstagabend an der Tür des DAV Sportkletterzentrums der Sektion Darmstadt/Starkenburg des Deutschen Alpenvereins. Drinnen drängten sich gut 500 Neugierige, plus Helfer, plus Aktive. Die deutschen Meisterschaften im Sportklettern (Lead) und Speed verfehlten ihre Zugkraft nicht bei den Finals. Welch ein Kontrast zur Bergeinsamkeit in der luftig-kühlen Natur.In der Kunstwelt, die der Zeitgeist inszeniert, ging es hoch her. Begnadete Körper, leicht und athletisch definiert, standen im Blickpunkt. ,,Die sind voll durchtrainiert, da ist kein Gramm Fett", erkannte eine Helferin fasziniert.Acht Männer und fünf Frauen huldigten dem ,,Spirit of the Mountains". Den grellen, gelb-orangenen Berggeist galt es zu rocken. Die hochkarätige Wettkampf-Premiere im Darmstädter Schmuckstück verströmte Hitze, Enge, heiße Musik, lautstarke Begeisterung. ,,Für uns ist das schon eine tolle Sache, die Halle hier, die wir uns erarbeitet haben", war Thomas Höhr, einer der 120 Wirbelwinde im Hintergrund, begeistert.Die Kunstwand verzieh im Wettkampf keine Fehler. Routenbauer und -schrauber hatten knifflige Arbeit geleistet. Im Halbfinale meisterte Top-Favoritin Juliane Wurm (Wuppertal) die Herausforderung nonstop. Hoffnungsträger Thomas Tauporn (Schwäbisch Gmünd) packte einen Griff unter Top. Im Finale rockte der Fels dann die Athleten. Wie Fliegen purzelten viele auf halber Höhe aus der Wertung. ,,Der Einstieg war zu hart, das war sehr fies", urteilte selbst Matthias Keller, aus dem Ressort Spitzenbergsport im DAV. Auch Überhänge und Querpassagen darüber ließen die Gipfelstürmer verzweifeln.
Orange leuchtete die Frauen-Route (48 Griffe/Kletterzeit maximal acht Minuten Schwierigkeitsgrad 9+ von 11). Für die jetzt zwanzigfache Meisterin Juliane Wurm war nach 37 Griffen Schluss. Dennoch hatte sie den Titel im Sack, wirkte aber unzufrieden. ,,Lust hatte ich, aber der Zug war zu weit." Platz zwei erklomm Ines Dull (36 Griffe) vor Luisa Neumärker (24/Sächsischer Bergsteigerbund). Pech ereilte Lisa Weisensee, früher Darmstadt, heute Sektion Frankfurt. Auf Platz vier erlitt sie im Halbfinale einen Muskelfaserriss im Oberschenkel und humpelte fortan auf Krücken. Finale ade.Die weiß-rot-gepunktete Männer-Route (53 Griffe/acht Minuten/Grad 10) fraß Favoriten und Außenseiter. ,,Shorty" Tauporn, der flinke Zwerg, war baff, als er nach 26+ Griffen im Sicherungsseil hing. Altmeister Christian Bindhammer (33/Kempten, neun deutsche Titel) haderte auf Rang vier (25-) mit sich und der tückischen Wand. Meister wurde überraschend Markus Hoppe (Sächsischer Bergsteigerbund), der sich nach Griff 27- abseilte. Sein Glück über den ersten Lead-Titel mochte er kaum glauben: ,,Ich bin überrascht, dass es heute geklappt hat." Titelverteidiger Jan Hojer (Frankfurt/26-) belegte Rang drei.Eigentlich ist alles ganz einfach: ,,Der am höchsten klettert, ist Meister", wachte Schiedsrichterin Christiane Hupe akribisch über jede Aktion. ,,Jeder Griff hat drei Wertungen: Halten. Aktion nach oben (plus). Berühren (Minus)." In der Isolationszone sehen die Kletterer nicht, was da auf der Hebebühne in bis zu 17 Meter Höhe zusammengeschraubt wird oder wie die Konkurrenz drauf ist. Vor dem Wettkampf haben alle sechs Minuten Zeit, sich die Route einzuprägen, bewaffnet mit Operngläsern, mit Händen und Füßen den Gipfelsturm komponierend. Dann hebt das Wunschkonzert an - donnernder Rock, Klatsch-Kaskaden - und die Klettertour beginnt. Immer im Fokus des Scheinwerfer-Kegels. Was für eine Gaudi. Christiane Hupe: ,,Man ist da so konzentriert, da hört man keine Musik." Die superleichten Kletterschuhe sitzen press, lieber eine Nummer zu klein, und strecken den Fuß, um Kraft in den Zehenspitzen zu verstärken. Bewehrt mit Gurt und Magnesia-Sack für den Grip der Hände. So geht es in die Wand, bis Ausdauer und Konzentration den Dienst versagen. Thomas Köhr: ,,Einer soll oben ankommen, das ist der Idealfall. In den Lead-Finals ging das schief. Die zweite Disziplin, der Deutsche Speedcup, verlangt neben Präzision vor allem Tempo. Acht Männer und vier Frauen gingen im K.o-System buchstäblich die Wand hoch. Gegriffen, gelaufen, fertig - sekundenschnell. Weltweit ist die Strecke mit zwölf Griffen genormt, um Rekorde messen zu können. Beim Speedcup-Finale wurde die Aufgabe verdoppelt: Immer ein Pärchen kletterte zwei Strecken im Wechsel. Die Zeit wurde addiert, der Schnellste gewann. Im Sauseschritt trennten sich Spreu und Weizen. Bei den Männern hieß der Tempokünstler Jonas Baumann aus Wuppertal (13,77 Sekunden für beide Strecken) vor Maximilian Porscha (Schwaben/14,32) und Matthias Conrad (13,94 im kleinen Finale). Bei den Frauen lag Isabell Haag (Schwaben/19,42) vorn, gefolgt von Andrea Fichtner (Stuttgart 28,73) und Selina Beck (Schwaben/25,56 im kleinen Finale).
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